Auch diese Azubis unter den 2.800 Beschäftigten haben einen Übergangschef. Quelle: Stadtwerke Bonn
Während die Wogen noch durch das politische Bonn schlagen, hat der Aufsichtsrat der dortigen Stadtwerke die vorübergehende Nachfolge für den abgetretenen Geschäftsführer geregelt.
Alle Jahre wieder…− rückt Marco Westphal auf der Kommandobrücke der Stadtwerke Bonn (SWB) direkt ans Ruder. Auch jetzt ersetzt er den überraschend zurückgetretenen Vorsitzenden der Geschäftsführung, bis eine langfristige Personalentscheidung getroffen ist.
Das habe der Aufsichtsrat der SWB
GmbH
einstimmig und mit sofortiger Wirkung beschlossen, heißt es in einer am 25. März veröffentlichten Mitteilung des kommunalen Konzerns. Mit dieser Lösung wolle das Kontrollgremium in der Übergangsphase „Stabilität und Kontinuität sicherstellen“, so der neue Aufsichtsratschef David Lutz (CDU) laut dem Schreiben. Über die dauerhafte Nachbesetzung des Vorstandsvorsitzes sei später zu entscheiden.
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Marco Westphal ist wieder Übergangschef in Bonn Quelle: Stadtwerke Bonn |
Der bisherige SWB-Chef Olaf Hermes hatte nach Monaten des Zerwürfnisses mit der im Herbst neugewählten Stadtspitze und deren Entourage am Rhein das Handtuch geworfen (wir berichteten). Zwischenzeitlich hatte es danach ausgesehen, als sei die Beziehung zum neuen Oberbürgermeister Guido Deus (CD) zu retten. Doch dann endete das Hick-Hack um angekündigten Rückzug und mögliche Vertragsverlängerung mit dem großen Knall und dem abrupten Ausstieg von Hermes.
Er bildete bis dato mit das Geschäftsführungstrio des SWB-Konzerns. Nun verbleiben zunächst Marco Westphal, der seit 2005 Geschäftsführer und Arbeitsdirektor ist, und Anja Wenmakers in vorderster Position. Sie rückte im vergangenen Jahr auf die höchste Ebene des Konzerns, ist allerdings bereits seit 2014 mit Führungsaufgaben bei den Bonnern betraut. Westphal war bereits aufgerückt, nachdem Peter Weckenbrock im Sommer 2022 plötzlich ausgeschieden war. Olaf Hermes hatte im Oktober 2022 übernommen.
Während Aufsichtsratschef Lutz es in seiner Erklärung bei warmen Worten für Olaf Hermes belässt, erinnert Lutz’ Vize an die Begleitumstände. Hermes hatte einen Grundstückskauf der Beteiligungsgesellschaft am Flugplatz Hangelar durchgesetzt, gegen den Widerstand lokaler CDU-Größen.
Tobias Sterl, stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender und Arbeitnehmervertreter, kritisiert in der SWB-Mitteilung, „dass fachliche Expertise und nachweisbare Erfolge in der aktuellen Situation hinter politische Erwägungen zurücktreten“. Das Wohl des Unternehmens und seiner rund 2.800 Mitarbeitenden habe hinter den Interessen der Anteilseigner zurückstehen müssen. Dies wirke sich unmittelbar auf die Betriebskultur und die Stabilität aus. „Die Enttäuschung in der Belegschaft ist spürbar“, so Sterl. Nun sei es wichtig, Orientierung zu geben und Verlässlichkeit sicherzustellen.
Auch eine weitere betroffene Tochtergesellschaft meldet sich am 26. März nach ihrer Aufsichtsratssitzung zu Wort. Ähnlich deutlich wie Sterl reagiert Rolf Driller, Vize-Aufsichtsratsvorsitzender und Arbeitnehmervertreter der SWB Energie und Wasser.
Er kritisiert die „weiteren
Anteilseigner“ dafür, dass sie in die Gespräche um die Vertragsverlängerung von
Hermes „weitere Themenschwerpunkte“ einbringen wollten.
Dieses Vorgehen sei im
Aufsichtsrat nicht abgesprochen gewesen und habe zur außerordentlichen Kündigung durch Olaf Hermes geführt. Es sei bedauerlich, dass der Geschäftsführer diesen
Schritt habe gehen müssen, „ohne wichtigen Grund oder Misswirtschaft“. Es sei noch viel aufzuarbeiten, schließt Driller laut der Mitteilung.
Donnerstag, 26.03.2026, 15:02 Uhr
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