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Energie & Management > Erdgas - Ausbau der LNG-Kapazitäten geht unvermindert weiter
Zukunftspläne: Ein stationäres LNG-Terminal soll bis 2026/27 in Betrieb gehen. Quelle: Hanseatic Energy Hub
Erdgas

Ausbau der LNG-Kapazitäten geht unvermindert weiter

Vier Wochen, nachdem in Wilhelmshaven das erste Terminal für Flüssigerdgas in Betrieb genommen wurde, gibt es beim Thema LNG-Versorgung weitere Fortschritte.
Während in Brunsbüttel am 20. Januar das Regasifizierungsschiff „Höegh Gannet“ am neuen LNG-Anleger festgemacht wurde, begleiteten in Stade der Wirtschaftsminister von Niedersachsen, Olaf Lies (SPD), sowie dessen Umwelt- und Energiekollege Christian Meyer (Grüne) den Start der Bauarbeiten für ein ähnliches Projekt.

Beim privat finanzierten Terminal im vorpommerschen Lubmin läuft derzeit die Testphase. Hier müssen kleine Shuttle-Schiffe das LNG von einer vor Rügen festgemachten Speichereinheit zum Regasifizierungsschiff im Industriehafen bringen, was genau abgestimmte Abläufe erfordert.

Die Projekte in Wilhelmshaven, Lubmin und Brunsbüttel haben dabei eine Gemeinsamkeit: Sie wurden in einer bis dahin nicht für möglich gehaltenen Geschwindigkeit umgesetzt: In wenigen Monaten wurde fertig, was normalerweise Jahre dauert.

Festes Terminal soll nach drei Jahren FSRU-Einheit ablösen

Tempo machen der Hafenbetreiber Niedersachsen Ports und seine Partner jetzt auch in Stade. Bereits im Winter 2023/24 soll der Anleger für das FSRU-Schiff (Floating Storage and Regasification Unit) fertig sein, das das LNG von den Tankern entgegennimmt, wieder in gasförmigen Zustand versetzt und ins Erdgasnetz einspeist. Allerdings soll der Einsatz dieses Schiffes wesentlich kürzer sein als bei den anderen Projekten dieser Art. Für 2026/27 ist die Fertigstellung eines festen LNG-Terminals mit zwei großen Lagertanks geplant. Dann soll die FSRU-Einheit wieder abrücken.

„Wir brauchen diese Terminals, um die Versorgungssicherheit der deutschen Wirtschaft und genauso der Haushalte zu gewährleisten“, erklärte Lies anlässlich des Baustarts in Stade. „Denn wir haben Glück, dass wir dieses Jahr einen besonders milden Winter erleben. Sich darauf aber auch im kommenden Winter zu verlassen, wäre eine fahrlässige Wette gegen unseren Industriestandort.“ Parallel schaffe man hier auch die
 
Voraussetzung für den Import grüner Gase. Damit könne die Infrastruktur zum Sprungbrett für die Energiewende werden.

„Niedersachsens zweites LNG-Terminal in Stade wird ab dem kommenden Winter dazu beitragen, die Energieversorgung in Deutschland auch ohne russisches Gas sicherzustellen. Daher ist es gut, dass Anleger und Regasifizierung schnell realisiert werden“, erklärte Meyer.

Ähnlich hatte sich am selben Tag auch Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur, geäußert. Er wies ausdrücklich kursierende Meldungen als falsch zurück, nach denen seine Behörde den Aufbau der Terminals für überdimensioniert halte. „Wir werden im Sommer die Speicher für den Winter 2023 / 2024 wieder auffüllen müssen. Das wird ohne Flüssig(erd)gas und zusätzliche Importe nicht gelingen. Wenn es im Winter sehr kalt ist, werden die Terminals auch ausgelastet sein.“

Schließlich müsse man auch auf den Fall vorbereitet sein, dass ein Terminal oder eine Pipeline ausfällt. Außerdem verwies Müller auf die Gas-Transitfunktion, die Deutschland für Nachbarländer ohne Küste hat.

Chemie-Abwärme für die Regasifizierung

Zukünftig sollen pro Jahr rund 50 LNG-Tanker über das FSRU-Schiff in Stade am Südwestufer der Unterelbe abgefertigt werden. Insgesamt wird das schwimmende Terminal jährlich 5 Milliarden Kubikmeter regasifiziertes Erdgas umschlagen, was etwa 6 Prozent des deutschen Gasverbrauchs entspricht. Sobald das landseitige Terminal von der Hanseatic Energy Hub (HEH) fertiggestellt ist, erhöht sich dieser Wert auf 13 Milliarden Kubikmeter pro Jahr. Zur Erwärmung und Regasifizierung des LNG soll am Standort die Abwärme eines Werkes des Chemiekonzerns Dow genutzt werden, das sich in der Nachbarschaft befindet.

Ein weiteres schwimmendes Terminal soll bis Ende des Jahres in Wilhelmshaven dazukommen, insgesamt drei sind für Lubmin vorgesehen. Stationäre Terminals sind neben Stade auch in Brunsbüttel und Wilhelmshaven geplant.
 
Während in Brunsbüttel die "Gannet" einlief, haben in
Stade die Bauarbeiten für das neue LNG-Terminal begonnen.
Quelle: RWE

Montag, 23.01.2023, 15:37 Uhr
Gnter Drewnitzky
Energie & Management > Erdgas - Ausbau der LNG-Kapazitäten geht unvermindert weiter
Zukunftspläne: Ein stationäres LNG-Terminal soll bis 2026/27 in Betrieb gehen. Quelle: Hanseatic Energy Hub
Erdgas
Ausbau der LNG-Kapazitäten geht unvermindert weiter
Vier Wochen, nachdem in Wilhelmshaven das erste Terminal für Flüssigerdgas in Betrieb genommen wurde, gibt es beim Thema LNG-Versorgung weitere Fortschritte.
Während in Brunsbüttel am 20. Januar das Regasifizierungsschiff „Höegh Gannet“ am neuen LNG-Anleger festgemacht wurde, begleiteten in Stade der Wirtschaftsminister von Niedersachsen, Olaf Lies (SPD), sowie dessen Umwelt- und Energiekollege Christian Meyer (Grüne) den Start der Bauarbeiten für ein ähnliches Projekt.

Beim privat finanzierten Terminal im vorpommerschen Lubmin läuft derzeit die Testphase. Hier müssen kleine Shuttle-Schiffe das LNG von einer vor Rügen festgemachten Speichereinheit zum Regasifizierungsschiff im Industriehafen bringen, was genau abgestimmte Abläufe erfordert.

Die Projekte in Wilhelmshaven, Lubmin und Brunsbüttel haben dabei eine Gemeinsamkeit: Sie wurden in einer bis dahin nicht für möglich gehaltenen Geschwindigkeit umgesetzt: In wenigen Monaten wurde fertig, was normalerweise Jahre dauert.

Festes Terminal soll nach drei Jahren FSRU-Einheit ablösen

Tempo machen der Hafenbetreiber Niedersachsen Ports und seine Partner jetzt auch in Stade. Bereits im Winter 2023/24 soll der Anleger für das FSRU-Schiff (Floating Storage and Regasification Unit) fertig sein, das das LNG von den Tankern entgegennimmt, wieder in gasförmigen Zustand versetzt und ins Erdgasnetz einspeist. Allerdings soll der Einsatz dieses Schiffes wesentlich kürzer sein als bei den anderen Projekten dieser Art. Für 2026/27 ist die Fertigstellung eines festen LNG-Terminals mit zwei großen Lagertanks geplant. Dann soll die FSRU-Einheit wieder abrücken.

„Wir brauchen diese Terminals, um die Versorgungssicherheit der deutschen Wirtschaft und genauso der Haushalte zu gewährleisten“, erklärte Lies anlässlich des Baustarts in Stade. „Denn wir haben Glück, dass wir dieses Jahr einen besonders milden Winter erleben. Sich darauf aber auch im kommenden Winter zu verlassen, wäre eine fahrlässige Wette gegen unseren Industriestandort.“ Parallel schaffe man hier auch die
 
Voraussetzung für den Import grüner Gase. Damit könne die Infrastruktur zum Sprungbrett für die Energiewende werden.

„Niedersachsens zweites LNG-Terminal in Stade wird ab dem kommenden Winter dazu beitragen, die Energieversorgung in Deutschland auch ohne russisches Gas sicherzustellen. Daher ist es gut, dass Anleger und Regasifizierung schnell realisiert werden“, erklärte Meyer.

Ähnlich hatte sich am selben Tag auch Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur, geäußert. Er wies ausdrücklich kursierende Meldungen als falsch zurück, nach denen seine Behörde den Aufbau der Terminals für überdimensioniert halte. „Wir werden im Sommer die Speicher für den Winter 2023 / 2024 wieder auffüllen müssen. Das wird ohne Flüssig(erd)gas und zusätzliche Importe nicht gelingen. Wenn es im Winter sehr kalt ist, werden die Terminals auch ausgelastet sein.“

Schließlich müsse man auch auf den Fall vorbereitet sein, dass ein Terminal oder eine Pipeline ausfällt. Außerdem verwies Müller auf die Gas-Transitfunktion, die Deutschland für Nachbarländer ohne Küste hat.

Chemie-Abwärme für die Regasifizierung

Zukünftig sollen pro Jahr rund 50 LNG-Tanker über das FSRU-Schiff in Stade am Südwestufer der Unterelbe abgefertigt werden. Insgesamt wird das schwimmende Terminal jährlich 5 Milliarden Kubikmeter regasifiziertes Erdgas umschlagen, was etwa 6 Prozent des deutschen Gasverbrauchs entspricht. Sobald das landseitige Terminal von der Hanseatic Energy Hub (HEH) fertiggestellt ist, erhöht sich dieser Wert auf 13 Milliarden Kubikmeter pro Jahr. Zur Erwärmung und Regasifizierung des LNG soll am Standort die Abwärme eines Werkes des Chemiekonzerns Dow genutzt werden, das sich in der Nachbarschaft befindet.

Ein weiteres schwimmendes Terminal soll bis Ende des Jahres in Wilhelmshaven dazukommen, insgesamt drei sind für Lubmin vorgesehen. Stationäre Terminals sind neben Stade auch in Brunsbüttel und Wilhelmshaven geplant.
 
Während in Brunsbüttel die "Gannet" einlief, haben in
Stade die Bauarbeiten für das neue LNG-Terminal begonnen.
Quelle: RWE

Montag, 23.01.2023, 15:37 Uhr
Gnter Drewnitzky

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