Batteriespeicher. Quelle: Baywa Re
Batteriespeicher, intelligente Ladesysteme für Elektrofahrzeuge und flexibel steuerbare Wärmepumpen könnten den Einsatz von Gaskraftwerken zur Netzstabilisierung deutlich reduzieren.
Laut einer Analyse des Energie-Thinktanks Ember sollte die installierte Batteriespeicherkapazität in der EU von 43.000 MW im Jahr 2025 auf 178.000 MW bis 2030 wachsen. Damit könnten deutlich größere Mengen Strom aus Wind- und Solaranlagen gespeichert und in Zeiten hoher Nachfrage wieder ins Netz eingespeist werden. Nach Einschätzung von Ember entwickeln sich Batterien damit zu einer echten Alternative zu gasbasierten Ausgleichskraftwerken.
Besonders stark wächst der Markt für große Batteriespeicher. Ende 2025 verfügte die EU über rund 3.000 MW Batteriespeicher je 100.000 MW installierter Wind- und Solarkapazität. Bis 2030 soll dieses Verhältnis auf 12 Prozent steigen. Zudem könnten große Batteriespeicher kurzfristige Flexibilität dann rund 20 Prozent günstiger bereitstellen als neue Gaskraftwerke.
Auch dezentrale Batteriespeicher in Wohn- und Gewerbegebäuden gewinnen laut Ember an Bedeutung. Ihre Kapazität dürfte sich bis 2030 verdoppeln. Dadurch kann ein wachsender Anteil des tagsüber erzeugten Solarstroms vom Dach in die Abendstunden verschoben und direkt genutzt werden.
Neben Speichern sieht Ember großes Potenzial bei der Nachfragesteuerung. Bis 2030 könnte jedes sechste Auto in der EU elektrisch fahren. Etwa die Hälfte dieser Fahrzeuge könnte ihre Ladezeiten flexibel an Phasen mit hoher Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien anpassen. Gleichzeitig könnte rund jeder fünfte Haushalt über eine Wärmepumpe verfügen. Ein Teil ihres Stromverbrauchs ließe sich zeitlich verschieben, ohne den Komfort der Nutzer zu beeinträchtigen.
Zusammen könnten diese Technologien Lastspitzen senken, Netzengpässe reduzieren und den Bedarf an fossilen Reservekapazitäten deutlich verringern. Voraussetzung dafür sind laut Ember jedoch verlässliche politische Rahmenbedingungen, Anreize für flexible Stromnutzung sowie ein schnellerer Ausbau intelligenter Stromzähler. Ab 2027 sollen alle EU-Mitgliedstaaten erstmals nationale Ziele für Speicher und flexible Stromnachfrage vorlegen. Ambitionierte Vorgaben könnten den Ausbau klimafreundlicher Alternativen zu Gaskraftwerken zusätzlich beschleunigen.
Mittwoch, 24.06.2026, 09:06 Uhr
Silvia Rausch-Becker
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