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Enerige & Management > Stadtwerke - Unternehmen strukturieren ihre Energiebeschaffung neu
Quelle: Fotolia / nmann77
STADTWERKE:
Unternehmen strukturieren ihre Energiebeschaffung neu
Eine Trianel-Umfrage stellt bei den Stadtwerken neue Beschaffungsstrategien und ein verändertes Risikomanagement fest. Ursache seien das hohe Preisniveau und die unsicheren Gasmengen.
 
Trianel, Handelshaus und Dienstleistungsunternehmen für Stadtwerke, hat im Juni 2022 eine Online-Umfrage bei Kunden und Partnern zum Umgang mit der Energiepreiskrise durchgeführt. "Die historisch hohen Preisniveaus an den Großhandelsmärkten für Strom und Gas sowie die hohe Volatilität der Preise aufgrund der Unsicherheiten in der Gas-, Kohle- und Ölversorgung in Folge des Ukraine-Kriegs stellen die Beschaffungsstrategien von Stadtwerken auf die Probe", sagte Paul Jüngst, Leiter Trendscouting bei Trianel. Deshalb schätzten 97 % der Stadtwerke in der Umfrage ihren Handlungsdruck in der Beschaffung "als hoch bis sehr hoch" ein.
 
Trianel veröffentlichte die Umfrageergebnisse am 17. August. "Wir erleben derzeit eine stärkere Komplexität und höhere Anforderungen im Rahmen der strukturierten Beschaffung sowie der Risikosteuerung", fasste Jan Drößler, Leiter Risikomanagement Dienstleistungen bei Trianel, zusammen. Stadtwerke stellten sich auf ein höheres Preisniveau an den Handelsmärkten ein. "Unsere Umfrage ist mit 132 Experten aus 59 Stadtwerken auf sehr hohes Interesse gestoßen", sagte Jüngst. Diese seien über das ganze Bundesgebiet verteilt.

Steigende Preise weitergeben

Im Fokus der Befragung standen die Themen Markt- und Preisentwicklung, Marktzugang, Beschaffung und Risikomanagement. „Stadtwerke erwarten weitere Preisanstiege sowie ein dauerhaft höheres Preisniveau bei langfristig starker Volatilität“, hob Jüngst hervor. Rund 80 % gehen mittelfristig von einem weiterhin hohen und sogar steigenden Preisniveau aus. Langfristig erwarten 73 % der Befragten höhere Marktpreise und 61 % rechnen mit einer starken Volatilität der Preise.

"Entsprechend der bereits sichtbaren und zu erwartenden Preisentwicklung haben schon 83 Prozent der Befragten ihre Strom- und Gastarife angepasst", erläuterte Jüngst weiter. Als zentrale Herausforderung im Beschaffungsmanagement sehen Stadtwerke den Marktzugang und die Terminbeschaffung an. "Preisaufschläge, wenige Handelspartner für Terminprodukte und fehlende Möglichkeiten zur Beschaffung im dritten bis fünften Frontjahr erschweren derzeit die Umsetzung bewährter Beschaffungsstrategien", hob Jan Drößler hervor. Rund 58 % gaben schon im Juni 2022 an, dass kaum noch Produkte für das dritte bis fünfte Frontjahr am Markt verfügbar sind.

Anzahl der Handelspartner sinkt

Auch die Teilnahme an Ausschreibungsrunden beurteilen 65 % der Teilnehmenden als stark eingeschränkt. "Stadtwerke erkennen zunehmend, dass sie ihren Instrumentenkasten erweitern müssen", folgerte Drößler. Die Anzahl der aktiven Handelspartner habe sich deutlich reduziert. 87 % der Stadtwerke gaben an, dass ihnen nur noch maximal fünf aktive Handelspartner zur Verfügung stehen. Dies liege sowohl an fehlenden Energiemengen als auch an mangelnder Zahlungsfähigkeit.

Stadtwerke reagierten vorausschauend und hätten bereits zu 61 % ihre Beschaffungsstrategien angepasst, beschrieb Drößler weiter. "Die Praxis zeigt, dass Stadtwerke unterjährig stärker über Quartals- und Monatsprodukte ihre Beschaffung und damit ihre Risiken optimieren", sagte er. Das erhöhe zwar die Komplexität und die Anforderungen, "ist aber ein guter Ansatz", sagte der Risikomanagement-Experte.
 
Veränderung der Beschaffungsstrategie von Stadtwerken laut einer Trianel-Umfrage vom Juni 2022
(zum Vergrößern bitte auf die Grafik klicken)
Quelle: Trianel

Kreditrisiken kontrollieren

Anpassungsbedarf erkennt Drößler dagegen bei der aktiven Kreditrisikoüberwachung. "Viele Stadtwerke überwachen das Risiko eines Ausfalls ihrer Lieferanten und Handelspartner, diese Instrumente sollten in der aktuellen Marktlage intensiviert werden", rät der Experte. Zur Steuerung der Marktpreisrisiken nutzen Stadtwerke laut Umfrage die Limitierung von offenen Positionen, monetär (95 %) und / oder physisch (65 %). Rund die Hälfte der teilnehmenden Stadtwerke ergänzten dies durch Preislimits und / oder die Nutzung klassischer Risikokennzahlen wie Value-at-Risk.

Der Instrumenten-Mix sei richtig, denn nur auf ein oder gleichgerichtete Instrumente abzustellen, greife für eine adäquate Risikosteuerung zu kurz. "In der aktuellen Marktphase sollten bestehende Limitkonzepte geprüft und optimiert werden, um Zielkonflikte in der Beschaffung sowie bei der Einhaltung von Risikomanagement-Regelungen und Risikotragfähigkeit zu vermeiden", riet Drößler.

Die Trianel-Umfrage zu Beschaffung und Marktzugang bei Stadtwerken wurde vom Trianel Trendscouting im Juni 2022 durchgeführt und gemeinsam mit dem Risikomanagement von Trianel analysiert und ausgewertet. Befragt wurde eine heterogene Gruppe von 59 Stadtwerken aus kleinen, mittleren und größeren Häusern aus ganz Deutschland.
 

Susanne Harmsen
Redakteurin
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