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Enerige & Management > Abwärmetagung - Abwärme-Potentiale sollen zügiger genutzt werden
Quelle: E&M
ABWÄRMETAGUNG:
Abwärme-Potentiale sollen zügiger genutzt werden
Das Bundeswirtschaftsministerium will, dass Abwärmepotentiale künftig zügiger erschlossen werden können. Das sagte Christian Maaß vom BMWK auf der Abwärmetagung in Hamburg.
 
Das Bundeswirtschaftsministerium arbeitet unter anderem daran, einen passenden Rahmen für die Abwärmenutzung auf den Weg zu bringen. So die Quintessenz der Eröffnungsrede von Christian Maaß, Leiter der Abteilung Energiepolitik beim Bundeswirtschaftsministerium (BMWK), am 5. Oktober auf der BMWK-Fachtagung „Klimaschutz durch Abwärmenutzung“, die als Hybridveranstaltung im ehemaligen Hamburger Hauptzollamt sowie virtuell stattfand.

Energie werde auf absehbare Zeit ein knappes und teures Gut bleiben, sagte Maaß. „Auch der Ausbau der erneuerbaren Energien wird uns immer wieder mit Knappheiten begleiten, ob nun bei den verfügbaren Flächen oder bei der Ausbeute“. Daher ist es laut Maaß notwendig, auch die Abwärmepotentiale „vor der Haustür“ konsequent zu heben. Damit dies künftig schneller und effizienter funktioniert, arbeite das BMWK an geänderten Rahmenbedingungen.

Regulatorische Hürden bremsen die Abwärmenutzung

So brauche es für die Abwärmenutzung, insbesondere für große industrielle Quellen, zugleich einen forcierten Ausbau der Wärmenetze. Ein erster wichtiger Schritt sei mit dem Inkrafttreten der Bundesförderung für effiziente Wärmenetze passiert. Nun sollen auch eine novellierte Wärmelieferversorgung zügig kommen sowie eine bundesweite verpflichtende kommunale Wärmeplanung, um ein zentrales Koordinierungsinstrument für die Kommunen zu haben. Zudem arbeite das Ministerium an einer Lösung, um die Investitionsrisiken für die Kommunen sowie für Industrie- und Gewerbefirmen, die ihre Abwärme nutzbar machen, zu reduzieren.

Theoretisch sei so viel Abwärme bundesweit vorhanden, „dass man damit rund die Hälfte aller deutschen Haushalte beheizen könnte“, sagte Martin Bornholdt, Geschäftsführender Vorstand der Deneff, auf der Tagung. Er monierte jedoch, dass das Potential nicht ausgeschöpft werde. „In der Praxis spielt die Abwärmenutzung noch keine zentrale Rolle“. Hierfür seien rechtliche und wirtschaftliche Hemmnisse verantwortlich. Technisch funktioniere es. Die Deneff schlägt daher unter anderem folgende Lösungsansätze vor:
  • Wärmenetze und Quellen müssen transparent werden und es braucht eine Transportpflicht
  • Wärmequellen zur Bereitstellung verpflichten
  • Vorfahrt für klimafreundliche Wärme mit einem Einspeisevorrang
  • Abnahmepflicht durch Wärmenetzbetreiber
  • Eine faire Einspeisevergütung für klimaschonende Wärme und damit auch für Abwärme
  • Bundesweite, einheitliche Regelungen
Als gelungenes Beispiel in Sachen Abwärmenutzung, aber auch für die Wärmewende, wurde das Projekt der Hamburger Energiewerke auf der Fachtagung vorgestellt. Mit einem ganzen Bündel an Energiequellen soll Hamburgs letztes Kohleheizkraftwerk noch in diesem Jahrzehnt ersetzt werden. Zu den klimaneutralen Wärmelösungen gehören Abwärme aus Industrie und Müllverbrennung, Power-to-Heat und Flusswärmepumpen.

Hamburg als Vorzeigeprojekt für Abwärmenutzung in der Fernwärme

Wärmelieferungen für Hamburg kommen demnach aus Abwärme der Kupferhütte Aurubis sowie der Müllverwertung Borsigstraße, die durch technologische Innovationen die Wärmelieferung künftig deutlich erhöhen soll. Zur Absicherung der Wärmeversorgung in Spitzenlastzeiten werde das bestehende Heizkraftwerk Tiefstack auf den wahlweisen Einsatz von Erdgas oder nachhaltiger Biomasse aus Rest- und Schadholz umgestellt. Eine neue Wind-zu-Wärme-Anlage, ein großer Wärmespeicher sowie ein saisonaler Aquiferspeicher sollen die Flexibilität erhöhen und somit das Konzept abrunden.

Der Umweltsenator der Hansestadt, Jens Kerstan, sagte auf der Tagung, dass die Hansestadt den Anspruch habe, „Vorreiter bei der Wärmewende“ zu sein. Hamburg setzte dabei auf die rekommunalisierten Versorger wie die Hamburger Energiewerke. „Die Unternehmen stehen im Dienste der Stadt“, so Kerstan. Dies sei bei einem ambitionierten Projekt wie der Dekarbonisierung der Wärmeversorgung ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Zudem setze man stark auf die Kooperation mit industriellen Partnern der Stadt.

Die Abwärme aus Aurubis und die zusätzliche Wärmeauskopplung aus der Müllverbrennungsanlage Borsigstraße sollen bis 2025 zur Verfügung stehen. Damit würden die Anforderungen des Hamburgischen Klimaschutzgesetzes umgesetzt, den Einsatz von Kohle bis zum endgültigen Ausstieg weitestgehend zu reduzieren, so Kerstan. Der Kohleausstieg soll in Hamburg bis spätestens 2030 vollzogen sein.
 

Heidi Roider
Redakteurin und Chefin vom Dienst
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