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Energie & Management > Stromnetz - Erneuerbaren-Ausbau verlangt Entfesselung der Netze
Erläuterten die aktuellen Aktivitäten des Bayernwerks (von links): Albert Zettl, Egon Leo Westphal und Daniela Groher. Quelle: E&M / Günter Drewnitzky
Stromnetz

Erneuerbaren-Ausbau verlangt Entfesselung der Netze

300 neue Umspannwerke, 36.000 Kilometer Mittel- und Niederspannungsleitungen. Und das alles in sechseinhalb Jahren. Die Energiewende stellt das Bayernwerk vor gigantische Aufgaben.
Die Herausforderungen, die der Ausbau der erneuerbaren Energien und der sich daraus ergebende Stromnetzausbau darstellen, standen im Mittelpunkt der Jahrespressekonferenz des Bayernwerks am 9. Mai in Regensburg. Dabei ging Vorstandsvorsitzender Egon Leo Westphal auch auf die Auswirkungen des Angriffs Russlands auf die Ukraine ein. Viele Menschen hätten sich die Frage gestellt, ob es im Winter genügend Gas, Wärme und Strom geben wird. Hier konnte Westphal Entwarnung geben: Man habe in den eigenen Energienetzen zu "keiner Zeit Probleme in der Versorgungssicherheit wahrgenommen".

Zum Wachstum des Netzgeschäfts erklärte Westphal, dass 2022 mehr als 35.000 neue PV-Anlagen angeschlossen wurden – 40 Prozent mehr als 2021. Dazu kommen 16 Windkraftanlagen und 23.000 Speicher, 1.300 Kilometer Stromkabel wurden neu verlegt. Insgesamt gibt es jetzt 395.000 dezentrale Einspeiseanlagen im Bayernwerk-Netz. Das bedeutet, dass das Unternehmen mehr Photovoltaik integriert hat als ganz Baden-Württemberg oder ganz Nordrhein-Westfalen.

Anstieg bei Angebot und Nachfrage

Nach dem Osterpaket der Bundesregierung zur Beschleunigung des Netzausbaus habe dieser durch den Krieg gegen die Ukraine noch weitere Dringlichkeit erhalten. Das hat gravierende Folgen. Bis 2030, so Westphal, müsse die Erzeugung von PV-Freiflächenanlagen von 5.000 auf 30.000 MW steigen, bei den Dachanlagen von 13.000 auf 21.000 MW und bei der Windkraft von 3.000 auf 8.000 MW.

1.000 Kilometer neue Hochspannungsnetze sind nach den Berechnungen des Unternehmens bis 2030 im Bayernwerk-Gebiet erforderlich sowie 36.000 Kilometer im Bereich Mittel- und Niederspannung. Darüber hinaus 300 neue Umspannwerke, doppelt so viele wie bisher.Aber auch beim Bedarf prognostizierte der Bayernwerk-Chef einen gravierenden Anstieg durch E-Fahrzeuge und Wärmepumpen.
 
 
Innovative Lösungen, um diese Herausforderungen zu bewältigen, wurden bereits entwickelt: So sollen mobile Container-Umspannwerke zum Einsatz kommen, die sich schnell aufbauen lassen. Die durch Personal kaum mehr zu bewältigenden Anfragen nach PV-Anschlüssen hat seit Anfang April die Snap-Software übernommen. Sie zeigt Interessenten, wo für ihre geplante Anlage der nächste Netzanschlusspunkt liegen würde. 11.000 Anfragen hat Snap in den vergangenen Wochen klaglos abgearbeitet.

Vorrangflächen für regenerative Erzeugung gefragt

Von der Politik forderte Westphal angesichts der bevorstehenden Aufgaben ein Landesbedarfsplangesetz, in dem Vorrangflächen für den Erneuerbaren-Ausbau festgelegt werden. Zudem sollten neue Anlagen möglichst zu Clustern zusammengeführt werden, was den Netzanschluss vereinfacht.

Vor allem brauche es für die "Entfesselung der Energienetze" mehr Tempo bei den Genehmigungen. Komplexität und Bürokratie seien Bremsklötze. Sinnvoll seien zudem Förderprogramme für Stromspeicher in Häusern. So könnten Stromverbrauch und Stromerzeugung aufeinander abgestimmt und die Netze entlastet werden. Schließlich sprach sich Westphal dafür aus, dass Bayerns Staatsregierung ein "Mindestmaß an gesicherter Erzeugungsleistung" definiert, die in einer Region vorgehalten werden muss. So könnte man die Abhängigkeit von weiter entfernten grundlastfähigen Anlagen einschränken.

17.000 neue Abnahmestellen in 21 Kommunen

Im Rahmen der Jahrespressekonferenz gab Westphal auch bekannt, dass sein Unternehmen eine Gebietserweiterung plant: Zum 1. Juli will das Bayernwerk das Netz der "Kraftwerke Haag" im Landkreis Mühldorf am Inn übernehmen. Es umfasst 1.100 Kilometer Leitungen mit 17.000 Abnahmestellen in 21 Kommunen. Neu ist auch die Bayernwerk Asset- und Projektgesellschaft, die sich seit Jahresbeginn um Wartung und Instandhaltung großer Wasserkraftwerke kümmert.

Die Positionierung im Wärmemarkt soll ebenfalls weiter ausgebaut werden. So wurde in München die Versorgung der Olympiaanlagen übernommen. In Partnerschaft mit den Stadtwerken München, an deren Netz man andockt, werde man, wie es hieß, mehr als 60 Millionen kWh Wärme pro Jahr absetzen.

Vorstandsmitglied Albert Zettl, zuständig für den Bereich Personal, kündigte an, die Zahl neuer Auszubildender bis 2025 auf 140 zu verdoppeln. Mit der Bayernwerk-Akademie soll eine neue Lernwelt mit Campus-Struktur entwickelt werden.

Auf immer neue Rekordbudgets beim Netzausbau verwies Finanzchefin Daniela Groher: 680 Millionen Euro waren es 2022, für dieses Jahr sind 790 Millionen und 2024 rund 815 Millionen Euro geplant. "Damit sind wir einer der wesentlichen Motoren für Bayerns Energiezukunft." Zugleich sprach sie die Probleme an, die sich bei der Beschaffung von Material ergeben und durch den Fachkräftemangel bei Dienstleistern. Weiter forderte sie einen neuen Regulierungsrahmen, der den Gestaltungsauftrag der Netzbetreiber anerkennt.

Dienstag, 9.05.2023, 16:27 Uhr
Gnter Drewnitzky
Energie & Management > Stromnetz - Erneuerbaren-Ausbau verlangt Entfesselung der Netze
Erläuterten die aktuellen Aktivitäten des Bayernwerks (von links): Albert Zettl, Egon Leo Westphal und Daniela Groher. Quelle: E&M / Günter Drewnitzky
Stromnetz
Erneuerbaren-Ausbau verlangt Entfesselung der Netze
300 neue Umspannwerke, 36.000 Kilometer Mittel- und Niederspannungsleitungen. Und das alles in sechseinhalb Jahren. Die Energiewende stellt das Bayernwerk vor gigantische Aufgaben.
Die Herausforderungen, die der Ausbau der erneuerbaren Energien und der sich daraus ergebende Stromnetzausbau darstellen, standen im Mittelpunkt der Jahrespressekonferenz des Bayernwerks am 9. Mai in Regensburg. Dabei ging Vorstandsvorsitzender Egon Leo Westphal auch auf die Auswirkungen des Angriffs Russlands auf die Ukraine ein. Viele Menschen hätten sich die Frage gestellt, ob es im Winter genügend Gas, Wärme und Strom geben wird. Hier konnte Westphal Entwarnung geben: Man habe in den eigenen Energienetzen zu "keiner Zeit Probleme in der Versorgungssicherheit wahrgenommen".

Zum Wachstum des Netzgeschäfts erklärte Westphal, dass 2022 mehr als 35.000 neue PV-Anlagen angeschlossen wurden – 40 Prozent mehr als 2021. Dazu kommen 16 Windkraftanlagen und 23.000 Speicher, 1.300 Kilometer Stromkabel wurden neu verlegt. Insgesamt gibt es jetzt 395.000 dezentrale Einspeiseanlagen im Bayernwerk-Netz. Das bedeutet, dass das Unternehmen mehr Photovoltaik integriert hat als ganz Baden-Württemberg oder ganz Nordrhein-Westfalen.

Anstieg bei Angebot und Nachfrage

Nach dem Osterpaket der Bundesregierung zur Beschleunigung des Netzausbaus habe dieser durch den Krieg gegen die Ukraine noch weitere Dringlichkeit erhalten. Das hat gravierende Folgen. Bis 2030, so Westphal, müsse die Erzeugung von PV-Freiflächenanlagen von 5.000 auf 30.000 MW steigen, bei den Dachanlagen von 13.000 auf 21.000 MW und bei der Windkraft von 3.000 auf 8.000 MW.

1.000 Kilometer neue Hochspannungsnetze sind nach den Berechnungen des Unternehmens bis 2030 im Bayernwerk-Gebiet erforderlich sowie 36.000 Kilometer im Bereich Mittel- und Niederspannung. Darüber hinaus 300 neue Umspannwerke, doppelt so viele wie bisher.Aber auch beim Bedarf prognostizierte der Bayernwerk-Chef einen gravierenden Anstieg durch E-Fahrzeuge und Wärmepumpen.
 
 
Innovative Lösungen, um diese Herausforderungen zu bewältigen, wurden bereits entwickelt: So sollen mobile Container-Umspannwerke zum Einsatz kommen, die sich schnell aufbauen lassen. Die durch Personal kaum mehr zu bewältigenden Anfragen nach PV-Anschlüssen hat seit Anfang April die Snap-Software übernommen. Sie zeigt Interessenten, wo für ihre geplante Anlage der nächste Netzanschlusspunkt liegen würde. 11.000 Anfragen hat Snap in den vergangenen Wochen klaglos abgearbeitet.

Vorrangflächen für regenerative Erzeugung gefragt

Von der Politik forderte Westphal angesichts der bevorstehenden Aufgaben ein Landesbedarfsplangesetz, in dem Vorrangflächen für den Erneuerbaren-Ausbau festgelegt werden. Zudem sollten neue Anlagen möglichst zu Clustern zusammengeführt werden, was den Netzanschluss vereinfacht.

Vor allem brauche es für die "Entfesselung der Energienetze" mehr Tempo bei den Genehmigungen. Komplexität und Bürokratie seien Bremsklötze. Sinnvoll seien zudem Förderprogramme für Stromspeicher in Häusern. So könnten Stromverbrauch und Stromerzeugung aufeinander abgestimmt und die Netze entlastet werden. Schließlich sprach sich Westphal dafür aus, dass Bayerns Staatsregierung ein "Mindestmaß an gesicherter Erzeugungsleistung" definiert, die in einer Region vorgehalten werden muss. So könnte man die Abhängigkeit von weiter entfernten grundlastfähigen Anlagen einschränken.

17.000 neue Abnahmestellen in 21 Kommunen

Im Rahmen der Jahrespressekonferenz gab Westphal auch bekannt, dass sein Unternehmen eine Gebietserweiterung plant: Zum 1. Juli will das Bayernwerk das Netz der "Kraftwerke Haag" im Landkreis Mühldorf am Inn übernehmen. Es umfasst 1.100 Kilometer Leitungen mit 17.000 Abnahmestellen in 21 Kommunen. Neu ist auch die Bayernwerk Asset- und Projektgesellschaft, die sich seit Jahresbeginn um Wartung und Instandhaltung großer Wasserkraftwerke kümmert.

Die Positionierung im Wärmemarkt soll ebenfalls weiter ausgebaut werden. So wurde in München die Versorgung der Olympiaanlagen übernommen. In Partnerschaft mit den Stadtwerken München, an deren Netz man andockt, werde man, wie es hieß, mehr als 60 Millionen kWh Wärme pro Jahr absetzen.

Vorstandsmitglied Albert Zettl, zuständig für den Bereich Personal, kündigte an, die Zahl neuer Auszubildender bis 2025 auf 140 zu verdoppeln. Mit der Bayernwerk-Akademie soll eine neue Lernwelt mit Campus-Struktur entwickelt werden.

Auf immer neue Rekordbudgets beim Netzausbau verwies Finanzchefin Daniela Groher: 680 Millionen Euro waren es 2022, für dieses Jahr sind 790 Millionen und 2024 rund 815 Millionen Euro geplant. "Damit sind wir einer der wesentlichen Motoren für Bayerns Energiezukunft." Zugleich sprach sie die Probleme an, die sich bei der Beschaffung von Material ergeben und durch den Fachkräftemangel bei Dienstleistern. Weiter forderte sie einen neuen Regulierungsrahmen, der den Gestaltungsauftrag der Netzbetreiber anerkennt.

Dienstag, 9.05.2023, 16:27 Uhr
Gnter Drewnitzky

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