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Energie & Management > Personalie - Bonner Stadtwerke-Chef schmeißt nun doch hin
Das letzte Händeschütteln mit dem OB: Olaf Hermes (2.v.r) schmeißt hin. Quelle: Stadtwerke Bonn
Personalie

Bonner Stadtwerke-Chef schmeißt nun doch hin

Ende mit Schrecken: Der Geschäftsführer der Stadtwerke Bonn gibt im Streit mit der Stadtspitze auf und wirft das Handtuch. Der Oberbürgermeister sieht die Verantwortung nicht bei sich.
Die Vertrauenskrise zwischen der Verwaltungsspitze der Stadt Bonn und dem Chef des lokalen Versorgers endet mit einem Knall. Wie der Stadtwerkechef, Olaf Hermes, am 24. März über die Stadtwerke mitteilt, habe er mit sofortiger Wirkung die außerordentliche Kündigung eingereicht. Damit endet sein kurzes Wirken am Rhein, er war erst im Oktober 2022 als Vorsitzender der Geschäftsführung in die Verantwortung gelangt.

Dass Hermes die Reißleine zieht, ist unwiederbringlich der Schlussstrich unter ein monatelanges Verwirrspiel (wir berichteten). Dessen Anfänge reichen zurück bis zur jüngsten Kommunalwahl in Nordrhein-Westfalen, bei der der CDU-Kandidat Guido Deus am 28. September 2025 die Stichwahl gewann und neuer Oberbürgermeister in der Bundesstadt wurde.

Kurz nach dem Wechsel im Rathaus, von der Grünen-Politikerin Katja Dörner zu Deus, sah Olaf Hermes sich in seinen Befugnissen eingeschränkt. Ein von den Stadtwerken beabsichtigter Grundstückskauf am kleinen Flugplatz Hangelar geriet zum Politikum, da verschiedene CDU-Funktionsträger offenbar den Deal zu verhindern suchten. Namentlich Deus, sein Co-Dezernent Christian Siegberg und Sebastian Haller, Landrat des benachbarten Rhein-Sieg-Kreises.

Grundstücksdeal trotz Einflussnahme von CDU-Funktionsträgern

Siegberg wollte, so die Berichterstattung, der Stadtwerke-Spitze Ende vergangenen Jahres per Weisung den Grundstückserwerb untersagen. Dem beugte sich Hermes nicht. Er setzte mit einer hauchdünnen Mehrheit in der Flughafen-Beteiligungsgesellschaft das Vorkaufsrecht durch. Das Geschmäckle in dem Zusammenhang ist der – von den CDU-Politikern in Abrede gestellte – Versuch, das Grundstück stattdessen einem Unternehmer zu überlassen, der laut WDR-Bericht ein Großspender der CDU sein soll.

In dieser Gemengelage strengte Olaf Hermes ein Compliance-Verfahren an, wegen der versuchten Einflussnahme auf die unabhängige Entscheidung der Stadtwerke. Der Bericht der beauftragten Rechtsanwaltskanzlei kam zu dem Ergebnis, dass das Vorgehen gegen die Stadtwerke-Geschäftsführung „gegebenenfalls nicht frei von Fremdeinflüssen und Interessenkonflikten“ gewesen sei. Eine Übergabe des Berichts an die Staatsanwaltschaft stand im Raum.

Hermes begründet seinen abrupten Ausstieg in einer Mitteilung mit „neuen Geschehnissen und zusätzlichen Hintergründen“, die er nicht weiter präzisiert. Das Pendel hatte in den vergangenen Wochen mehrfach in beide Richtungen ausgeschlagen. Erst kündigte Hermes seinen Abschied für den Sommer an, dann machten Stadt und Stadtwerke eine Verständigung mit OB Deus und sogar eine vorzeitige Vertragsverlängerung für Hermes öffentlich.

Den scheinbar geebneten Weg „für ein konstruktives und professionelles Miteinander“ sieht Hermes nun nicht länger, ein „Weiter so“ als Geschäftsführer des SWB-Konzerns und von SWB Energie und Wasser sei nicht mehr möglich. Sein Schritt mache den Weg frei für einen „notwendigen unbelasteten Neuanfang“.

Stadtwerke sehen der Vakanz gelassen entgegen

Der Oberbürgermeister will den Grund für Hermes’ Rücktritt nicht im Verhältnis der beiden ausmachen. Deus spricht von „aufgeklärten“ Compliance-Vorwürfen, in deren Folge er auf Hermes „zugegangen“ sei, ihm „die Hand gereicht und eine Vertragsverlängerung angeboten“ habe. Gespräche mit „den anderen zu beteiligenden Partnern“ im Rahmen der Vertragsgespräche hätten dagegen zu „Schwierigkeiten“ geführt.
 
Vermittlungsversuche von Deus seien daran gescheitert, dass Hermes für ihn in den jüngsten Tagen nicht mehr zu erreichen gewesen sei. Zu den Gründen für die Entscheidung des Geschäftsführers könne er folglich „nichts sagen“. Nun gehe es darum zu klären, „wie es zum Wohle des SWB-Konzerns und der Stadt weitergeht“.

Die Stadtwerke selbst halten sich in dieser Übergangszeit auf der Führungsebene für „gut aufgestellt“, teilt der Versorger auf Anfrage dieser Redaktion mit. Als weiterer Geschäftsführer und Arbeitsdirektor ist Marco Westphal im Amt, auch Anja Wenmakers ist Geschäftsführerin des Konzerns. Der Aufsichtsrat werde über das weitere Vorgehen entscheiden, die vielfältigen Aufgaben werde der Versorger auch nach Hermes’ Rückzug „konsequent weiter verfolgen“.

Die verbliebene Stadtwerke-Spitze wollte sich nicht weiter zu den Gründen für das Ausscheiden des Chefs äußern. Die Aufsichtsräte der SWB GmbH und von SWB Energie und Wasser müssten zunächst formal über den „Kündigungswunsch“ von Hermes am 25. bzw. 26. März befinden. Die Stadtwerke, heißt es weiter in der Antwort, hätten eine vergleichbare Vakanz bereits vor Amtsübernahme von Hermes erfolgreich gestaltet. Peter Weckenbrock war im Sommer 2022 gegangen, Hermes hatte erst im Oktober desselben Jahres übernommen.

Dienstag, 24.03.2026, 17:47 Uhr
Volker Stephan
Energie & Management > Personalie - Bonner Stadtwerke-Chef schmeißt nun doch hin
Das letzte Händeschütteln mit dem OB: Olaf Hermes (2.v.r) schmeißt hin. Quelle: Stadtwerke Bonn
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Bonner Stadtwerke-Chef schmeißt nun doch hin
Ende mit Schrecken: Der Geschäftsführer der Stadtwerke Bonn gibt im Streit mit der Stadtspitze auf und wirft das Handtuch. Der Oberbürgermeister sieht die Verantwortung nicht bei sich.
Die Vertrauenskrise zwischen der Verwaltungsspitze der Stadt Bonn und dem Chef des lokalen Versorgers endet mit einem Knall. Wie der Stadtwerkechef, Olaf Hermes, am 24. März über die Stadtwerke mitteilt, habe er mit sofortiger Wirkung die außerordentliche Kündigung eingereicht. Damit endet sein kurzes Wirken am Rhein, er war erst im Oktober 2022 als Vorsitzender der Geschäftsführung in die Verantwortung gelangt.

Dass Hermes die Reißleine zieht, ist unwiederbringlich der Schlussstrich unter ein monatelanges Verwirrspiel (wir berichteten). Dessen Anfänge reichen zurück bis zur jüngsten Kommunalwahl in Nordrhein-Westfalen, bei der der CDU-Kandidat Guido Deus am 28. September 2025 die Stichwahl gewann und neuer Oberbürgermeister in der Bundesstadt wurde.

Kurz nach dem Wechsel im Rathaus, von der Grünen-Politikerin Katja Dörner zu Deus, sah Olaf Hermes sich in seinen Befugnissen eingeschränkt. Ein von den Stadtwerken beabsichtigter Grundstückskauf am kleinen Flugplatz Hangelar geriet zum Politikum, da verschiedene CDU-Funktionsträger offenbar den Deal zu verhindern suchten. Namentlich Deus, sein Co-Dezernent Christian Siegberg und Sebastian Haller, Landrat des benachbarten Rhein-Sieg-Kreises.

Grundstücksdeal trotz Einflussnahme von CDU-Funktionsträgern

Siegberg wollte, so die Berichterstattung, der Stadtwerke-Spitze Ende vergangenen Jahres per Weisung den Grundstückserwerb untersagen. Dem beugte sich Hermes nicht. Er setzte mit einer hauchdünnen Mehrheit in der Flughafen-Beteiligungsgesellschaft das Vorkaufsrecht durch. Das Geschmäckle in dem Zusammenhang ist der – von den CDU-Politikern in Abrede gestellte – Versuch, das Grundstück stattdessen einem Unternehmer zu überlassen, der laut WDR-Bericht ein Großspender der CDU sein soll.

In dieser Gemengelage strengte Olaf Hermes ein Compliance-Verfahren an, wegen der versuchten Einflussnahme auf die unabhängige Entscheidung der Stadtwerke. Der Bericht der beauftragten Rechtsanwaltskanzlei kam zu dem Ergebnis, dass das Vorgehen gegen die Stadtwerke-Geschäftsführung „gegebenenfalls nicht frei von Fremdeinflüssen und Interessenkonflikten“ gewesen sei. Eine Übergabe des Berichts an die Staatsanwaltschaft stand im Raum.

Hermes begründet seinen abrupten Ausstieg in einer Mitteilung mit „neuen Geschehnissen und zusätzlichen Hintergründen“, die er nicht weiter präzisiert. Das Pendel hatte in den vergangenen Wochen mehrfach in beide Richtungen ausgeschlagen. Erst kündigte Hermes seinen Abschied für den Sommer an, dann machten Stadt und Stadtwerke eine Verständigung mit OB Deus und sogar eine vorzeitige Vertragsverlängerung für Hermes öffentlich.

Den scheinbar geebneten Weg „für ein konstruktives und professionelles Miteinander“ sieht Hermes nun nicht länger, ein „Weiter so“ als Geschäftsführer des SWB-Konzerns und von SWB Energie und Wasser sei nicht mehr möglich. Sein Schritt mache den Weg frei für einen „notwendigen unbelasteten Neuanfang“.

Stadtwerke sehen der Vakanz gelassen entgegen

Der Oberbürgermeister will den Grund für Hermes’ Rücktritt nicht im Verhältnis der beiden ausmachen. Deus spricht von „aufgeklärten“ Compliance-Vorwürfen, in deren Folge er auf Hermes „zugegangen“ sei, ihm „die Hand gereicht und eine Vertragsverlängerung angeboten“ habe. Gespräche mit „den anderen zu beteiligenden Partnern“ im Rahmen der Vertragsgespräche hätten dagegen zu „Schwierigkeiten“ geführt.
 
Vermittlungsversuche von Deus seien daran gescheitert, dass Hermes für ihn in den jüngsten Tagen nicht mehr zu erreichen gewesen sei. Zu den Gründen für die Entscheidung des Geschäftsführers könne er folglich „nichts sagen“. Nun gehe es darum zu klären, „wie es zum Wohle des SWB-Konzerns und der Stadt weitergeht“.

Die Stadtwerke selbst halten sich in dieser Übergangszeit auf der Führungsebene für „gut aufgestellt“, teilt der Versorger auf Anfrage dieser Redaktion mit. Als weiterer Geschäftsführer und Arbeitsdirektor ist Marco Westphal im Amt, auch Anja Wenmakers ist Geschäftsführerin des Konzerns. Der Aufsichtsrat werde über das weitere Vorgehen entscheiden, die vielfältigen Aufgaben werde der Versorger auch nach Hermes’ Rückzug „konsequent weiter verfolgen“.

Die verbliebene Stadtwerke-Spitze wollte sich nicht weiter zu den Gründen für das Ausscheiden des Chefs äußern. Die Aufsichtsräte der SWB GmbH und von SWB Energie und Wasser müssten zunächst formal über den „Kündigungswunsch“ von Hermes am 25. bzw. 26. März befinden. Die Stadtwerke, heißt es weiter in der Antwort, hätten eine vergleichbare Vakanz bereits vor Amtsübernahme von Hermes erfolgreich gestaltet. Peter Weckenbrock war im Sommer 2022 gegangen, Hermes hatte erst im Oktober desselben Jahres übernommen.

Dienstag, 24.03.2026, 17:47 Uhr
Volker Stephan

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