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Energie & Management > Studien - Öl-Importländer beschleunigen Energiewende
Globaler Energiewende Ausblick. Quelle: DNV
Studien

Öl-Importländer beschleunigen Energiewende

Energieimporteure bauen wegen geopolitischer Risiken erneuerbare Energien dreimal schneller aus als Exporteure. Dies konstatiert der Ausblick zur globalen Energiewende von DNV.
Die Störungen der Energieversorgung über die Straße von Hormus verändern laut DNV die Dynamik der Energiewende. Länder, die Energie importieren, bauen Kapazitäten für nicht-fossile Energien derzeit deutlich schneller aus als Exportländer. Das geht aus der zehnten Ausgabe des „Energy Transition Outlook“ des norwegischen Risiko- und Beratungsunternehmens DNV hervor.

In den vergangenen fünf Jahren stieg der Anteil nicht-fossiler Energien am Primärenergiemix importierender Regionen um 2,2 Prozentpunkte, in exportierenden Regionen nur um 0,7 Prozentpunkte. China, Indien und Europa haben damit gemeinsam mehr als dreimal so schnell auf nicht-fossile Energien umgestellt wie der Nahe Osten, Nordamerika und Russland.

DNV führt die Entwicklung vor allem auf das Bestreben der Importländer zurück, ihre Abhängigkeit von Öl und Gas durch Elektrifizierung zu reduzieren. Die Störungen rund um die Straße von Hormus hätten diesen Anreiz verstärkt. Fossile Energieexporteure reagierten dagegen mit höheren Investitionen und mehr Produktion. Dadurch vergrößere sich die Kluft beim Tempo der Energiewende zwischen importierenden und exportierenden Regionen.

Ölnachfrage könnte dauerhaft sinken

Für die fossile Energiewirtschaft sieht DNV dadurch langfristig höhere Nachfragerisiken. In seiner aktuellen Prognose erwartet das Unternehmen, dass der Nahe Osten im Jahr 2050 rund 40 Prozent der weltweiten Ölproduktion stellt. In der Ausgabe des Vorjahres hatte DNV noch mit einem Anteil von 50 Prozent gerechnet.

„Die Energiesicherheit zeichnet die Landkarte der Energiewende neu“, sagte Ditlev Engel, CEO Energy Systems bei DNV. Importabhängige Regionen forcierten Elektrifizierung sowie erneuerbare Energien und Speicher, um ihre Abhängigkeit von fossilen Brennstoffmärkten zu verringern. Energie werde zunehmend als kritische Infrastruktur betrachtet.

Solar und Speicher gewinnen an Gewicht

Neben geopolitischen Faktoren hebt DNV die unterschiedlichen Kostenentwicklungen der Technologien hervor. Sinkende Kosten beschleunigten den Ausbau von Photovoltaik, Onshore-Windkraft und Batteriespeichern und verdrängten fossile Energieträger zunehmend aus der Stromerzeugung. Die installierte Batteriekapazität habe sich innerhalb von fünf Jahren verfünfzehnfacht.

Bei Technologien für schwer elektrifizierbare Bereiche sieht DNV dagegen eine wachsende Lücke. Wasserstoff und Technologien zur Abscheidung und Speicherung von CO2 (CCS) setzt DNV in der Langfristprognose deutlich niedriger an als im Vorjahr. Die Prognosen für Wasserstoff und CCS liegen jeweils 29 beziehungsweise 15 Prozent niedriger.

Für die Kernkraft erwartet DNV ein Wachstum der installierten Leistung im kommenden Jahrzehnt um 30 Prozent und bis 2060 um 170 Prozent. „Angetrieben durch Solar- und Windkraft sowie zunehmend durch Batteriespeicher, entwickelt sich Elektrizität zum klaren Gewinner der Energiewende“, sagte Sverre Alvik, Leiter der Energiewendeforschung bei DNV. 

Rechenzentren erhöhen Strombedarf

Zusätzlichen Strombedarf erwartet DNV durch den Ausbau künstlicher Intelligenz (KI). Der weltweite Stromverbrauch von Rechenzentren soll von rund 400 TWh im Jahr 2025 auf 1.100 TWh im Jahr 2030 steigen. DNV erwartet zudem, dass KI-Anwendungen 2031 die herkömmlichen Arbeitslasten in Rechenzentren beim Stromverbrauch überholen.

Bis 2040 entfällt auf Rechenzentren einschließlich KI-Infrastruktur allerdings ein geringerer Anteil des zusätzlichen weltweiten Strombedarfs als auf das Laden von Elektrofahrzeugen oder die Gebäudekühlung. Regional konzentriert sich der Zuwachs zunächst auf Nordamerika. Dort könnten Rechenzentren bis 2030 rund ein Drittel des zusätzlichen Stromerzeugungsbedarfs ausmachen. In China fällt der Beitrag nach DNV deutlich geringer aus.
 
Anteil von Strom am Gesamtenergiebedarf bis 2055 -
(zur Vergrößerung bitte auf die Grafik klicken)
Quelle: DNV

2,3 Grad Erwärmung bis 2100

Trotz des beschleunigten Ausbaus erneuerbarer Energien und der zunehmenden Elektrifizierung reicht der derzeit absehbare Entwicklungspfad laut DNV nicht aus, um die Ziele des Pariser Abkommens zu erreichen. Das Unternehmen erwartet, dass die energiebedingten Emissionen bis zur Mitte des Jahrhunderts um 44 Prozent gegenüber dem heutigen Niveau sinken.

Damit bewege sich die Welt auf einen Erwärmungspfad von 2,3 Grad Celsius zu. Netto-Null-Emissionen erwartet DNV erst in den 2090er Jahren. Auch dieser Zeitpunkt sei unsicher, da dafür Technologien wie Direct Air Capture großflächig eingesetzt werden müssten.

Der „Energy Transition Outlook“ ist die zentrale Prognose von DNV zur Entwicklung des globalen Energiesystems. An der Prognose arbeiten nach Angaben des Unternehmens mehr als 150 DNV-Experten sowie externe Fachleute mit. Das Dokument steht in englischer Sprache gegen Registrierung zum Download bereit. (sh)

Mittwoch, 7.10.2026, 11:55 Uhr
Susanne Harmsen
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Globaler Energiewende Ausblick. Quelle: DNV
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Öl-Importländer beschleunigen Energiewende
Energieimporteure bauen wegen geopolitischer Risiken erneuerbare Energien dreimal schneller aus als Exporteure. Dies konstatiert der Ausblick zur globalen Energiewende von DNV.
Die Störungen der Energieversorgung über die Straße von Hormus verändern laut DNV die Dynamik der Energiewende. Länder, die Energie importieren, bauen Kapazitäten für nicht-fossile Energien derzeit deutlich schneller aus als Exportländer. Das geht aus der zehnten Ausgabe des „Energy Transition Outlook“ des norwegischen Risiko- und Beratungsunternehmens DNV hervor.

In den vergangenen fünf Jahren stieg der Anteil nicht-fossiler Energien am Primärenergiemix importierender Regionen um 2,2 Prozentpunkte, in exportierenden Regionen nur um 0,7 Prozentpunkte. China, Indien und Europa haben damit gemeinsam mehr als dreimal so schnell auf nicht-fossile Energien umgestellt wie der Nahe Osten, Nordamerika und Russland.

DNV führt die Entwicklung vor allem auf das Bestreben der Importländer zurück, ihre Abhängigkeit von Öl und Gas durch Elektrifizierung zu reduzieren. Die Störungen rund um die Straße von Hormus hätten diesen Anreiz verstärkt. Fossile Energieexporteure reagierten dagegen mit höheren Investitionen und mehr Produktion. Dadurch vergrößere sich die Kluft beim Tempo der Energiewende zwischen importierenden und exportierenden Regionen.

Ölnachfrage könnte dauerhaft sinken

Für die fossile Energiewirtschaft sieht DNV dadurch langfristig höhere Nachfragerisiken. In seiner aktuellen Prognose erwartet das Unternehmen, dass der Nahe Osten im Jahr 2050 rund 40 Prozent der weltweiten Ölproduktion stellt. In der Ausgabe des Vorjahres hatte DNV noch mit einem Anteil von 50 Prozent gerechnet.

„Die Energiesicherheit zeichnet die Landkarte der Energiewende neu“, sagte Ditlev Engel, CEO Energy Systems bei DNV. Importabhängige Regionen forcierten Elektrifizierung sowie erneuerbare Energien und Speicher, um ihre Abhängigkeit von fossilen Brennstoffmärkten zu verringern. Energie werde zunehmend als kritische Infrastruktur betrachtet.

Solar und Speicher gewinnen an Gewicht

Neben geopolitischen Faktoren hebt DNV die unterschiedlichen Kostenentwicklungen der Technologien hervor. Sinkende Kosten beschleunigten den Ausbau von Photovoltaik, Onshore-Windkraft und Batteriespeichern und verdrängten fossile Energieträger zunehmend aus der Stromerzeugung. Die installierte Batteriekapazität habe sich innerhalb von fünf Jahren verfünfzehnfacht.

Bei Technologien für schwer elektrifizierbare Bereiche sieht DNV dagegen eine wachsende Lücke. Wasserstoff und Technologien zur Abscheidung und Speicherung von CO2 (CCS) setzt DNV in der Langfristprognose deutlich niedriger an als im Vorjahr. Die Prognosen für Wasserstoff und CCS liegen jeweils 29 beziehungsweise 15 Prozent niedriger.

Für die Kernkraft erwartet DNV ein Wachstum der installierten Leistung im kommenden Jahrzehnt um 30 Prozent und bis 2060 um 170 Prozent. „Angetrieben durch Solar- und Windkraft sowie zunehmend durch Batteriespeicher, entwickelt sich Elektrizität zum klaren Gewinner der Energiewende“, sagte Sverre Alvik, Leiter der Energiewendeforschung bei DNV. 

Rechenzentren erhöhen Strombedarf

Zusätzlichen Strombedarf erwartet DNV durch den Ausbau künstlicher Intelligenz (KI). Der weltweite Stromverbrauch von Rechenzentren soll von rund 400 TWh im Jahr 2025 auf 1.100 TWh im Jahr 2030 steigen. DNV erwartet zudem, dass KI-Anwendungen 2031 die herkömmlichen Arbeitslasten in Rechenzentren beim Stromverbrauch überholen.

Bis 2040 entfällt auf Rechenzentren einschließlich KI-Infrastruktur allerdings ein geringerer Anteil des zusätzlichen weltweiten Strombedarfs als auf das Laden von Elektrofahrzeugen oder die Gebäudekühlung. Regional konzentriert sich der Zuwachs zunächst auf Nordamerika. Dort könnten Rechenzentren bis 2030 rund ein Drittel des zusätzlichen Stromerzeugungsbedarfs ausmachen. In China fällt der Beitrag nach DNV deutlich geringer aus.
 
Anteil von Strom am Gesamtenergiebedarf bis 2055 -
(zur Vergrößerung bitte auf die Grafik klicken)
Quelle: DNV

2,3 Grad Erwärmung bis 2100

Trotz des beschleunigten Ausbaus erneuerbarer Energien und der zunehmenden Elektrifizierung reicht der derzeit absehbare Entwicklungspfad laut DNV nicht aus, um die Ziele des Pariser Abkommens zu erreichen. Das Unternehmen erwartet, dass die energiebedingten Emissionen bis zur Mitte des Jahrhunderts um 44 Prozent gegenüber dem heutigen Niveau sinken.

Damit bewege sich die Welt auf einen Erwärmungspfad von 2,3 Grad Celsius zu. Netto-Null-Emissionen erwartet DNV erst in den 2090er Jahren. Auch dieser Zeitpunkt sei unsicher, da dafür Technologien wie Direct Air Capture großflächig eingesetzt werden müssten.

Der „Energy Transition Outlook“ ist die zentrale Prognose von DNV zur Entwicklung des globalen Energiesystems. An der Prognose arbeiten nach Angaben des Unternehmens mehr als 150 DNV-Experten sowie externe Fachleute mit. Das Dokument steht in englischer Sprache gegen Registrierung zum Download bereit. (sh)

Mittwoch, 7.10.2026, 11:55 Uhr
Susanne Harmsen

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