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Energie & Management > Biogas - Biomethan braucht günstige Regulierung
Koordinatorin Mersija Böhnig und Sprecher Bengt Bergt von der Biomethan Taskforce. Quelle: Susanne Harmsen
Biogas

Biomethan braucht günstige Regulierung

In einem Webinar diskutierten Vertreter von Biomethanbranche und Anlagenbetreiber Methanemissionen und die Regulierung des Marktes, um die Chancen des heimischen Gases zu erschließen.
Biomethan soll nach den Vorstellungen der Branche künftig stärker als erneuerbarer Energieträger in Wärmeversorgung, Industrie und Verkehr eingesetzt werden. Beim Webinar „Mission Biomethan: Klimafreundlicher Hoffnungsträger oder Öko-Mogelpackung?“ diskutierten Vertreter von Balance Erneuerbare Energien, der Biomethan Taskforce und Envitec Biogas über Methanemissionen, technische Minderungsmaßnahmen und die regulatorischen Rahmenbedingungen.

Ein Schwerpunkt lag auf dem sogenannten Methanschlupf. Damit ist Methan gemeint, das entlang der Prozesskette einer Biogas- oder Biomethananlage nicht erfasst wird und in die Atmosphäre gelangt. Die Teilnehmer des Webinars verwiesen darauf, dass solche Emissionen durch technische und betriebliche Maßnahmen reduziert werden.

Christian Weiser, Leiter Politik bei Balance, unterstrich: „Biomethan, das unkontrolliert entweicht, kann nicht vermarktet werden.“ Die Branche habe ihre Methanemissionen in den vergangenen 20 Jahren bereits deutlich reduziert. Gleichzeitig hält Weiser weitere Regulierung für erforderlich, kritisiert aber die zunehmende Zahl einzelner Vorgaben auf EU- und Bundesebene. Diese Regelungen sollten laut Weiser stärker gebündelt werden.

Zertifizierung der Klimabilanz

Maximilian Ruhe, Geschäftsführer von Envitec Biogas, stellte die Bedeutung der bilanzierten Treibhausgasemissionen für die Vermarktung von Biomethan heraus. Zertifizierungssysteme erfassen die Treibhausgasemissionen entlang der Wertschöpfungskette und bilden damit die Grundlage für die Klimabilanz.

Eine Rolle spielt dabei auch die Herkunft der eingesetzten Substrate. Bei der Vergärung von Gülle etwa kann die Biogaserzeugung Emissionen vermeiden, die bei einer konventionellen Lagerung und Ausbringung entstehen könnten.

Nach Angaben von Ruhe bleiben bei der Vergärung zudem wesentliche Nährstoffe im Gärrest erhalten. Stickstoff, Phosphor und Kalium können damit anschließend wieder landwirtschaftlich genutzt werden. Auch das bei der Aufbereitung von Biogas abgetrennte biogene CO2 kann in der Lebensmittelindustrie oder bei Kühl- und Industrieprozessen genutzt werden. 

2026 im Zeichen der Regulierung

Neben der Emissionsbilanz ging es im Webinar um die regulatorischen Rahmenbedingungen für Biomethan. „2026 entscheidet gleichzeitig über Nachfrage, Netzanschluss und Investitionssicherheit für Biomethan“, fasste Bengt Bergt, Sprecher der Biomethan Taskforce, zusammen. Dabei gehe es insbesondere um Nachfrage, Netzanschlüsse und Investitionssicherheit.
 
Deutscher Gasbedarf nach Kundengruppen -
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Quelle: Biomethan Taskforce

Bei der geplanten Grüngasquote ist der Gesetzgebungsprozess noch nicht abgeschlossen. Die Bundesregierung hatte Anfang 2026 erklärt, dass über eine solche Quote noch keine abschließende Entscheidung gefallen sei. Der inzwischen vorliegende Entwurf des Gebäudemodernisierungsgesetzes (GModG) sieht neben einer sogenannten Biotreppe auch eine Grüngasquote für den Brennstoffhandel vor. Diese soll ab 2028 zunächst niedrig beginnen und anschließend steigen. 

Bergt forderte für den Biomethanmarkt einen schrittweise steigenden Quotenpfad und handelbare Erfüllungsoptionen. Damit könnten nach seiner Darstellung Investitionen in Erzeugung und Abnahme besser planbar werden. Auch der Netzanschluss bleibt ein Thema. Die Übergangsregelungen der Gasnetzzugangsverordnung (GasNZV) laufen Ende 2026 aus. Für Biomethananlagen stellt sich damit die Frage, wie Anschlussbedingungen und Kostenteilung künftig geregelt werden. 

Gasnetze für Biomethan

Bergt sprach sich zudem dafür aus, bestehende Gasnetze nicht pauschal stillzulegen. Stattdessen solle regional geprüft werden, ob sich Netze künftig für Biomethan nutzen lassen. Insbesondere im ländlichen Raum könne Biomethan nach seiner Einschätzung eine Option für die Dekarbonisierung der Wärmeversorgung sein.

Gleichzeitig konkurriert Biomethan um verfügbare Mengen mit anderen Anwendungen. Stellungnahmen zum GModG verweisen unter anderem auf mögliche Nutzungskonkurrenzen zwischen Wärme, Industrie, Verkehr und Stromerzeugung. Auch die Frage, welche Kosten der Ausbau von Einspeiseinfrastruktur verursacht und wie diese verteilt werden, ist Teil der aktuellen Debatte. 

Nach Bergts Darstellung wurden in Deutschland zuletzt rund 80 Milliarden kWh Biogas erzeugt. Aus Abfällen und nachwachsenden Rohstoffen könnten perspektivisch bis zu 100 Milliarden kWh verfügbar sein.

Die Branche erwartet zugleich eine Verschiebung der Vermarktung: Während die direkte Stromerzeugung aus Biogas langfristig weniger stark über das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) unterstützt werden soll, könnte die Aufbereitung zu Biomethan und dessen Vermarktung als Ersatz für fossiles Erdgas an Bedeutung gewinnen. (sh)

Dienstag, 22.09.2026, 10:43 Uhr
Susanne Harmsen
Energie & Management > Biogas - Biomethan braucht günstige Regulierung
Koordinatorin Mersija Böhnig und Sprecher Bengt Bergt von der Biomethan Taskforce. Quelle: Susanne Harmsen
Biogas
Biomethan braucht günstige Regulierung
In einem Webinar diskutierten Vertreter von Biomethanbranche und Anlagenbetreiber Methanemissionen und die Regulierung des Marktes, um die Chancen des heimischen Gases zu erschließen.
Biomethan soll nach den Vorstellungen der Branche künftig stärker als erneuerbarer Energieträger in Wärmeversorgung, Industrie und Verkehr eingesetzt werden. Beim Webinar „Mission Biomethan: Klimafreundlicher Hoffnungsträger oder Öko-Mogelpackung?“ diskutierten Vertreter von Balance Erneuerbare Energien, der Biomethan Taskforce und Envitec Biogas über Methanemissionen, technische Minderungsmaßnahmen und die regulatorischen Rahmenbedingungen.

Ein Schwerpunkt lag auf dem sogenannten Methanschlupf. Damit ist Methan gemeint, das entlang der Prozesskette einer Biogas- oder Biomethananlage nicht erfasst wird und in die Atmosphäre gelangt. Die Teilnehmer des Webinars verwiesen darauf, dass solche Emissionen durch technische und betriebliche Maßnahmen reduziert werden.

Christian Weiser, Leiter Politik bei Balance, unterstrich: „Biomethan, das unkontrolliert entweicht, kann nicht vermarktet werden.“ Die Branche habe ihre Methanemissionen in den vergangenen 20 Jahren bereits deutlich reduziert. Gleichzeitig hält Weiser weitere Regulierung für erforderlich, kritisiert aber die zunehmende Zahl einzelner Vorgaben auf EU- und Bundesebene. Diese Regelungen sollten laut Weiser stärker gebündelt werden.

Zertifizierung der Klimabilanz

Maximilian Ruhe, Geschäftsführer von Envitec Biogas, stellte die Bedeutung der bilanzierten Treibhausgasemissionen für die Vermarktung von Biomethan heraus. Zertifizierungssysteme erfassen die Treibhausgasemissionen entlang der Wertschöpfungskette und bilden damit die Grundlage für die Klimabilanz.

Eine Rolle spielt dabei auch die Herkunft der eingesetzten Substrate. Bei der Vergärung von Gülle etwa kann die Biogaserzeugung Emissionen vermeiden, die bei einer konventionellen Lagerung und Ausbringung entstehen könnten.

Nach Angaben von Ruhe bleiben bei der Vergärung zudem wesentliche Nährstoffe im Gärrest erhalten. Stickstoff, Phosphor und Kalium können damit anschließend wieder landwirtschaftlich genutzt werden. Auch das bei der Aufbereitung von Biogas abgetrennte biogene CO2 kann in der Lebensmittelindustrie oder bei Kühl- und Industrieprozessen genutzt werden. 

2026 im Zeichen der Regulierung

Neben der Emissionsbilanz ging es im Webinar um die regulatorischen Rahmenbedingungen für Biomethan. „2026 entscheidet gleichzeitig über Nachfrage, Netzanschluss und Investitionssicherheit für Biomethan“, fasste Bengt Bergt, Sprecher der Biomethan Taskforce, zusammen. Dabei gehe es insbesondere um Nachfrage, Netzanschlüsse und Investitionssicherheit.
 
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Quelle: Biomethan Taskforce

Bei der geplanten Grüngasquote ist der Gesetzgebungsprozess noch nicht abgeschlossen. Die Bundesregierung hatte Anfang 2026 erklärt, dass über eine solche Quote noch keine abschließende Entscheidung gefallen sei. Der inzwischen vorliegende Entwurf des Gebäudemodernisierungsgesetzes (GModG) sieht neben einer sogenannten Biotreppe auch eine Grüngasquote für den Brennstoffhandel vor. Diese soll ab 2028 zunächst niedrig beginnen und anschließend steigen. 

Bergt forderte für den Biomethanmarkt einen schrittweise steigenden Quotenpfad und handelbare Erfüllungsoptionen. Damit könnten nach seiner Darstellung Investitionen in Erzeugung und Abnahme besser planbar werden. Auch der Netzanschluss bleibt ein Thema. Die Übergangsregelungen der Gasnetzzugangsverordnung (GasNZV) laufen Ende 2026 aus. Für Biomethananlagen stellt sich damit die Frage, wie Anschlussbedingungen und Kostenteilung künftig geregelt werden. 

Gasnetze für Biomethan

Bergt sprach sich zudem dafür aus, bestehende Gasnetze nicht pauschal stillzulegen. Stattdessen solle regional geprüft werden, ob sich Netze künftig für Biomethan nutzen lassen. Insbesondere im ländlichen Raum könne Biomethan nach seiner Einschätzung eine Option für die Dekarbonisierung der Wärmeversorgung sein.

Gleichzeitig konkurriert Biomethan um verfügbare Mengen mit anderen Anwendungen. Stellungnahmen zum GModG verweisen unter anderem auf mögliche Nutzungskonkurrenzen zwischen Wärme, Industrie, Verkehr und Stromerzeugung. Auch die Frage, welche Kosten der Ausbau von Einspeiseinfrastruktur verursacht und wie diese verteilt werden, ist Teil der aktuellen Debatte. 

Nach Bergts Darstellung wurden in Deutschland zuletzt rund 80 Milliarden kWh Biogas erzeugt. Aus Abfällen und nachwachsenden Rohstoffen könnten perspektivisch bis zu 100 Milliarden kWh verfügbar sein.

Die Branche erwartet zugleich eine Verschiebung der Vermarktung: Während die direkte Stromerzeugung aus Biogas langfristig weniger stark über das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) unterstützt werden soll, könnte die Aufbereitung zu Biomethan und dessen Vermarktung als Ersatz für fossiles Erdgas an Bedeutung gewinnen. (sh)

Dienstag, 22.09.2026, 10:43 Uhr
Susanne Harmsen

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