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Energie & Management > Österreich - Verbund sieht sich in „unruhigem Umfeld“
Quelle: Shutterstock / Shawn Hempel
Österreich

Verbund sieht sich in „unruhigem Umfeld“

Die geopolitische Lage sorgt bei Österreichs größtem Stromkonzern für Unsicherheit. Er fährt daher auf Sicht, hieß es bei der Hauptversammlung. Beim Wasserstoffgeschäft wird gebremst.
Mit einem „schwer prognostizierbaren und unruhigen Umfeld“ sieht sich Österreichs größter Stromkonzern Verbund angesichts der geopolitischen Lage konfrontiert. Das betonte der Generaldirektor des Unternehmens, Michael Strugl, bei der Hauptversammlung in Wien. Strugl erläuterte, wegen der angesichts des Krieges im Nahen Osten tendenziell steigenden Öl- und Gaspreise „werden auch die Strompreise perspektivisch anziehen. Das sehen wir an den Großhandelsfutures“.

Zwar führe dies vorerst zu höheren Erlösen bei den Stromerzeugern: „In Österreich werden diese Mehreinnahmen aber als sogenannte Übergewinne vom Staat abgeschöpft, sei es, um Kundengruppen wie die Industrie oder sozial Schwache zu unterstützen, sei es, um das Budget zu sanieren. Und die Diskussionen über entsprechende Eingriffe dürften noch intensiver werden.“ 

Dies mache es für das Verbund-Management noch schwieriger, die künftigen Erlöse des Unternehmens abzuschätzen: „Wir müssen daher gewissermaßen auf Sicht fahren und uns genau überlegen, welche Investitionen wir tätigen und welche Personalmaßnahmen wir setzen.“ Grundsätzlich halte der Verbund aber an seiner Drei-Säulen-Strategie fest. Dies bedeute erstens, in den „Kernmärkten“ Österreich und Deutschland weiter entlang der gesamten Wertschöpfungskette von der Erzeugung über den Netzbetrieb bis zur Versorgung von Kunden von der Industrie bis zu den Haushalten tätig zu bleiben. Zweitens baue der Verbund seine Erzeugungskapazitäten im Bereich der erneuerbaren Energien weiter aus, sowohl in den beiden „Kernmärkten“ als auch darüber hinaus, konkret in Rumänien, Spanien und Italien. Die Wasserkraft, die über 90 Prozent der Stromerzeugung des Verbunds ausmacht, wird laut Strugl „auch künftig unsere Kerntechnologie bleiben“. Drittens halte der Konzern daran fest, im Wasserstoffgeschäft tätig zu werden, wenn auch in abgeänderter Form. 

Verzögerungen bei Wasserstoff 

Strugl erläuterte, der Verbund habe seine Aktivitäten hinsichtlich der Bereitstellung von grünem Wasserstoff „noch einmal sehr genau angesehen. Es gibt Verzögerungen. Die Zahlungsbereitschaft der Industrie ist noch nicht vorhanden. Daher ist das Wasserstoffgeschäft eine längerfristige Perspektive. Wir glauben grundsätzlich, dass die Wasserstoffwirtschaft kommen wird und wollen dabei sein, wenn das geschieht. Aber es verschiebt sich zeitlich nach hinten“. Daher beschränke sich der Verbund vorerst auf kleinere Projekte in Österreich, die sich dank staatlicher Förderungen rechnen. Größere Vorhaben halte er dagegen zurück, wie dies auch andere Unternehmen täten. 

Die ehemalige Enercity-Chefin Susanna Zapreva, die im Verbund-Vorstand für das Wasserstoffgeschäft zuständig ist, präzisierte, unter anderem treibe der Verbund die mit 100 Millionen Euro geförderte Errichtung eines 20-MW-Elektrolyseurs beim Salzburger Zellstoffkonzern Austrocel weiter voran. Die Anlage soll noch heuer in Betrieb gehen und kann rund 2.600 Tonnen grünen Wasserstoff pro Jahr für die Methanolherstellung erzeugen.

Vorerst „nicht im Fokus“ hat der Verbund dagegen den Bau eines 300-MW-Elektrolyseurs in Nickelsdorf an der burgenländisch-ungarischen Grenze. Dieses im Juli 2022 angekündigte Vorhaben wollte der Konzern mit der Burgenland Energie umsetzen. Geplant war, noch heuer rund 9.000 Tonnen grünen Wasserstoff zu erzeugen – eine Menge, die bis 2030 auf 40.000 Tonnen pro Jahr ansteigen sollte. Laut Zapreva fehlt es aber an Förderungen und regulatorischen Rahmenbedingungen: „Wir verfolgen dieses Projekt daher nicht.“ 

Aus dem Umfeld des Verbunds erfuhr die Redaktion am Rande der Hauptversammlung, dass die Verzögerungen beim Aufbau des Wasserstoffgeschäfts auch personelle Folgen haben: Von den diesbezüglich Beschäftigten werde voraussichtlich ein mittlerer zweistelliger Prozentanteil abgebaut. 

Ärgernis „Übergewinn“-Abschöpfung 

Intensiv befassten sich die Aktionärsvertreter bei der Hauptversammlung mit der von Generaldirektor Strugl angesprochenen staatlichen Abschöpfung sogenannter Übergewinne, die sie als nicht nachvollziehbares Ärgernis kritisierten. Laut Verbund-Finanzchef Peter Kollmann musste der Konzern 2025 dafür 136 Millionen Euro aufwenden.

Heuer dürfte sich dies dagegen vermeiden lassen: Kollmann zufolge kann der Verbund umfassende Investitionen in den Ausbau der erneuerbaren Energien geltend machen. Laut den rechtlichen Vorgaben reduzieren derartige Aufwendungen die „Übergewinn“-Abschöpfung: „Voraussichtlich können wir heuer genug Investitionen vorweisen, um keine Übergewinnsteuer zahlen zu müssen.“ 

Mittwoch, 22.04.2026, 09:23 Uhr
Klaus Fischer
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Österreich
Verbund sieht sich in „unruhigem Umfeld“
Die geopolitische Lage sorgt bei Österreichs größtem Stromkonzern für Unsicherheit. Er fährt daher auf Sicht, hieß es bei der Hauptversammlung. Beim Wasserstoffgeschäft wird gebremst.
Mit einem „schwer prognostizierbaren und unruhigen Umfeld“ sieht sich Österreichs größter Stromkonzern Verbund angesichts der geopolitischen Lage konfrontiert. Das betonte der Generaldirektor des Unternehmens, Michael Strugl, bei der Hauptversammlung in Wien. Strugl erläuterte, wegen der angesichts des Krieges im Nahen Osten tendenziell steigenden Öl- und Gaspreise „werden auch die Strompreise perspektivisch anziehen. Das sehen wir an den Großhandelsfutures“.

Zwar führe dies vorerst zu höheren Erlösen bei den Stromerzeugern: „In Österreich werden diese Mehreinnahmen aber als sogenannte Übergewinne vom Staat abgeschöpft, sei es, um Kundengruppen wie die Industrie oder sozial Schwache zu unterstützen, sei es, um das Budget zu sanieren. Und die Diskussionen über entsprechende Eingriffe dürften noch intensiver werden.“ 

Dies mache es für das Verbund-Management noch schwieriger, die künftigen Erlöse des Unternehmens abzuschätzen: „Wir müssen daher gewissermaßen auf Sicht fahren und uns genau überlegen, welche Investitionen wir tätigen und welche Personalmaßnahmen wir setzen.“ Grundsätzlich halte der Verbund aber an seiner Drei-Säulen-Strategie fest. Dies bedeute erstens, in den „Kernmärkten“ Österreich und Deutschland weiter entlang der gesamten Wertschöpfungskette von der Erzeugung über den Netzbetrieb bis zur Versorgung von Kunden von der Industrie bis zu den Haushalten tätig zu bleiben. Zweitens baue der Verbund seine Erzeugungskapazitäten im Bereich der erneuerbaren Energien weiter aus, sowohl in den beiden „Kernmärkten“ als auch darüber hinaus, konkret in Rumänien, Spanien und Italien. Die Wasserkraft, die über 90 Prozent der Stromerzeugung des Verbunds ausmacht, wird laut Strugl „auch künftig unsere Kerntechnologie bleiben“. Drittens halte der Konzern daran fest, im Wasserstoffgeschäft tätig zu werden, wenn auch in abgeänderter Form. 

Verzögerungen bei Wasserstoff 

Strugl erläuterte, der Verbund habe seine Aktivitäten hinsichtlich der Bereitstellung von grünem Wasserstoff „noch einmal sehr genau angesehen. Es gibt Verzögerungen. Die Zahlungsbereitschaft der Industrie ist noch nicht vorhanden. Daher ist das Wasserstoffgeschäft eine längerfristige Perspektive. Wir glauben grundsätzlich, dass die Wasserstoffwirtschaft kommen wird und wollen dabei sein, wenn das geschieht. Aber es verschiebt sich zeitlich nach hinten“. Daher beschränke sich der Verbund vorerst auf kleinere Projekte in Österreich, die sich dank staatlicher Förderungen rechnen. Größere Vorhaben halte er dagegen zurück, wie dies auch andere Unternehmen täten. 

Die ehemalige Enercity-Chefin Susanna Zapreva, die im Verbund-Vorstand für das Wasserstoffgeschäft zuständig ist, präzisierte, unter anderem treibe der Verbund die mit 100 Millionen Euro geförderte Errichtung eines 20-MW-Elektrolyseurs beim Salzburger Zellstoffkonzern Austrocel weiter voran. Die Anlage soll noch heuer in Betrieb gehen und kann rund 2.600 Tonnen grünen Wasserstoff pro Jahr für die Methanolherstellung erzeugen.

Vorerst „nicht im Fokus“ hat der Verbund dagegen den Bau eines 300-MW-Elektrolyseurs in Nickelsdorf an der burgenländisch-ungarischen Grenze. Dieses im Juli 2022 angekündigte Vorhaben wollte der Konzern mit der Burgenland Energie umsetzen. Geplant war, noch heuer rund 9.000 Tonnen grünen Wasserstoff zu erzeugen – eine Menge, die bis 2030 auf 40.000 Tonnen pro Jahr ansteigen sollte. Laut Zapreva fehlt es aber an Förderungen und regulatorischen Rahmenbedingungen: „Wir verfolgen dieses Projekt daher nicht.“ 

Aus dem Umfeld des Verbunds erfuhr die Redaktion am Rande der Hauptversammlung, dass die Verzögerungen beim Aufbau des Wasserstoffgeschäfts auch personelle Folgen haben: Von den diesbezüglich Beschäftigten werde voraussichtlich ein mittlerer zweistelliger Prozentanteil abgebaut. 

Ärgernis „Übergewinn“-Abschöpfung 

Intensiv befassten sich die Aktionärsvertreter bei der Hauptversammlung mit der von Generaldirektor Strugl angesprochenen staatlichen Abschöpfung sogenannter Übergewinne, die sie als nicht nachvollziehbares Ärgernis kritisierten. Laut Verbund-Finanzchef Peter Kollmann musste der Konzern 2025 dafür 136 Millionen Euro aufwenden.

Heuer dürfte sich dies dagegen vermeiden lassen: Kollmann zufolge kann der Verbund umfassende Investitionen in den Ausbau der erneuerbaren Energien geltend machen. Laut den rechtlichen Vorgaben reduzieren derartige Aufwendungen die „Übergewinn“-Abschöpfung: „Voraussichtlich können wir heuer genug Investitionen vorweisen, um keine Übergewinnsteuer zahlen zu müssen.“ 

Mittwoch, 22.04.2026, 09:23 Uhr
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