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Energie & Management > Biomasse - Petitionen gegen Holzverfeuerung im Norden
Quelle: Fotolia / XtravaganT
Biomasse

Petitionen gegen Holzverfeuerung im Norden

Vier Umweltschutzorganisationen kritisieren Pläne zur Umrüstung von Kohlekraftwerken in Hamburg und Wilhelmshaven auf die Verbrennung von Holz und Erdgas.
In einem offenen Brief fordern der Naturschutzbund Deutschland (Nabu), die Deutsche Umwelthilfe (DUH), Biofuelwatch sowie Robin Hood den Ersten Bürgermeister von Hamburg auf, alles daranzusetzen, dass in der norddeutschen Großstadt die Wärmeversorgung ohne Holz, Kohle oder Erdgas auskommt. Peter Tschentscher (SPD) solle die Umrüstung des Kraftwerks Hamburg-Tiefstack stoppen. „Statt Holzverbrennung brauchen wir einen schnellen Kohleausstieg mit echten erneuerbaren Energien“, schreiben die Unterzeichner. Kopien gingen an Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) und Christian Heine, den Geschäftsführer der Hamburger Energiewerke.

Dazu sagte unter anderem Malte Siegert, Landesvorsitzender des Nabu Hamburg, laut einer gemeinsamen Mitteilung der Organiationen: „Wälder im großen Maßstab in umgerüsteten Kohlekraftwerken zu verfeuern, ist eine klimaschädliche Sackgasse.“ Stattdessen seien massive Investitionen in echte Erneuerbare und in Effizienzmaßnahmen notwendig.

Frauke Kohrs, Vorstandsmitglied des BUND Hamburg, drängte darüber hinaus auf „eine auf Hamburg bezogene Analyse aller Einsparmöglichkeiten sowie ehrliche Aussagen darüber, was technisch möglich ist und welche Entscheidungen auf rein wirtschaftlichen Überlegungen basieren”. Hamburg brauche ein erneuerbares Wärmesystem, das ohne die Verbrennung CO2-emittierender Energieträger auskomme.

Am 21. September 2023 übergaben die Umweltschutzorganisationen während einer Kundgebung in Hamburg noch zwei Petitionen mit nach eigenen Angaben mehr als 100.000 Unterschriften an den Senat der Hansestadt.

Die Petition des Nabu – gerichtet an die SPD-Regierungschefs der Länder sowie an deren Parteifreund Bundeskanzler Olaf Scholz – fordert „echte klimafreundliche Lösungen für die Energie- und Wärmewende“. Die Naturschutzorganisation begründet ihre Initiative mit dem Verdacht, die Kraftwerksbetreiber Onyx in Wilhelmshaven und die Hamburger Energiewerke in der Hansestadt wollten „ein Schlupfloch bei der CO2-Bepreisung“ nutzen. Denn die Verbrennung von Frischholz werde von der EU „irrigerweise“ als „erneuerbar“ eingestuft, sodass dafür keine Emissionsrechte vorgehalten werden müssten.

Auskunft der Landesregierung über Umrüstungspläne

„In der Theorie gilt das zwar seit Kurzem nur für ‚nachhaltige‘ Biomasse, in der Praxis sind die Kriterien aber so lasch, dass sie keine Auswirkungen haben werden“, schreiben die Initiatoren auf ihrer Internetseite. Selbst importierte Pellets aus Kahlschlägen könnten so die Emissionsbilanzen schönen.

Onyx betreibt in Wilhelmshaven einen Kohleblock mit 790 MW Bruttonennleistung, der Ende 2015 in Betrieb gegangen war. Das Unternehmen gehört zur Riverstone Holding, die auch Anteilseigner des Pellet-Herstellers Enviva ist. Im Jahr 2021 hatte die niedersächsische Landesregierung – damals eine Große Koalition – auf Anfrage von Abgeordneten der Grünen die Überlegungen von Onyx bestätigt, das Kohlekraftwerk auf Pellets umzurüsten. Gleichzeitig wies die Landesregierung darauf hin, eine nachhaltige Nutzung von Biomasse als Heizträger sei nur dann gegeben, wenn bei einer konstanten Aufforstung und durch eine verantwortungsvolle Bewirtschaftung von Wäldern das Gleichgewicht von CO2-Bindung und -Freisetzung aufrechterhalten werden werde.

Die kommunalen Hamburger Energiewerke betreiben in Hamburg-Tiefstack ein steinkohlebefeuertes Heizkraftwerk mit brutto 170 MWel und ein erdgasbefeuertes Gas-und-Dampfturbinen(GuD)-Kraftwerk mit brutto 130 MWel und Wärmeauskopplung. Dies geht aus der 2023er-Kraftwerksliste der Bundesnetzagentur hervor.

Einsatz von Holz und Erdgas in Spitzenlastzeiten

Die zweite Petition wurde von der Deutschen Umwelthilfe, Robin Wood sowie dem Förster und Autor Peter Wohlleben initiiert und bezieht sich ebenfalls auf die geplante Holzverbrennung in Wilhelmshaven und Hamburg.

Die Hamburger Energiewerke hatten nach dem Beschluss zum vollständigen Kohleausstieg im vergangenen Jahr angekündigt, dass zur Absicherung der Wärmeversorgung in Spitzenlastzeiten das Heizkraftwerk Tiefstack auf den wahlweisen Einsatz von Erdgas oder nachhaltiger Biomasse aus Rest- und Schadholz umzustellen. In erster Linie sollten jedoch Abwärme aus der Industrie und der Müllverbrennung, eine Power-to-Heat-Anlage sowie der Einsatz von Fluss-Wärmepumpen die kommunale Wärmeversorgung sicherstellen.

Ursprünglich war auch ein unterirdischer Wärmespeicher auf dem Tiefstack-Gelände geplant. Im August hatten jedoch die Hamburger Energiewerke mitgeteilt, neben technischen Herausforderungen bei der Installation der Filtereinrichtungen habe sich auch keine zufriedenstellende Förderrate des Thermalwassers erzielen lassen. Entsprechend müssten nun für die Energie- und Wärmewende „neue und innovative Ansätze“ erprobt werden.
 

Freitag, 22.09.2023, 09:44 Uhr
Fritz Wilhelm
Energie & Management > Biomasse - Petitionen gegen Holzverfeuerung im Norden
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Biomasse
Petitionen gegen Holzverfeuerung im Norden
Vier Umweltschutzorganisationen kritisieren Pläne zur Umrüstung von Kohlekraftwerken in Hamburg und Wilhelmshaven auf die Verbrennung von Holz und Erdgas.
In einem offenen Brief fordern der Naturschutzbund Deutschland (Nabu), die Deutsche Umwelthilfe (DUH), Biofuelwatch sowie Robin Hood den Ersten Bürgermeister von Hamburg auf, alles daranzusetzen, dass in der norddeutschen Großstadt die Wärmeversorgung ohne Holz, Kohle oder Erdgas auskommt. Peter Tschentscher (SPD) solle die Umrüstung des Kraftwerks Hamburg-Tiefstack stoppen. „Statt Holzverbrennung brauchen wir einen schnellen Kohleausstieg mit echten erneuerbaren Energien“, schreiben die Unterzeichner. Kopien gingen an Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) und Christian Heine, den Geschäftsführer der Hamburger Energiewerke.

Dazu sagte unter anderem Malte Siegert, Landesvorsitzender des Nabu Hamburg, laut einer gemeinsamen Mitteilung der Organiationen: „Wälder im großen Maßstab in umgerüsteten Kohlekraftwerken zu verfeuern, ist eine klimaschädliche Sackgasse.“ Stattdessen seien massive Investitionen in echte Erneuerbare und in Effizienzmaßnahmen notwendig.

Frauke Kohrs, Vorstandsmitglied des BUND Hamburg, drängte darüber hinaus auf „eine auf Hamburg bezogene Analyse aller Einsparmöglichkeiten sowie ehrliche Aussagen darüber, was technisch möglich ist und welche Entscheidungen auf rein wirtschaftlichen Überlegungen basieren”. Hamburg brauche ein erneuerbares Wärmesystem, das ohne die Verbrennung CO2-emittierender Energieträger auskomme.

Am 21. September 2023 übergaben die Umweltschutzorganisationen während einer Kundgebung in Hamburg noch zwei Petitionen mit nach eigenen Angaben mehr als 100.000 Unterschriften an den Senat der Hansestadt.

Die Petition des Nabu – gerichtet an die SPD-Regierungschefs der Länder sowie an deren Parteifreund Bundeskanzler Olaf Scholz – fordert „echte klimafreundliche Lösungen für die Energie- und Wärmewende“. Die Naturschutzorganisation begründet ihre Initiative mit dem Verdacht, die Kraftwerksbetreiber Onyx in Wilhelmshaven und die Hamburger Energiewerke in der Hansestadt wollten „ein Schlupfloch bei der CO2-Bepreisung“ nutzen. Denn die Verbrennung von Frischholz werde von der EU „irrigerweise“ als „erneuerbar“ eingestuft, sodass dafür keine Emissionsrechte vorgehalten werden müssten.

Auskunft der Landesregierung über Umrüstungspläne

„In der Theorie gilt das zwar seit Kurzem nur für ‚nachhaltige‘ Biomasse, in der Praxis sind die Kriterien aber so lasch, dass sie keine Auswirkungen haben werden“, schreiben die Initiatoren auf ihrer Internetseite. Selbst importierte Pellets aus Kahlschlägen könnten so die Emissionsbilanzen schönen.

Onyx betreibt in Wilhelmshaven einen Kohleblock mit 790 MW Bruttonennleistung, der Ende 2015 in Betrieb gegangen war. Das Unternehmen gehört zur Riverstone Holding, die auch Anteilseigner des Pellet-Herstellers Enviva ist. Im Jahr 2021 hatte die niedersächsische Landesregierung – damals eine Große Koalition – auf Anfrage von Abgeordneten der Grünen die Überlegungen von Onyx bestätigt, das Kohlekraftwerk auf Pellets umzurüsten. Gleichzeitig wies die Landesregierung darauf hin, eine nachhaltige Nutzung von Biomasse als Heizträger sei nur dann gegeben, wenn bei einer konstanten Aufforstung und durch eine verantwortungsvolle Bewirtschaftung von Wäldern das Gleichgewicht von CO2-Bindung und -Freisetzung aufrechterhalten werden werde.

Die kommunalen Hamburger Energiewerke betreiben in Hamburg-Tiefstack ein steinkohlebefeuertes Heizkraftwerk mit brutto 170 MWel und ein erdgasbefeuertes Gas-und-Dampfturbinen(GuD)-Kraftwerk mit brutto 130 MWel und Wärmeauskopplung. Dies geht aus der 2023er-Kraftwerksliste der Bundesnetzagentur hervor.

Einsatz von Holz und Erdgas in Spitzenlastzeiten

Die zweite Petition wurde von der Deutschen Umwelthilfe, Robin Wood sowie dem Förster und Autor Peter Wohlleben initiiert und bezieht sich ebenfalls auf die geplante Holzverbrennung in Wilhelmshaven und Hamburg.

Die Hamburger Energiewerke hatten nach dem Beschluss zum vollständigen Kohleausstieg im vergangenen Jahr angekündigt, dass zur Absicherung der Wärmeversorgung in Spitzenlastzeiten das Heizkraftwerk Tiefstack auf den wahlweisen Einsatz von Erdgas oder nachhaltiger Biomasse aus Rest- und Schadholz umzustellen. In erster Linie sollten jedoch Abwärme aus der Industrie und der Müllverbrennung, eine Power-to-Heat-Anlage sowie der Einsatz von Fluss-Wärmepumpen die kommunale Wärmeversorgung sicherstellen.

Ursprünglich war auch ein unterirdischer Wärmespeicher auf dem Tiefstack-Gelände geplant. Im August hatten jedoch die Hamburger Energiewerke mitgeteilt, neben technischen Herausforderungen bei der Installation der Filtereinrichtungen habe sich auch keine zufriedenstellende Förderrate des Thermalwassers erzielen lassen. Entsprechend müssten nun für die Energie- und Wärmewende „neue und innovative Ansätze“ erprobt werden.
 

Freitag, 22.09.2023, 09:44 Uhr
Fritz Wilhelm

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