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Energie & Management > Ölmarkt - Schrumpfende Reserven und Hoffnung auf Normalisierung
Quelle: Shutterstock / Sven Hansche
Ölmarkt

Schrumpfende Reserven und Hoffnung auf Normalisierung

Die Internationale Energieagentur erwartet für 2026 einen Rückgang der Ölnachfrage. Das mögliche US-Iran-Abkommen verändert die Marktperspektiven. 
Einen „ermutigenden Schritt nach vorne“ nennt die Internationale Energieagentur (IEA) in ihrem aktuellen Ölmarktbericht das vorläufige Abkommen zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran zur Beendigung des Krieges im Nahen Osten. Die Ankündigung des Abkommens, das am 19. Juni in der Schweiz unterzeichnet werden soll, habe die Ölpreise bereits auf den niedrigsten Stand seit März fallen lassen − „obwohl die Einzelheiten noch nicht geklärt sind und mehrere Fragen weiterhin offen bleiben“.

Sollte das Abkommen Bestand haben, könnten Exporte und Produktion aus der Golfregion schrittweise wieder ansteigen − nicht zuletzt deshalb, weil der Iran selber nach Aufhebung der US-Blockade seine Ölexporte wieder aufnehmen könne. Bereits Anfang Juni hätten die Transporte durch die Meerenge durch Schiff-zu-Schiff-Umschläge im Golf von Oman stark zugenommen, die Gesamttransportmenge sei so von einem Tiefstand von 9,6 mb/d (million barrel per day, Millionen Barrel pro Tag) im Mai auf rund 12 mb/d gestiegen. 

Auch die Beschleunigung der Freigabe staatlicher Lagerbestände durch die IEA und eine schwächere Nachfrage hätten bereits Anfang Juni zu einer Entspannung der Märkte beigetragen. Zum Zeitpunkt der Berichterstellung notierte Brent-Rohöl bei rund 81 US-Dollar je Barrel. Das waren 37 US-Dollar weniger als zum Höchststand Anfang April, aber noch etwa 20 US-Dollar mehr als zu Jahresbeginn. 

Die Kehrseite der Medaille: Die globalen Lagerbestände sinken rapide. Der IEA zufolge gingen die beobachteten Ölbestände weltweit um 143 Millionen Barrel zurück. Die staatlichen Ölreserven der OECD-Staaten erreichten laut IEA den niedrigsten Stand seit Dezember 1990. 

Deutlich geringere Ölnachfrage in 2026

Gleichzeitig korrigiert die IEA ihre Prognose für die globale Ölnachfrage im Jahr 2026 deutlich nach unten und erwartet nun einen Rückgang um 1,1 Millionen Barrel pro Tag im Vergleich zum Vorjahr, was noch einmal 700.000 Barrel pro Tag weniger sind als in der im Mai veröffentlichten Prognose. Hintergrund sind laut Bericht ein starker Rückgang der Auslieferungen im zweiten Quartal 2026, höhere Kraftstoffpreise sowie Störungen bei der Verfügbarkeit von Ölprodukten. Für 2027 rechnet die Behörde dagegen mit einer Erholung und einem Nachfrageanstieg um zwei Millionen Barrel pro Tag. Ausschlaggebend seien eine Normalisierung der Handelsströme, niedrigere Ölpreise und bessere Konjunkturaussichten. 

Die globale Förderung lag im Mai bei 94,5 Millionen Barrel pro Tag und damit 600.000 Barrel pro Tag unter dem Vormonat. Gegenüber dem Niveau vor dem Konflikt im Nahen Osten betrug der Rückgang 13,6 Millionen Barrel pro Tag. Auf das Gesamtjahr bezogen erwartet die IEA für 2026 mit 102,4 Millionen Barrel eine um 3,9 Millionen Barrel geringere Tagesproduktion als im Vorjahr.

Erst Normalisierung, dann Überangebot?

Die Rückkehr zur Normalität dürfte auch im Fall eines erfolgreichen Abkommens noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Zunächst müssten Minen aus den wichtigsten Schifffahrtsrouten entfernt werden. Auch brauchten die Lieferketten Zeit, sich zu normalisieren. Für 2027 prognostiziert die Agentur aber einen Wiederanstieg der Produktion um acht Millionen Barrel pro Tag auf 110,3 Millionen Barrel pro Tag. 

Die Auswirkungen des Konflikts zeigen sich naturgemäß auch in der Raffinerieindustrie. Die weltweiten Rohölverarbeitungsmengen, so schätzt die IEA, dürften 2026 um zwei Millionen Barrel pro Tag auf 82 Millionen Barrel pro Tag zurückgehen. Besonders stark falle der Rückgang im zweiten Quartal aus. Für 2027 erwartet die IEA eine Erholung auf durchschnittlich 85 Millionen Barrel pro Tag. 

Die 2026 weiterhin angespannte Marktlage könnte sich Anfang 2027 umkehren: Zwar steige die globale Nachfrage voraussichtlich auf 105,3 Millionen Barrel pro Tag. Wenn aber gleichzeitig die Produktion auf 110 Millionen Barrel steige, zeichne sich ein deutliches Überangebot ab. Die Agentur sieht darin die Möglichkeit, die zuletzt stark geschrumpften Lagerbestände wieder aufzufüllen und strategische Reserven auszubauen. 

Der vollständige „Oil Market Report − June 2026“ ist auf den Internetseiten der IEA kostenpflichtig abrufbar. (kta)

Mittwoch, 17.06.2026, 16:38 Uhr
Katia Meyer-Tien
Energie & Management > Ölmarkt - Schrumpfende Reserven und Hoffnung auf Normalisierung
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Ölmarkt
Schrumpfende Reserven und Hoffnung auf Normalisierung
Die Internationale Energieagentur erwartet für 2026 einen Rückgang der Ölnachfrage. Das mögliche US-Iran-Abkommen verändert die Marktperspektiven. 
Einen „ermutigenden Schritt nach vorne“ nennt die Internationale Energieagentur (IEA) in ihrem aktuellen Ölmarktbericht das vorläufige Abkommen zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran zur Beendigung des Krieges im Nahen Osten. Die Ankündigung des Abkommens, das am 19. Juni in der Schweiz unterzeichnet werden soll, habe die Ölpreise bereits auf den niedrigsten Stand seit März fallen lassen − „obwohl die Einzelheiten noch nicht geklärt sind und mehrere Fragen weiterhin offen bleiben“.

Sollte das Abkommen Bestand haben, könnten Exporte und Produktion aus der Golfregion schrittweise wieder ansteigen − nicht zuletzt deshalb, weil der Iran selber nach Aufhebung der US-Blockade seine Ölexporte wieder aufnehmen könne. Bereits Anfang Juni hätten die Transporte durch die Meerenge durch Schiff-zu-Schiff-Umschläge im Golf von Oman stark zugenommen, die Gesamttransportmenge sei so von einem Tiefstand von 9,6 mb/d (million barrel per day, Millionen Barrel pro Tag) im Mai auf rund 12 mb/d gestiegen. 

Auch die Beschleunigung der Freigabe staatlicher Lagerbestände durch die IEA und eine schwächere Nachfrage hätten bereits Anfang Juni zu einer Entspannung der Märkte beigetragen. Zum Zeitpunkt der Berichterstellung notierte Brent-Rohöl bei rund 81 US-Dollar je Barrel. Das waren 37 US-Dollar weniger als zum Höchststand Anfang April, aber noch etwa 20 US-Dollar mehr als zu Jahresbeginn. 

Die Kehrseite der Medaille: Die globalen Lagerbestände sinken rapide. Der IEA zufolge gingen die beobachteten Ölbestände weltweit um 143 Millionen Barrel zurück. Die staatlichen Ölreserven der OECD-Staaten erreichten laut IEA den niedrigsten Stand seit Dezember 1990. 

Deutlich geringere Ölnachfrage in 2026

Gleichzeitig korrigiert die IEA ihre Prognose für die globale Ölnachfrage im Jahr 2026 deutlich nach unten und erwartet nun einen Rückgang um 1,1 Millionen Barrel pro Tag im Vergleich zum Vorjahr, was noch einmal 700.000 Barrel pro Tag weniger sind als in der im Mai veröffentlichten Prognose. Hintergrund sind laut Bericht ein starker Rückgang der Auslieferungen im zweiten Quartal 2026, höhere Kraftstoffpreise sowie Störungen bei der Verfügbarkeit von Ölprodukten. Für 2027 rechnet die Behörde dagegen mit einer Erholung und einem Nachfrageanstieg um zwei Millionen Barrel pro Tag. Ausschlaggebend seien eine Normalisierung der Handelsströme, niedrigere Ölpreise und bessere Konjunkturaussichten. 

Die globale Förderung lag im Mai bei 94,5 Millionen Barrel pro Tag und damit 600.000 Barrel pro Tag unter dem Vormonat. Gegenüber dem Niveau vor dem Konflikt im Nahen Osten betrug der Rückgang 13,6 Millionen Barrel pro Tag. Auf das Gesamtjahr bezogen erwartet die IEA für 2026 mit 102,4 Millionen Barrel eine um 3,9 Millionen Barrel geringere Tagesproduktion als im Vorjahr.

Erst Normalisierung, dann Überangebot?

Die Rückkehr zur Normalität dürfte auch im Fall eines erfolgreichen Abkommens noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Zunächst müssten Minen aus den wichtigsten Schifffahrtsrouten entfernt werden. Auch brauchten die Lieferketten Zeit, sich zu normalisieren. Für 2027 prognostiziert die Agentur aber einen Wiederanstieg der Produktion um acht Millionen Barrel pro Tag auf 110,3 Millionen Barrel pro Tag. 

Die Auswirkungen des Konflikts zeigen sich naturgemäß auch in der Raffinerieindustrie. Die weltweiten Rohölverarbeitungsmengen, so schätzt die IEA, dürften 2026 um zwei Millionen Barrel pro Tag auf 82 Millionen Barrel pro Tag zurückgehen. Besonders stark falle der Rückgang im zweiten Quartal aus. Für 2027 erwartet die IEA eine Erholung auf durchschnittlich 85 Millionen Barrel pro Tag. 

Die 2026 weiterhin angespannte Marktlage könnte sich Anfang 2027 umkehren: Zwar steige die globale Nachfrage voraussichtlich auf 105,3 Millionen Barrel pro Tag. Wenn aber gleichzeitig die Produktion auf 110 Millionen Barrel steige, zeichne sich ein deutliches Überangebot ab. Die Agentur sieht darin die Möglichkeit, die zuletzt stark geschrumpften Lagerbestände wieder aufzufüllen und strategische Reserven auszubauen. 

Der vollständige „Oil Market Report − June 2026“ ist auf den Internetseiten der IEA kostenpflichtig abrufbar. (kta)

Mittwoch, 17.06.2026, 16:38 Uhr
Katia Meyer-Tien

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