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Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten beim Zukunftsforum Energiewende über Wege zur Wärmewende und die Rolle von Förderung, Sanierung und Heizungstausch.
Die Wärmewende im Gebäudesektor gelingt nach Einschätzung von Experten nur mit einer Kombination aus Heizungserneuerung, gezielter Sanierung und einer stärker auf die Bedürfnisse der Eigentümer zugeschnittenen Förderung. Darüber diskutierten Vertreter aus Wissenschaft, Politik und Wirtschaft beim Zukunftsforum Energiewende.
Sebastian Herkel, Abteilungsleiter für energieeffiziente Gebäude am Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE), stellte die Bedeutung des Energieträgerwechsels heraus. Dieser sei insbesondere im deutschen Gebäudebestand oft wirksamer als sehr hohe Sanierungsstandards. Gleichzeitig müssten Mindeststandards der Häuser verbessert werden. Andernfalls reichten die verfügbaren Erneuerbaren nicht aus, um den Gebäudebestand vollständig zu dekarbonisieren.
Den größten Sanierungsbedarf sieht Herkel bei den Ein- und Zweifamilienhäusern, die in den 20 Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg errichtet wurden. Viele Eigentümer verfügten jedoch nicht über die finanziellen Mittel für umfangreiche Modernisierungen. „Das Vermögen der darin Wohnenden genügt zumeist nicht für die notwendigen Maßnahmen, weswegen sie Unterstützung brauchen“, sagte Herkel.
Förderung in der AnpassungDie Politik sieht den Handlungsbedarf, versicherte Alexander Renner, Referatsleiter für Grundsatzfragen der Gebäudeenergie im Bundeswirtschaftsministerium (BMWE). Er kündigte Anpassungen mit dem Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) beim Förderrecht und zusätzliche Marktanreize an. Ziel sei es, Investitionen in klimafreundliche Heizungen und Sanierungen zu erleichtern.
Renner betonte zudem die Bedeutung der Energieberatung. Gerade private Hauseigentümer stünden häufig vor Entscheidungen, die sie nur einmal träfen und die für mehrere Jahrzehnte wirkten. Die Wahl einer neuen Heizung oder einer umfassenden Sanierung habe Auswirkungen auf die nächsten 30 Jahre. Bis zur angestrebten Klimaneutralität Deutschlands blieben jedoch nur noch knapp 20 Jahre Zeit.
Mieten im Blick behaltenAxel Gedaschko, Präsident des Bundesverbandes deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW), forderte eine stärkere Unterstützung einkommensschwächerer Haushalte. Viele energetisch besonders schlechte Gebäude würden von älteren Menschen bewohnt, die oft keinen Bankkredit mehr erhielten. Nach seinen Angaben zeigt eine Evaluierung des Bundeswirtschaftsministeriums, dass Fördermittel bislang überwiegend Haushalten mit höheren Einkommen zugutekämen, da diese eher in der Lage seien, umfangreiche Sanierungen anzustoßen.
Unternehmen im GdW haben bereits vor mehreren Jahren wissenschaftlich begleitete Untersuchungen zur Dekarbonisierung ihrer Bestände durchgeführt. Im Ergebnis sprach sich Gedaschko für einen schrittweisen Ansatz aus. Maßnahmen sollten dann umgesetzt werden, wenn sie ohnehin anstünden. Auch Einzelmaßnahmen wie der Fensteraustausch könnten den Wärmeverbrauch senken und seien für Mieter häufig leichter finanzierbar. Als mögliche Lösung nannte Gedaschko die Fernwärme. Voraussetzung seien jedoch transparente und langfristig verlässliche Kosten.
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Diskussionsrunde (von links): Dr. Alexander Renner (BMWE), Axel Gedaschko, Präsident des GdW, Jörg Reichert (Netze BW) und Markus Staudt (BDH) Quelle: Susanne Harmsen |
Renner verwies auf die geplante Novelle des Gebäudeenergiegesetzes. Bestehende und funktionierende Heizungen müssten nicht ausgetauscht werden. Durch den Einsatz biogener Brennstoffe lasse sich ihr CO2-Ausstoß jedoch reduzieren. Dies solle mit der „Biotreppe“ im GModG berücksichtigt werden. Besonders dringenden Handlungsbedarf sieht das BMWE bei veralteten Anlagen. Nach Angaben von Renner entsprechen knapp zehn Millionen Heizungen in Deutschland aufgrund ihres Alters nicht mehr dem Stand der Technik.
Regionale LösungenFür die praktische Umsetzung der Wärmewende plädierte Jörg Reichert, Vorsitzender der Geschäftsführung der Netze BW GmbH, für regionale Lösungen. Der Gebäudebestand reiche vom Mehrfamilienhaus in dicht besiedelten Städten bis zu einzelnen Höfen im ländlichen Raum. Deshalb gebe es keinen einheitlichen Ansatz für alle Gebäude. Stattdessen müssten die Lösungen an die jeweiligen regionalen Gegebenheiten angepasst werden, was derzeit mit der Kommunalen Wärmeplanung geschehe.
Markus Staudt, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Heizungsindustrie (BDH) in Köln, verwies auf die Bedeutung verlässlicher politischer Rahmenbedingungen. Um die Klimaschutzziele im Gebäudesektor zu erreichen, müssten nach Einschätzung des BDH jährlich etwa eine Million Heizgeräte ausgetauscht werden. Dieses Niveau sei nur 2023 erreicht worden. Für das laufende Jahr rechnet Staudt dagegen mit rund 700.000 neu installierten Heizgeräten. Viele Marktteilnehmer warteten derzeit noch auf die künftige Förderkulisse und die angekündigte Novelle des Gebäudegesetzes.
Donnerstag, 25.06.2026, 09:05 Uhr
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