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Enerige & Management > Wasserstoff - Ungenutztes Potenzial zur Elektrolyse in tieferen Küstengewässern
Illustration einer Wasserstoff-Produktion auf dem Meer in einem Windpark, Grafik: Greenstat
WASSERSTOFF:
Ungenutztes Potenzial zur Elektrolyse in tieferen Küstengewässern
In der Erzeugung von grünem Wasserstoff über schwimmenden Offshore-Windkraftanlagen sieht das Münchner Beratungshaus Roland Berger große wirtschaftliche Möglichkeiten.
 
Schwimmende Windkraftanlagen sind noch nicht ausgereift. Bis 2027 sollen aber nach Einschätzung von Roland Berger in Europa ein Dutzend schwimmende Offshore-Windprojekte mit bis zu 700 MW Leistung in Betrieb gehen. Etwa verfolgt der Energiekonzern RWE über seine Tochter RWE Renewables drei Pilotprojekte, um unterschiedliche Techniken für die schwimmenden Offshore-Windturbinen voranzutreiben (wir berichteten).

Die Münchner Unternehmensberater halten es für denkbar, dass schwimmende Windkraftanlagen in Kombination mit der Vor-Ort-Erzeugung von grünem Wasserstoff und dem Einsatz sogenannter FPSO-Schiffe eine "massive Offshore-Produktion von sehr kostengünstigem grünem Wasserstoff ermöglichen". Die Abkürzung FPSO steht für "Floating Production Storage and Offloading Unit". 

Hierbei hat Roland Berger nicht nur die deutsche Ost- und Nordsee im Blick, sondern tiefere Küstengewässer in windreicheren Regionen Europas. In ihrer am 29. Juni veröffentlichen Studie nennen die Berater unter anderem die Südküste Grönlands als möglichen Standort für schwimmende Offshore-Windturbinen, da dort die stärksten und konstantesten Winde der Erde wehen. Der Energieeinfang sei dort 3,5-mal höher als in der Nordsee, schreiben sie.
 
Zum Öffnen der Studie von Roland Berger bitte direkt auf das Bild klicken
Bild: Roland Berger
 
Der Offshore-Windenergie generell spricht Torsten Henzelmann, Partner bei Roland Berger, eine immer stärker werdende Rolle bei der Bewältigung des Klimawandels zu. "Sie ist bereits eine wettbewerbsfähige, saubere Alternative zu fossilem Strom", erklärt er. Durch die gleichzeitige Erzeugung von grünem Wasserstoff direkt an der Quelle erhalte die Windenergie eine noch größere Bedeutung. "Windenergie eröffnet Europa große Chancen, um seine Klimaziele zu erreichen, seine Marktführung zu festigen und die nachgelagerte Wertschöpfung von Wasserstoff zu nutzen, der beispielsweise bei der Produktion von synthetischen Kraftstoffen oder umweltfreundliche Chemikalien als Rohstoff eingesetzt werden kann."

Elektrolyse auf See vergleichsweise günstig

Die Studienautorinnen und -autoren unterstreichen die Rolle des Wasserstoffs als "Eckpfeiler der Energiewende". Hergestellt mit Strom aus Erneuerbaren könne er dazu beitragen, den CO2-Ausstoß energieintensiver Industrien wie der Stahl- und Chemieindustrie entscheidend zu senken. Laut Yvonne Ruf lasse sich Wasserstoff problemlos in Pipelines, Salzkavernen und erschöpften Gasfeldern speichern, um das volatile Angebot an Wind- und Sonnenenergie auszugleichen. Die Partnerin bei Roland Berger betont: "Bei höheren Mengen ist es sogar günstiger, Energie in molekularer Form durch eine Rohrleitung zu transportieren als Elektronen über ein Kabel."

Die weltweiten Dekarbonisierungsziele nach 2030 vor Augen, verweist Ruf auf die benötigten immensen Mengen an grünem Wasserstoff. Die Energie aus Offshore-Windkraft könne ihrer Ansicht nach diese Mengen liefern. Sie sei die am besten geeignete erneuerbare Energiequelle in Nordwesteuropa, um großtechnische Stromproduktion direkt mit Wasserstofferzeugung im industriellen Maßstab zu koppeln. Gerade bei großen Mengen sei die Integration von Elektrolyseuren und Offshore-Windturbinen gegenüber der Wasserstofferzeugung an Land eine günstigere, schnellere und robustere Lösung. 

Aus Offshore-Energie hergestellter Wasserstoff ist bislang noch relativ teuer. Etwa zwei Drittel der Kosten pro Kilogramm entfallen laut Roland Berger auf die Energie selbst. Die Münchner sehen hier viel Luft nach oben: Insbesondere über eine stärkere Standardisierung und neue Technologien ließen sich ihrer Untersuchung zufolge Kostensenkungen erzielten. Einen Lösungsansatz sieht das Beratungshaus hier im Einsatz größerer Windturbinen. Mit digitaler, vorausschauender Wartung und selbstheilenden Materialien könnten zudem die hohen Kosten für Erhaltung und Reparatur drastisch reduziert werden. 

Die 20-seitige Studie "How Europe's offshore wind sector can maintain market leadership and meet the continent's energy goals"   stellt die Unternehmensberatung Roland Berger auf ihrer Internetseite zum Download bereit. 
 

Davina Spohn
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