Freiflächen-Solaranlagen machen in NRW Boden gut. Quelle: Katia Meyer-Tien
Der Zubau von Solaranlagen in Nordrhein-Westfalen verlangsamt sich weiter. Entsprechend kritisch sieht der Erneuerbaren-Verband kommende Abstriche bei der Förderung durch den Bund.
NRW hat die Marke von 15.000 MW installierter Solarleistung im ersten Halbjahr 2026 übertroffen. Das ergibt eine Auswertung des Marktstammdatenregisters, die der Landesverband Erneuerbare Energien (LEE NRW) vorgenommen hat. Der Zubau von 908 MW (gesamt: 15.151 MW) in den ersten sechs Monaten ist gleichwohl weniger (3,3 Prozent) als im Vergleichszeitraum des Vorjahres.
Insgesamt rückt NRW im Bundesländer-Ranking an Baden-Württemberg vorbei und liegt nun direkt hinter Spitzenreiter Bayern (1.831,7 MW). Die installierte Leistung zwischen Rhein und Weser verteilt sich auf 82.751 Anlagen. Rund drei Viertel davon (690 MW) stammen von neuen Gebäudeanlagen. Freiflächen-Anlagen sind im Kommen und verbessern sich um 5 Prozentpunkte (17 Prozent Anteil).
Schon 2025 hatte das bevölkerungsreichste Bundesland einen Rückgang bei neuen Sonnenstromkraftwerken verzeichnet. Der Branchenverband blickt in diesem Zusammenhang kritisch auf die schlechteren Förderbedingungen des Bundes für diese Art der Stromerzeugung. Die beschlossenen Gesetzentwürfe zum Netzpaket und dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) drohten den Ausbau „deutlich auszbremsen“, so der LEE NRW.
Branchenverband fordert Kurskorrektur von Berlin
Die Bundesregierung müsse ihren „Kurs gegen die Erneuerbaren“ dringend korrigieren. Die ab 2027 vorgesehene Streichung der Einspeisevergütung für neue Solaranlagen bis 25 kW gefährde „gerade die Anlagen, die für viele Bürger einen Einstieg in die Energiewende ermöglichen. Auch die Mobilitäts- und Wärmewende wird dadurch verzögert, wenn weniger Sonnenstrom auf dem eigenen Dach produziert wird“, so Verbandsgeschäftsführer Christian Vossler laut einer Mitteilung.
Gar nicht glücklich ist der LEE NRW ferner mit dem ersatzlosen Wegfall des Ausschreibungssegments für Agri-, Floating- oder Parkplatz-Anlagen, die kostenintensiv sind, aber „eine sehr hohe Akzeptanz genießen“.
Mit Blick auf den gesetzlichem Rahmen im Bundesland selbst lobt der Verband die Entwicklung bei den Freiflächen-Solaranlagen. Die neue naturschutzfachliche Bewertung des Landesamts für Natur, Umwelt und Klima Nordrhein-Westfalen (LANUK) würdigt ökologische Mehrwerte der Anlagen, etwa durch die Aufwertung der Flächen unter und zwischen den Modulreihen. Der Branchenverband hofft, den Zubau auf Freiflächen damit perspektivisch auf die Hälfte der Gesamtleistung bringen zu können.
Auch für Agri-PV-Kraftwerke sollte eine vergleichbare Neubewertung durch die Landesregierung erfolgen, fordert der Verband. Er stellt einen Zusammenhang zwischen der zunehmenden Dürre her und preist die Acker-Kraftwerke, die landwirtschaftliche Kulturen vor Hitzestress schützen und den Wasserbedarf senken könnten. Als Biotop für Kleintiere und Niederwild vereine Agri-PV Landwirtschaft, Klimaanpassung, Biodiversität und Öko-Stromerzeugung auf einer Fläche. „Dieses Potenzial sollte NRW konsequent nutzen“, so Hans-Josef Vogel, Vorstandsvorsitzender des LEE NRW. (vs)
Dienstag, 11.08.2026, 13:53 Uhr
Volker Stephan
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