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Energie & Management > Klimaschutz - Studie sieht Vorteile von SAF-Quoten im Luftverkehr
Quelle: Total Energies / Pedro Becerra
Klimaschutz

Studie sieht Vorteile von SAF-Quoten im Luftverkehr

Nachhaltige Flugkraftstoffe könnten Flugtickets weniger verteuern als CO2-Steuern und zudem Emissionen senken. Welche Rolle die Marktmacht großer Airlines spielt, zeigt eine Studie.
Die Dekarbonisierung des Luftverkehrs kostet viel Geld, gilt aus Sicht von Ökonomen aber als notwendig. Eine Studie von Forschern des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim (Baden-Württemberg) und von Bauhaus Luftfahrt vergleicht dafür zwei global gedachte Instrumente: eine CO2-Steuer und verbindliche Quoten für nachhaltige Flugkraftstoffe. Diese Sustainable Aviation Fuels (SAF) sollen fossiles Kerosin teilweise ersetzen.

Die Wissenschaftler rechnen nicht nur mit idealen Lehrbuchmärkten, sondern bilden im Modell auch unvollkommenen Wettbewerb ab, in dem es eine Marktmacht großer Airline-Gesellschaften gibt. Damit greifen sie eine Besonderheit der Branche auf: Viele Strecken prägen wenige Anbieter, die Preise und Angebotsspielräume haben. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Marktstruktur zentral für die Bewertung von Klimapolitik im Luftverkehr ist“, sagt Ko-Autor Sebastian Rausch, Leiter des ZEW-Forschungsbereichs Umwelt- und Klimaökonomik und Professor an der Universität Heidelberg.

Für den Vergleich nutzt das Team ein Simulationsmodell des weltweiten Luftverkehrs, das Netzwerk- und Billigfluggesellschaften sowie deren Routenwahl abbildet. Airlines können darin ihr Flugangebot und den Mix aus fossilem Kerosin und SAF anpassen. Im Modell „Vollkommener Wettbewerb“ schneidet eine CO2-Steuer laut Studie am besten ab, da sie Emissionen dort vermeidet, wo das am wenigsten kostet.
 
ZEW-Studie „Turbulenzen voras: Effektive und effiziente Klimapolitik im Luftverkehr“
(zum Öffnen bitte auf das PDF klicken)
Quelle: ZEW


Sobald das Modell Marktmacht berücksichtigt, dreht sich das Bild: Eine CO2-Steuer verteuert Tickets nach Darstellung der Autoren deutlich und verstärkt dabei bestehende Ineffizienzen, die aus Preissetzungsspielräumen entstehen. Eine SAF-Quote wirkt in diesem Modell dagegen wie eine Abgabe auf den gesamten Treibstoffverbrauch und zugleich wie eine Subvention für SAF. Das Instrument hebt den SAF-Anteil an, stabilisiert die Nachfrage und senkt Emissionen – und verursacht bei gleicher globaler Emissionsminderung geringere Wohlfahrtskosten.

Ko-Autorin Anna Straubinger, Wissenschaftlerin am ZEW, verbindet das Ergebnis mit einer politischen Empfehlung: „Bei gleicher globaler Emissionsminderung verursacht eine SAF-Quote deutlich geringere Wohlfahrtskosten als eine CO2-Steuer – und die Ticketpreise steigen wesentlich moderater.“ Aus ihrer Sicht sollte Klimapolitik im Luftverkehr Marktmacht systematisch mitdenken und stärker auf nachhaltige Flugkraftstoffe setzen.

Europa wirkt, global bleibt die Lücke

Für Europa analysieren die Autoren eine Kombination aus Emissionshandel und SAF-Quoten für Flüge ab EU-Flughäfen. Diese Instrumente senken die Emissionen im europäischen Luftverkehr spürbar. Global bleibt der Effekt begrenzt, da die Regeln regional gelten. Angesichts steigender Passagierzahlen sehen die Forscher daher Bedarf für strengere weltweite Vorgaben.

Als einzig existierendes, globales Instrument nennt die Studie die „Carbon Offsetting and Reduction Scheme for International Aviation“ (CORSIA), das die Internationale Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) 2016 beschlossen hat. Airlines müssen danach Emissionen oberhalb des Niveaus von 2019 durch CO2-Zertifikate ausgleichen. Entscheidend sei die Klimawirkung der CO2-Zertifikate: Hochwertige Zertifikate senken Emissionen kostengünstig, minderwertige schwächen Anreize für SAF.

Die Autoren übertragen ihre Ergebnisse auch auf andere schwer zu dekarbonisierende Branchen wie Stahl, Zement, Chemie, Aluminium und Schifffahrt. Wo Marktmacht auf geringe technische Alternativen trifft, können Technologie- oder Kraftstoffauflagen laut Studie effizienter sein als eine reine CO2-Bepreisung.

Die siebenseitige Studie „Turbulenzen voraus: Effektive und effiziente Klimapolitik im Luftverkehr“ ist über die Internetseite des ZEW downloadbar. 


Freitag, 20.02.2026, 12:29 Uhr
Davina Spohn
Energie & Management > Klimaschutz - Studie sieht Vorteile von SAF-Quoten im Luftverkehr
Quelle: Total Energies / Pedro Becerra
Klimaschutz
Studie sieht Vorteile von SAF-Quoten im Luftverkehr
Nachhaltige Flugkraftstoffe könnten Flugtickets weniger verteuern als CO2-Steuern und zudem Emissionen senken. Welche Rolle die Marktmacht großer Airlines spielt, zeigt eine Studie.
Die Dekarbonisierung des Luftverkehrs kostet viel Geld, gilt aus Sicht von Ökonomen aber als notwendig. Eine Studie von Forschern des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim (Baden-Württemberg) und von Bauhaus Luftfahrt vergleicht dafür zwei global gedachte Instrumente: eine CO2-Steuer und verbindliche Quoten für nachhaltige Flugkraftstoffe. Diese Sustainable Aviation Fuels (SAF) sollen fossiles Kerosin teilweise ersetzen.

Die Wissenschaftler rechnen nicht nur mit idealen Lehrbuchmärkten, sondern bilden im Modell auch unvollkommenen Wettbewerb ab, in dem es eine Marktmacht großer Airline-Gesellschaften gibt. Damit greifen sie eine Besonderheit der Branche auf: Viele Strecken prägen wenige Anbieter, die Preise und Angebotsspielräume haben. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Marktstruktur zentral für die Bewertung von Klimapolitik im Luftverkehr ist“, sagt Ko-Autor Sebastian Rausch, Leiter des ZEW-Forschungsbereichs Umwelt- und Klimaökonomik und Professor an der Universität Heidelberg.

Für den Vergleich nutzt das Team ein Simulationsmodell des weltweiten Luftverkehrs, das Netzwerk- und Billigfluggesellschaften sowie deren Routenwahl abbildet. Airlines können darin ihr Flugangebot und den Mix aus fossilem Kerosin und SAF anpassen. Im Modell „Vollkommener Wettbewerb“ schneidet eine CO2-Steuer laut Studie am besten ab, da sie Emissionen dort vermeidet, wo das am wenigsten kostet.
 
ZEW-Studie „Turbulenzen voras: Effektive und effiziente Klimapolitik im Luftverkehr“
(zum Öffnen bitte auf das PDF klicken)
Quelle: ZEW


Sobald das Modell Marktmacht berücksichtigt, dreht sich das Bild: Eine CO2-Steuer verteuert Tickets nach Darstellung der Autoren deutlich und verstärkt dabei bestehende Ineffizienzen, die aus Preissetzungsspielräumen entstehen. Eine SAF-Quote wirkt in diesem Modell dagegen wie eine Abgabe auf den gesamten Treibstoffverbrauch und zugleich wie eine Subvention für SAF. Das Instrument hebt den SAF-Anteil an, stabilisiert die Nachfrage und senkt Emissionen – und verursacht bei gleicher globaler Emissionsminderung geringere Wohlfahrtskosten.

Ko-Autorin Anna Straubinger, Wissenschaftlerin am ZEW, verbindet das Ergebnis mit einer politischen Empfehlung: „Bei gleicher globaler Emissionsminderung verursacht eine SAF-Quote deutlich geringere Wohlfahrtskosten als eine CO2-Steuer – und die Ticketpreise steigen wesentlich moderater.“ Aus ihrer Sicht sollte Klimapolitik im Luftverkehr Marktmacht systematisch mitdenken und stärker auf nachhaltige Flugkraftstoffe setzen.

Europa wirkt, global bleibt die Lücke

Für Europa analysieren die Autoren eine Kombination aus Emissionshandel und SAF-Quoten für Flüge ab EU-Flughäfen. Diese Instrumente senken die Emissionen im europäischen Luftverkehr spürbar. Global bleibt der Effekt begrenzt, da die Regeln regional gelten. Angesichts steigender Passagierzahlen sehen die Forscher daher Bedarf für strengere weltweite Vorgaben.

Als einzig existierendes, globales Instrument nennt die Studie die „Carbon Offsetting and Reduction Scheme for International Aviation“ (CORSIA), das die Internationale Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) 2016 beschlossen hat. Airlines müssen danach Emissionen oberhalb des Niveaus von 2019 durch CO2-Zertifikate ausgleichen. Entscheidend sei die Klimawirkung der CO2-Zertifikate: Hochwertige Zertifikate senken Emissionen kostengünstig, minderwertige schwächen Anreize für SAF.

Die Autoren übertragen ihre Ergebnisse auch auf andere schwer zu dekarbonisierende Branchen wie Stahl, Zement, Chemie, Aluminium und Schifffahrt. Wo Marktmacht auf geringe technische Alternativen trifft, können Technologie- oder Kraftstoffauflagen laut Studie effizienter sein als eine reine CO2-Bepreisung.

Die siebenseitige Studie „Turbulenzen voraus: Effektive und effiziente Klimapolitik im Luftverkehr“ ist über die Internetseite des ZEW downloadbar. 


Freitag, 20.02.2026, 12:29 Uhr
Davina Spohn

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