Robert Denda. Quelle: Westenergie AG
Für den Westenergie-Chef Robert Denda ist der Ausbau der Verteilnetze eine Frage der Wettbewerbsfähigkeit, wie er im E&M-Interview erklärt.
Seit Jahresbeginn führt Robert Denda die Westenergie AG. In Zeiten der Transformation der Energiewirtschaft hat er den Chefsessel der Eon-Tochtergesellschaft übernommen und muss sich seither vor allem mit dem Netzausbau, der Digitalisierung und den regulatorischen Rahmenbedingungen der Transformation beschäftigen. Denda, der zugleich das Technikressort verantwortet, sieht seine Doppelfunktion als Vorteil: So ließen sich Strategie und Technik enger verbinden, sagt er im Gespräch mit E&M.
Eine Schlüsselrolle weist er intelligenten Messsystemen zu. Rund 35 Prozent des Pflichtrollouts seien umgesetzt. Etwa jeder fünfte in Deutschland installierte Smart Meter befinde sich im Gebiet der Tochtergesellschaft Westnetz. Die Geräte könnten inzwischen nicht nur messen, sondern auch gesetzeskonform steuern.
Parallel dazu plant Westnetz Investitionen von rund 21 Milliarden Euro. Seit der Gründung von Westenergie im Oktober 2020 seien etwa 3,4 Milliarden Euro in regulierte Strom- und Gasnetze geflossen, mehr als 1 Milliarde Euro davon im Jahr 2024. Bis 2028 sollen 250 Umspannanlagen und rund 10.000 Kilometer Stromleitungen neu gebaut oder modernisiert werden. Die Zugehörigkeit zum Eon-Konzern erleichtere die Finanzierung, dennoch bleibe das Unternehmen auf stabile regulatorische Bedingungen und angemessene Zinssätze angewiesen.
Denda verweist auf die hohe Dynamik im Netzgebiet. Einer Spitzenlast von rund 12.000 MW stünden 17.000 MW angeschlossene erneuerbare Erzeugungsleistung gegenüber. Praktisch alle fünf Minuten komme eine weitere Anlage hinzu. Zusätzliche Flexibilität will Westnetz über flexible Netzanschlussvereinbarungen erschließen. Damit könnten etwa Grünstromspeicher unter variablen Betriebsbedingungen angeschlossen und Netzkapazitäten besser genutzt werden.
Reformbedarf sieht Denda bei der Vergabe von Netzanschlüssen. Im Netzgebiet lägen Anfragen über mehr als 80.000 MW vor, vor allem von Rechenzentren und Batteriespeichern. Das Windhundprinzip führe dazu, dass nicht zwingend die reifsten oder volkswirtschaftlich sinnvollsten Projekte zuerst bearbeitet würden. Eine Priorisierung könne Anschlüsse beschleunigen und Kapazitäten gezielter einsetzen.
Für Denda ist der Ausbau der Verteilnetze auch eine Frage der Wettbewerbsfähigkeit. Ohne leistungsfähige Strominfrastruktur könnten Rechenzentren und andere neue Verbraucher nicht angesiedelt werden. Digitalisierung könne helfen, Netze effizienter zu betreiben, reiche allein aber nicht aus. Politik und Regulierung müssten Ausbau, Kosten und Prioritäten stärker aufeinander abstimmen. Am Ziel der Klimaneutralität hält Denda fest, legt sich jedoch nicht fest, ob es bis 2045 erreicht wird oder nicht. Entscheidend sei, das Tempo der Transformation zu erhöhen. (fw)
Das vollständige Interview lesen Sie in der Printausgabe von Energie & Management vom 1. August.
Freitag, 31.07.2026, 12:20 Uhr
Fritz Wilhelm
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