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Ein staatlich gedeckelter Industriestrompreis soll energieintensive Unternehmen entlasten. Eine Analyse des ZEW zeigt jedoch mögliche Folgen für Wettbewerb und Energieeffizienz.
Die Bundesregierung plant einen staatlich gestützten Industriestrompreis, um energieintensive Unternehmen angesichts hoher Energiekosten zu entlasten. Deren internationale Wettbewerbsfähigkeit soll auf diese Weise gesichert werden. Ein Teil des Stromverbrauchs großer Industriebetriebe soll vorübergehend zu einem deutlich niedrigeren Preis abgerechnet werden. Laut einer Analyse des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim, einem wirtschaftswissenschaftlichen Forschungsinstitut, könnte dieses Instrument jedoch unerwünschte Nebenwirkungen für Wettbewerb und Energieeffizienz haben.
Nach den aktuellen Überlegungen der Bundesregierung soll der Staat für bis zu 50
Prozent des Stromverbrauchs energieintensiver Unternehmen einen gedeckelten Preis festlegen. Dieser soll bei der Hälfte des Großhandelspreises liegen, jedoch mindestens 50
Euro pro MWh betragen. Die Regelung soll über drei Jahre gelten und insbesondere große Industriebetriebe entlasten.
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Analyse „Groß gegen Klein? Der Industriestrompreis als Risiko für Effizienz und Wettbewerb“ im ZEW policy Brief Nr. 03 (zum Öffnen bitte auf das PDF klicken) Quelle: ZEW |
ZEW-Ökonom Joscha Krug sieht darin Risiken für den Wettbewerb innerhalb einzelner Branchen. „Der Industriestrompreis wirkt kurzfristig entlastend – aber solche Vergünstigungen können Unternehmen, die im selben Markt aktiv sind, sehr ungleich behandeln und damit den Wettbewerb verzerren“, erklärt Krug laut ZEW.
Große Unterschiede bei StromkostenBereits heute zahlen Industrieunternehmen laut der Analyse, die im „ZEW policy brief Nr. 3“ erschienen ist, unterschiedlich hohe Strompreise. Im Jahr 2024 lagen die durchschnittlichen Kosten für kleinere Stromverbraucher bei etwa 272
Euro pro MWh. Große Verbraucher zahlten dagegen im Schnitt rund 155
Euro pro MWh. Die Differenz beträgt damit 117
Euro pro MWh.
Nach Angaben der Studienautoren entsteht ein Großteil dieser Preisunterschiede durch staatlich beeinflusste Bestandteile des Strompreises. Netzentgelte, Steuern und Abgaben machen demnach etwa 63
Prozent der Differenz zwischen kleinen und großen Verbrauchern aus.
Folgen für Effizienz und MarktstrukturDie Forschenden sehen zudem Risiken für die Energieeffizienz der Industrie. Unternehmen ohne staatliche Vergünstigungen reagieren bei steigenden Energiepreisen häufig mit Einsparmaßnahmen oder verlieren Marktanteile. Begünstigte Unternehmen können dagegen weiterhin zu niedrigeren Kosten produzieren und ihre Position im Markt ausbauen.
Kathrine von Graevenitz, stellvertretende Leiterin des ZEW-Forschungsbereichs Umwelt- und Klimaökonomik, warnt daher vor langfristigen Effekten auf Innovation und Wettbewerbsfähigkeit. Würden insbesonders große Stromverbraucher geschützt, sinke der Anreiz für diese Unternehmen, Energie effizienter einzusetzen. „Langfristig besteht das Risiko, dass Innovation gebremst und die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Deutschland geschwächt wird“, sagt sie laut ZEW.
Die modellgestützten Auswertungen der Studie zeigen zudem, dass Unternehmen mit höheren Energiepreisen in Phasen steigender Stromkosten häufiger aus Märkten ausscheiden. Betriebe mit niedrigeren effektiven Energiepreisen expandieren dagegen häufiger oder erschließen neue Märkte. Dadurch können sich laut Analyse die Marktanteile innerhalb ganzer Industriezweige verschieben.
Alternative zum IndustriestrompreisAls Alternative zum Industriestrompreis schlagen die Autoren breiter angelegte Maßnahmen vor, die die Standortbedingungen für Unternehmen insgesamt verbessern sollen. Dazu zählen Investitionen in Infrastruktur und Digitalisierung sowie ein Abbau bürokratischer Hürden. Zudem müsse sich der Strommarkt stärker an die veränderten Rahmenbedingungen anpassen, etwa an den steigenden Anteil erneuerbarer Energien und eine zunehmend dezentrale Stromerzeugung.
Die siebenseitige Analyse „Groß gegen Klein? Der Industriestrompreis als Risiko für Effizienz und Wettbewerb“ basiert laut ZEW auf aktuellen Strompreisdaten, Informationen zu bestehenden Entlastungsinstrumenten und modellgestützten Berechnungen.
Die
Analyse ist über die Internetseite des ZEW im
„Policy Brief Nr. 03 Januar 2026“ abrufbar.
Montag, 9.03.2026, 11:08 Uhr
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