Die Data-to-Heat-Versorgung für den Campus Ringberlin. Quelle: Gasag
Die Gasag Solution Plus startet gemeinsam mit Data-to-Heat ein Wärmeprojekt in Berlin-Mariendorf. Zunächst soll ein Makerspace auf dem Campus Ringberlin versorgt werden.
Auf dem Modell-Campus Ringberlin in Berlin-Mariendorf hat die Gasag Solution Plus am 29. Mai gemeinsam mit „DATA2HEAT“ ein Projekt zur Nutzung von Rechenzentrumsabwärme gestartet. Nach Angaben der Beteiligten soll das gewerbliche Quartier künftig Wärme aus einem benachbarten Rechenzentrum im Marienpark Berlin beziehen. Zunächst ist die Versorgung des entstehenden Makerspace in Halle 2 vorgesehen. Perspektivisch soll die Lösung auf das gesamte Quartier ausgeweitet werden.
Die Gasag Solution Plus in Berlin entwickelt Energie- und Versorgungslösungen für Quartiere und Gewerbestandorte. Data-to-Heat ist eine Kooperation von Gasag Solution Plus und dem Immobilienunternehmen Investa. Ziel ist es, Abwärme aus Rechenzentren im Marienpark Berlin für umliegende Gebäude und Quartiere nutzbar zu machen.
Mit dem Projekt wollen die Partner nach eigenen Angaben zeigen, wie sich bislang ungenutzte Energiequellen in urbane Versorgungssysteme integrieren lassen. Severin Fischer, Staatssekretär in der Berliner Senatsverwaltung für Energie erklärte: „Die Wärmewende braucht konkrete Praxisprojekte“. Data-to-Heat zeige, wie sich ungenutzte Energiepotenziale erschließen und in die städtische Energieversorgung integrieren ließen.
Gewerbehalle erster Kunde
Im Mittelpunkt des ersten Projektabschnitts steht die Halle 2 des Modell-Campus Ringberlin. Dort entsteht auf rund 17.000 Quadratmetern nach Angaben der Projektentwickler ein Makerspace für Produktion, Entwicklung, Handwerk und Kreativwirtschaft. Betreiber wird „Motion Lab.Berlin“. Der Standort soll Unternehmen, Start-ups und Gründerinnen und Gründern ab Ende 2027 Raum für die Entwicklung CO2-neutraler Produkte und Verfahren bieten.
Matthias Menger, Geschäftsführer der Berliner „KOIMO“ Projektentwicklung und von Ringberlin, bezeichnete die Wärmeversorgung als zentralen Bestandteil des Infrastrukturkonzepts für den Campus. Das Projekt sei Teil der Entwicklung eines klimaneutralen und resilienten Stadtquartiers. Die Kooperation mit benachbarten Standorten spiele dabei eine wichtige Rolle.
Auch die Gasag sieht in der Nutzung von Rechenzentrumsabwärme einen wichtigen Baustein für die Wärmeversorgung in Städten. Vorstandsvorsitzender Georg Friedrichs erklärte: „Die Kombination industrieller Energiequellen mit urbanen Quartieren wird für zukünftige Energielösungen an Bedeutung gewinnen.“
Technische Funktionsweise
Nach Angaben von Data-to-Heat nutzt das Projekt die Abwärme direkt am Entstehungsort. Rechenzentren kühlen ihre Server kontinuierlich auf etwa 20 Grad Celsius. Die dabei entstehende Wärme wird über Wärmetauscher ausgekoppelt und auf Wasser übertragen. Dieses erreicht aktuell Temperaturen von rund 28 Grad und wird über ein Niedertemperaturnetz zu den angeschlossenen Gebäuden transportiert.
In den Gebäuden erhöhen Wärmepumpen anschließend die Temperatur auf das benötigte Niveau für die Wärmeversorgung. Laut den Projektpartnern arbeiten die Wärmepumpen aufgrund des vergleichsweise hohen Temperaturniveaus der Abwärme besonders effizient. Der sogenannte Coefficient of Performance (COP) liege bei etwa sieben. Das bedeutet, dass aus einer Einheit Strom rund sieben Einheiten Wärme erzeugt werden.
Nico Köllner, Managing Director von Data-to-Heat, erklärte, das Projekt belege die technische und wirtschaftliche Umsetzbarkeit solcher Lösungen im städtischen Maßstab. Ziel sei es, Rechenzentren stärker in das urbane Energie-Ökosystem einzubinden.
Hintergrund Campus Ringberlin
Der Modell-Campus Ringberlin befindet sich auf dem Gelände einer ehemaligen Industriehalle an der Ringstraße in Berlin-Mariendorf. Eigentümer ist die deutsche Schindler-Gruppe, Teil des Schweizer Aufzugs- und Fahrtreppenkonzerns Schindler. Die denkmalgeschützte Halle 2 wird derzeit modernisiert und erweitert.
Künftig sollen dort nach Angaben der Betreiber mehr als 5.000 Menschen möglichst autofrei arbeiten und den Standort über den öffentlichen Nahverkehr sowie Sharing-Angebote erreichen können. Für den Modell-Campus sind Investitionen von mehr als 60 Millionen Euro vorgesehen. Das Land Berlin unterstützt das Projekt über die Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ (GRW) mit rund 36 Millionen Euro.
Freitag, 29.05.2026, 11:58 Uhr
Susanne Harmsen
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