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Aus Der Aktuellen Ausgabe

Zweifache Ernte

Agri-Photovoltaik wächst. Sie vereint Energieerzeugung und landwirtschaftliche Flächennutzung. Die Wissenschaft bescheinigt ihr ein erhebliches Potenzial.
Wind- und Solarenergie sollen einen wesentlichen Beitrag zur Erreichung der Klimaziele auf europäischer und nationaler Ebene leisten. Gleichzeitig stellt der Klimawandel die Landwirtschaft vor neue Herausforderungen. Mit Agri-Photovoltaik lassen sich drei Fliegen mit einer Klappe schlagen: die Erzeugung von Solarstrom steigern, die Resilienz landwirtschaftlicher Kulturen erhöhen und den gebeutelten Landwirten planbare Erlöse bescheren.

Die Nachrichten über neue Agri-PV-Projekte haben sich in den vergangenen Wochen gehäuft. In Oberndorf am Lech, im bayerischen Landkreis Donau-Ries, wurde im März auf einer Fläche von 28 Hektar eine Anlage mit 17 MW in Betrieb genommen. Laut dem Projektentwickler, der Feldwerke GmbH aus München, ist es das größte Kombi-Projekt für Stromerzeugung aus Photovoltaik und landwirtschaftlicher Flächennutzung in Süddeutschland. Rund 90 Prozent der Fläche könnten landwirtschaftlich genutzt werden. 

Der Zeitraum vom Projektstart bis zum Bau der Anlage habe nur ein Jahr betragen. Das Genehmigungsverfahren sei in gerade einmal sechs Monaten vollständig abgewickelt worden, während bei „klassischen“ Freiflächen-Photovoltaikanlagen dafür üblicherweise zwei bis drei Jahre zu veranschlagen seien. Einer Mitteilung zufolge plant Feldwerke, noch 2026 weitere 100 MW zu installieren. Bis 2030 will das Unternehmen Agri-PV mit einer Gesamtleistung von 1.000 MW realisiert haben.

XL-Anlage in Brandenburg

In Brandenburg hat der Photovoltaikprojektierer Sunfarming den Bau einer XL-Anlage gestartet. Im Endausbau sollen 753 MW Leistung auf einer mehr als 500 Hektar großen Fläche in der Gemeinde Steinhöfel nordöstlich von Fürstenwalde installiert sein. Es soll ein ganzer Agri-PV-Park werden. Für die erste Ausbaustufe mit 550 MW sowie das zugehörige Umspannwerk lagen im März die Baugenehmigungen vor. 

Geradezu bescheiden wirkt dagegen die Agri-PV-Anlage in Tützpatz im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte, die Vattenfall vergangenen September in Betrieb genommen hat. Mit einer Nennleistung von 76 MWp kombiniert das Projekt eine Freiflächen-Solaranlage mit Ackerbau und Tierhaltung auf einer Fläche von 93 Hektar. Es handelt sich um drei Teilflächen: 47,5 Hektar mit 43,4 MW, 21,5 Hektar mit 13,3 MW sowie 24 Hektar mit 19,4 MW. Einen Abnehmer der gesamten Produktion über einen Zeitraum von zehn Jahren hat der Energieversorger mit der Power and Air Condition Solution Management GmbH, einer Tochtergesellschaft der Deutschen Telekom, gefunden.

Anfang des Jahres hat ein anderes schwedisches Unternehmen mit einem Deal aufhorchen lassen. Der Projektentwickler Orrön Energy hat drei Agri-PV-Projekte mit zusammen 234 MWp und einem Transaktionswert von 14 Millionen Euro an das türkische Energieunternehmen Gülermak Renewables verkauft. In Brandenburg, Sachsen-Anhalt und ebenfalls in Mecklenburg-Vorpommern werden sich die Anlagen befinden, die 2027 die Phase der Baureife erreicht haben sollen. Bis zum Baubeginn werde das schwedische Unternehmen die Projekte weiterentwickeln, heißt es in einer Mitteilung.
 
Quelle: Fraunhofer ISE


Darüber hinaus hat Orrön im April bekannt gegeben, weitere 91 MW an Gülermak veräußert zu haben, inklusive einer Batteriespeicheroption. Das Projekt befinde sich in der Genehmigungsphase und soll spätestens 2027 die Baureife erlangt haben. Die Transaktionssumme beziffert Orrön auf 5,6 Millionen Euro.

Zur wachsenden Bedeutung von Agri-PV passt auch die Ankündigung der Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern vom 13. April 2026, dass „Projekte, in denen die gewinnorientierte landwirtschaftliche Nutzung (weiterhin) vorrangig und dauerhaft erfolgt und auf der Fläche zusätzlich eine nachrangige Freiflächen-Photovoltaiknutzung (Agri-PV) stattfindet“, nicht am sogenannten Zielabweichungsverfahren teilnehmen müssen.

Das Zielabweichungsverfahren ermöglicht es, während des Geltungszeitraums des Landesraumentwicklungsprogramms (LEP) auf Veränderungen zu reagieren, ohne das LEP fortschreiben zu müssen, was ein zeitaufwendiges Verfahren bedeuten würde. Dabei wird im konkreten Einzelfall geprüft, ob eine Abweichung vom Ziel der Raumordnung zugelassen werden kann.

In der dreiseitigen Verlautbarung im Regierungsportal von Mecklenburg-Vorpommern hatten das Wirtschafts- und das Landwirtschaftsministerium bekannt gegeben, das Kontingent für Freiflächen-Photovoltaikanlagen auf landwirtschaftlich genutzten Flächen im Rahmen von Zielabweichungsverfahren um 5.000 Hektar auf insgesamt 10.000 Hektar zu verdoppeln. Als Standorte hat die Landesregierung vor allem Deponien, Flächen in Anbindung an Industrie- und Gewerbegebiete, Standorte mit anderen Erneuerbare-Energien-Anlagen oder geeignete Moorflächen im Blick. Dagegen soll die Errichtung neuer Anlagen auf landwirtschaftlich genutzten Flächen nur unter ganz bestimmten Bedingungen möglich sein, wobei die gesamte überplante Fläche 150 Hektar nicht überschreiten darf.

Mit ihrer Initiative will die Landesregierung sicherstellen, dass PV-Freiflächenanlagen dort entstehen, wo lokale Unternehmen von ihnen profitieren und wo es unter Gesichtspunkten der Netzstabilität sinnvoll ist. Gleichzeitig sollen „hochwertige Böden und sensible Räume“ geschützt werden, wie Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) erklärte.

Studie mit Fokus auf Landkreisen

Wie viel Potenzial speziell für Agri-Photovoltaik in Deutschland vorhanden ist, haben laut dem Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) bisher relativ wenige Studien untersucht. Die Freiburger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weisen vor diesem Hintergrund auf einige Untersuchungen hin, etwa eine auf Geoinformationssystemen basierende Analyse des Öko-Instituts, das ebenfalls in Freiburg seinen Hauptsitz hat. Dieses beziffert unter Berücksichtigung technischer und rechtlicher Einschränkungen das Nutzungspotenzial auf rund 13 Millionen Hektar. Zudem seien etwa 400.000 Hektar Dauerkulturflächen mit hohem Synergiepotenzial sowie rund 4 Millionen Hektar mit geringer Nutzungskonkurrenz vorhanden.

Die Forschenden des ISE selbst haben im vergangenen Jahr in mehreren Studien alle Arten von landwirtschaftlichen Flächen unter die Lupe genommen und deren Eignung für die Kombination aus landwirtschaftlicher Nutzung und Solarstromerzeugung analysiert. Auf den am besten geeigneten Flächen könnten rund 500 GWp installiert werden, was das PV-Ausbauziel hierzulande bis 2040 sogar übertreffe, so das Ergebnis ihrer Untersuchungen. Dabei haben die Wissenschaftler um Projektleiterin Salome Hauger zwei Szenarien betrachtet. Im ersten fallen Flächen „wegen harter Restriktionen“ weg, etwa Naturschutzgebiete. Im zweiten werden Flächen nach harten und weichen Restriktionen ausgeschlossen, also aufgrund zusätzlicher Verordnungen zum Landschaftsschutz, wie etwa Flora-Fauna-Schutzgebiete. Daraus ergaben sich 7.900 GWp installierbare Photovoltaikkapazität für Szenario 1 und 5.600 GWp für Szenario 2. Das sei ein Vielfaches der für die Klimaneutralität Deutschlands im Jahr 2045 benötigten Leistung.

In einem zweiten Schritt wurden politisch-wirtschaftliche und agrarökonomische Kriterien angelegt, um besonders geeignete Standorte zu identifizieren, beispielsweise im Hinblick auf die Sonneneinstrahlung, die Synergieeffekte beim Anbau von Wein oder Obst, die klimatische Wasserbilanz oder die Verfügbarkeit eines Netzeinspeisepunkts. Laut Hauger spielt gerade der Netzausbau eine wesentliche Rolle für die Entwicklung der Agri-PV: „Das Fehlen von Netzanschlusspunkten ist für viele Flächen ein einschränkender Faktor.“

Aber nicht nur auf nationaler, auch auf regionaler Ebene haben die Forschenden des ISE Agri-PV-Potenziale untersucht und dabei herausgefunden, dass Agri-PV ein erhebliches Potenzial besitzt, Nutzungskonkurrenzen um Flächen zu verringern. Eine Studie konzentriert sich auf die Landkreise Ahrweiler und Breisgau-Hochschwarzwald. Sie integriert raumplanerische Kriterien, reale Netzdaten von Verteilnetzbetreibern und Fruchtfolgedaten. Die Ergebnisse seien auf Regionen übertragbar, die ähnliche geografische und klimatische Bedingungen sowie vergleichbare soziale, politische und infrastrukturelle Rahmenbedingungen aufweisen.

Die Untersuchung zeige, dass technische Restriktionen nur einen geringen Einfluss auf das Potenzial haben. Im Gegensatz dazu führen harte regulatorische und rechtliche Einschränkungen zu einer deutlich stärkeren Reduktion des Potenzials. Sofern ausschließlich die am besten geeigneten Flächen von Weinbergen, Obstplantagen und Beerenanbauflächen innerhalb einer maximalen Entfernung von 250 Metern zu Freileitungen und Umspannwerken mit Agri-PV kombiniert würden, könne eine installierte Leistung von 175 MWp im Landkreis Ahrweiler und 1.140 MWp im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald erreicht werden. Dies würde den geplanten Ausbau von PV-Freiflächenanlagen bis 2030 um 75 beziehungsweise 100 Prozent reduzieren. 

Freitag, 8.05.2026, 09:10 Uhr
Fritz Wilhelm
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Aus Der Aktuellen Ausgabe
Zweifache Ernte
Agri-Photovoltaik wächst. Sie vereint Energieerzeugung und landwirtschaftliche Flächennutzung. Die Wissenschaft bescheinigt ihr ein erhebliches Potenzial.
Wind- und Solarenergie sollen einen wesentlichen Beitrag zur Erreichung der Klimaziele auf europäischer und nationaler Ebene leisten. Gleichzeitig stellt der Klimawandel die Landwirtschaft vor neue Herausforderungen. Mit Agri-Photovoltaik lassen sich drei Fliegen mit einer Klappe schlagen: die Erzeugung von Solarstrom steigern, die Resilienz landwirtschaftlicher Kulturen erhöhen und den gebeutelten Landwirten planbare Erlöse bescheren.

Die Nachrichten über neue Agri-PV-Projekte haben sich in den vergangenen Wochen gehäuft. In Oberndorf am Lech, im bayerischen Landkreis Donau-Ries, wurde im März auf einer Fläche von 28 Hektar eine Anlage mit 17 MW in Betrieb genommen. Laut dem Projektentwickler, der Feldwerke GmbH aus München, ist es das größte Kombi-Projekt für Stromerzeugung aus Photovoltaik und landwirtschaftlicher Flächennutzung in Süddeutschland. Rund 90 Prozent der Fläche könnten landwirtschaftlich genutzt werden. 

Der Zeitraum vom Projektstart bis zum Bau der Anlage habe nur ein Jahr betragen. Das Genehmigungsverfahren sei in gerade einmal sechs Monaten vollständig abgewickelt worden, während bei „klassischen“ Freiflächen-Photovoltaikanlagen dafür üblicherweise zwei bis drei Jahre zu veranschlagen seien. Einer Mitteilung zufolge plant Feldwerke, noch 2026 weitere 100 MW zu installieren. Bis 2030 will das Unternehmen Agri-PV mit einer Gesamtleistung von 1.000 MW realisiert haben.

XL-Anlage in Brandenburg

In Brandenburg hat der Photovoltaikprojektierer Sunfarming den Bau einer XL-Anlage gestartet. Im Endausbau sollen 753 MW Leistung auf einer mehr als 500 Hektar großen Fläche in der Gemeinde Steinhöfel nordöstlich von Fürstenwalde installiert sein. Es soll ein ganzer Agri-PV-Park werden. Für die erste Ausbaustufe mit 550 MW sowie das zugehörige Umspannwerk lagen im März die Baugenehmigungen vor. 

Geradezu bescheiden wirkt dagegen die Agri-PV-Anlage in Tützpatz im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte, die Vattenfall vergangenen September in Betrieb genommen hat. Mit einer Nennleistung von 76 MWp kombiniert das Projekt eine Freiflächen-Solaranlage mit Ackerbau und Tierhaltung auf einer Fläche von 93 Hektar. Es handelt sich um drei Teilflächen: 47,5 Hektar mit 43,4 MW, 21,5 Hektar mit 13,3 MW sowie 24 Hektar mit 19,4 MW. Einen Abnehmer der gesamten Produktion über einen Zeitraum von zehn Jahren hat der Energieversorger mit der Power and Air Condition Solution Management GmbH, einer Tochtergesellschaft der Deutschen Telekom, gefunden.

Anfang des Jahres hat ein anderes schwedisches Unternehmen mit einem Deal aufhorchen lassen. Der Projektentwickler Orrön Energy hat drei Agri-PV-Projekte mit zusammen 234 MWp und einem Transaktionswert von 14 Millionen Euro an das türkische Energieunternehmen Gülermak Renewables verkauft. In Brandenburg, Sachsen-Anhalt und ebenfalls in Mecklenburg-Vorpommern werden sich die Anlagen befinden, die 2027 die Phase der Baureife erreicht haben sollen. Bis zum Baubeginn werde das schwedische Unternehmen die Projekte weiterentwickeln, heißt es in einer Mitteilung.
 
Quelle: Fraunhofer ISE


Darüber hinaus hat Orrön im April bekannt gegeben, weitere 91 MW an Gülermak veräußert zu haben, inklusive einer Batteriespeicheroption. Das Projekt befinde sich in der Genehmigungsphase und soll spätestens 2027 die Baureife erlangt haben. Die Transaktionssumme beziffert Orrön auf 5,6 Millionen Euro.

Zur wachsenden Bedeutung von Agri-PV passt auch die Ankündigung der Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern vom 13. April 2026, dass „Projekte, in denen die gewinnorientierte landwirtschaftliche Nutzung (weiterhin) vorrangig und dauerhaft erfolgt und auf der Fläche zusätzlich eine nachrangige Freiflächen-Photovoltaiknutzung (Agri-PV) stattfindet“, nicht am sogenannten Zielabweichungsverfahren teilnehmen müssen.

Das Zielabweichungsverfahren ermöglicht es, während des Geltungszeitraums des Landesraumentwicklungsprogramms (LEP) auf Veränderungen zu reagieren, ohne das LEP fortschreiben zu müssen, was ein zeitaufwendiges Verfahren bedeuten würde. Dabei wird im konkreten Einzelfall geprüft, ob eine Abweichung vom Ziel der Raumordnung zugelassen werden kann.

In der dreiseitigen Verlautbarung im Regierungsportal von Mecklenburg-Vorpommern hatten das Wirtschafts- und das Landwirtschaftsministerium bekannt gegeben, das Kontingent für Freiflächen-Photovoltaikanlagen auf landwirtschaftlich genutzten Flächen im Rahmen von Zielabweichungsverfahren um 5.000 Hektar auf insgesamt 10.000 Hektar zu verdoppeln. Als Standorte hat die Landesregierung vor allem Deponien, Flächen in Anbindung an Industrie- und Gewerbegebiete, Standorte mit anderen Erneuerbare-Energien-Anlagen oder geeignete Moorflächen im Blick. Dagegen soll die Errichtung neuer Anlagen auf landwirtschaftlich genutzten Flächen nur unter ganz bestimmten Bedingungen möglich sein, wobei die gesamte überplante Fläche 150 Hektar nicht überschreiten darf.

Mit ihrer Initiative will die Landesregierung sicherstellen, dass PV-Freiflächenanlagen dort entstehen, wo lokale Unternehmen von ihnen profitieren und wo es unter Gesichtspunkten der Netzstabilität sinnvoll ist. Gleichzeitig sollen „hochwertige Böden und sensible Räume“ geschützt werden, wie Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) erklärte.

Studie mit Fokus auf Landkreisen

Wie viel Potenzial speziell für Agri-Photovoltaik in Deutschland vorhanden ist, haben laut dem Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) bisher relativ wenige Studien untersucht. Die Freiburger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weisen vor diesem Hintergrund auf einige Untersuchungen hin, etwa eine auf Geoinformationssystemen basierende Analyse des Öko-Instituts, das ebenfalls in Freiburg seinen Hauptsitz hat. Dieses beziffert unter Berücksichtigung technischer und rechtlicher Einschränkungen das Nutzungspotenzial auf rund 13 Millionen Hektar. Zudem seien etwa 400.000 Hektar Dauerkulturflächen mit hohem Synergiepotenzial sowie rund 4 Millionen Hektar mit geringer Nutzungskonkurrenz vorhanden.

Die Forschenden des ISE selbst haben im vergangenen Jahr in mehreren Studien alle Arten von landwirtschaftlichen Flächen unter die Lupe genommen und deren Eignung für die Kombination aus landwirtschaftlicher Nutzung und Solarstromerzeugung analysiert. Auf den am besten geeigneten Flächen könnten rund 500 GWp installiert werden, was das PV-Ausbauziel hierzulande bis 2040 sogar übertreffe, so das Ergebnis ihrer Untersuchungen. Dabei haben die Wissenschaftler um Projektleiterin Salome Hauger zwei Szenarien betrachtet. Im ersten fallen Flächen „wegen harter Restriktionen“ weg, etwa Naturschutzgebiete. Im zweiten werden Flächen nach harten und weichen Restriktionen ausgeschlossen, also aufgrund zusätzlicher Verordnungen zum Landschaftsschutz, wie etwa Flora-Fauna-Schutzgebiete. Daraus ergaben sich 7.900 GWp installierbare Photovoltaikkapazität für Szenario 1 und 5.600 GWp für Szenario 2. Das sei ein Vielfaches der für die Klimaneutralität Deutschlands im Jahr 2045 benötigten Leistung.

In einem zweiten Schritt wurden politisch-wirtschaftliche und agrarökonomische Kriterien angelegt, um besonders geeignete Standorte zu identifizieren, beispielsweise im Hinblick auf die Sonneneinstrahlung, die Synergieeffekte beim Anbau von Wein oder Obst, die klimatische Wasserbilanz oder die Verfügbarkeit eines Netzeinspeisepunkts. Laut Hauger spielt gerade der Netzausbau eine wesentliche Rolle für die Entwicklung der Agri-PV: „Das Fehlen von Netzanschlusspunkten ist für viele Flächen ein einschränkender Faktor.“

Aber nicht nur auf nationaler, auch auf regionaler Ebene haben die Forschenden des ISE Agri-PV-Potenziale untersucht und dabei herausgefunden, dass Agri-PV ein erhebliches Potenzial besitzt, Nutzungskonkurrenzen um Flächen zu verringern. Eine Studie konzentriert sich auf die Landkreise Ahrweiler und Breisgau-Hochschwarzwald. Sie integriert raumplanerische Kriterien, reale Netzdaten von Verteilnetzbetreibern und Fruchtfolgedaten. Die Ergebnisse seien auf Regionen übertragbar, die ähnliche geografische und klimatische Bedingungen sowie vergleichbare soziale, politische und infrastrukturelle Rahmenbedingungen aufweisen.

Die Untersuchung zeige, dass technische Restriktionen nur einen geringen Einfluss auf das Potenzial haben. Im Gegensatz dazu führen harte regulatorische und rechtliche Einschränkungen zu einer deutlich stärkeren Reduktion des Potenzials. Sofern ausschließlich die am besten geeigneten Flächen von Weinbergen, Obstplantagen und Beerenanbauflächen innerhalb einer maximalen Entfernung von 250 Metern zu Freileitungen und Umspannwerken mit Agri-PV kombiniert würden, könne eine installierte Leistung von 175 MWp im Landkreis Ahrweiler und 1.140 MWp im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald erreicht werden. Dies würde den geplanten Ausbau von PV-Freiflächenanlagen bis 2030 um 75 beziehungsweise 100 Prozent reduzieren. 

Freitag, 8.05.2026, 09:10 Uhr
Fritz Wilhelm

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