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Energie & Management > IT - Rechenzentrum stärkt Datenhaltung in Lübeck
Quelle: Pixabay / Edgar Oliver
IT

Rechenzentrum stärkt Datenhaltung in Lübeck

Mehr digitale Souveränität soll ein neues Rechenzentrum in Lübeck bringen. Die erste Ausbaustufe ist schon vor dem Start fast vollständig vergeben.
Die Stadtwerke Lübeck haben am 10. März ihr erstes Rechenzentrum offiziell in Betrieb genommen. Nach Angaben des kommunalen Energie- und Infrastrukturunternehmens sei das Interesse aus regionaler Wirtschaft und öffentlicher Verwaltung schon vor der Eröffnung so groß gewesen, dass die Kapazitäten der ersten Ausbaustufe nahezu vollständig vergeben seien. Mit dem Rechenzentrum wolle das Unternehmen eine digitale Infrastruktur in der Region aufbauen und gleichzeitig die Datenhoheit vor Ort stärken.

Vorstandschef Jens Meier bezeichnete das Projekt laut Mitteilung als Teil kommunaler Daseinsvorsorge. Die Stadtwerke wollten eine Infrastruktur schaffen, die Sicherheit, Unabhängigkeit und Energieeffizienz verbinde. Das Rechenzentrum solle sensible Daten direkt in Lübeck verarbeiten und speichern. Das Angebot richte sich insbesondere an Unternehmen, Behörden und Betreiber kritischer Infrastrukturen.

Technisch sei die Anlage für sensible und geschäftskritische Anwendungen ausgelegt. Laut den Stadtwerken seien alle zentralen Systeme redundant ausgelegt. Hinzu kämen leistungsfähige Netzanbindungen sowie Schutzmechanismen gegen Cyberangriffe. 

IHK verweist auf Bedarf in der Region

Den wirtschaftlichen Bedarf begründen die Stadtwerke mit einer Umfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Lübeck aus dem August 2022. Daran hätten 156 Mitgliedsbetriebe teilgenommen. Laut Mitteilung habe sich jedes zweite Unternehmen mit eigener IT-Infrastruktur vorstellen können, ein regionales Rechenzentrum zu nutzen. Als wichtigste Gründe hätten die Befragten Datensouveränität, Sicherheit, Verfügbarkeit sowie regionale Ansprechpartner genannt.

Christoph Schweizer, Chief Operating Officer (COO) der Stadtwerke Lübeck Gruppe, sieht in dem Projekt eine Reaktion auf die Diskussion über digitale Abhängigkeiten. Die hohe Auslastung zum Start zeige, dass Unternehmen und öffentliche Einrichtungen in der Region ihre Datenhaltung zunehmend neu bewerteten. Aus seiner Sicht schaffe das Rechenzentrum eine skalierbare Infrastruktur für wachsende digitale Anforderungen.

Auch aus Sicht der IHK bringt die Anlage Vorteile für den Standort. Stefan Stengel, Vorsitzender des Arbeitskreises Informationstechnik, Kommunikation und Digitalisierung der IHK zu Lübeck, bezeichnete das Rechenzentrum als wichtigen Standortfaktor. Es stärke die digitale Wettbewerbsfähigkeit der Region und verbessere die Voraussetzungen für neue Geschäftsmodelle. Nach Angaben der IHK hätten sich zudem zwei ehrenamtlich engagierte Unternehmer früh in den Prozess eingebracht und mit Ergebnissen der Unternehmensbefragung begleitet.

Energieversorgung als Teil des Konzepts

Die Stadtwerke verbinden das Rechenzentrum mit einem Energiekonzept für das benachbarte Quartier Geniner Ufer im Lübecker Stadtteil Genin. In diesem Gewerbe- und Technologiegebiet entstehen neue Unternehmensflächen, die ebenfalls an die Energieinfrastruktur angebunden werden sollen.

Im benachbarten Umspannwerk errichteten die Stadtwerke nach eigenen Angaben im Laufe dieses Jahres zwei Blockheizkraftwerke mit jeweils 100 kW elektrischer Leistung. Diese Anlagen sollen künftig das Quartier Geniner Ufer mit Wärme versorgen. Der dabei erzeugte Strom werde dann vorrangig dem Rechenzentrum zur Verfügung stehen, Überschüsse wollen die Stadtwerke in das öffentliche Netz einspeisen.

Derzeit bezieht das Rechenzentrum noch keinen Strom aus diesen Anlagen. Wie eine Sprecherin der Stadtwerke auf Nachfrage der Redaktion erklärte, wird das Rechenzentrum aktuell vollständig mit zertifiziertem Ökostrom aus dem Netz versorgt. Erst in einem späteren Schritt solle es den Strom aus den Blockheizkraftwerken sowie aus einer geplanten Photovoltaikanlage auf dem Dach des Gebäudes beziehen. Die Leistung dieser Anlage geben die Stadtwerke mit 180 bis 200 kW an. Außerdem solle die Abwärme der Server genutzt werden, um angrenzende Gebäude im Quartier zu beheizen.

Da die erste Ausbaustufe bereits weitgehend vergeben ist, haben die Stadtwerke bereits eine Erweiterung beschlossen. Der nächste Ausbau solle noch in diesem Jahr beginnen, wie es aus Lübeck heißt. Danach solle mehr als das Dreifache der heutigen Kapazität zur Verfügung stehen. Perspektivisch rechnet das Unternehmen zudem mit zusätzlichen Flächen für Hochleistungsrechnen sowie für Anwendungen aus dem Bereich Künstliche Intelligenz.

Mittwoch, 11.03.2026, 17:21 Uhr
Davina Spohn
Energie & Management > IT - Rechenzentrum stärkt Datenhaltung in Lübeck
Quelle: Pixabay / Edgar Oliver
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Rechenzentrum stärkt Datenhaltung in Lübeck
Mehr digitale Souveränität soll ein neues Rechenzentrum in Lübeck bringen. Die erste Ausbaustufe ist schon vor dem Start fast vollständig vergeben.
Die Stadtwerke Lübeck haben am 10. März ihr erstes Rechenzentrum offiziell in Betrieb genommen. Nach Angaben des kommunalen Energie- und Infrastrukturunternehmens sei das Interesse aus regionaler Wirtschaft und öffentlicher Verwaltung schon vor der Eröffnung so groß gewesen, dass die Kapazitäten der ersten Ausbaustufe nahezu vollständig vergeben seien. Mit dem Rechenzentrum wolle das Unternehmen eine digitale Infrastruktur in der Region aufbauen und gleichzeitig die Datenhoheit vor Ort stärken.

Vorstandschef Jens Meier bezeichnete das Projekt laut Mitteilung als Teil kommunaler Daseinsvorsorge. Die Stadtwerke wollten eine Infrastruktur schaffen, die Sicherheit, Unabhängigkeit und Energieeffizienz verbinde. Das Rechenzentrum solle sensible Daten direkt in Lübeck verarbeiten und speichern. Das Angebot richte sich insbesondere an Unternehmen, Behörden und Betreiber kritischer Infrastrukturen.

Technisch sei die Anlage für sensible und geschäftskritische Anwendungen ausgelegt. Laut den Stadtwerken seien alle zentralen Systeme redundant ausgelegt. Hinzu kämen leistungsfähige Netzanbindungen sowie Schutzmechanismen gegen Cyberangriffe. 

IHK verweist auf Bedarf in der Region

Den wirtschaftlichen Bedarf begründen die Stadtwerke mit einer Umfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Lübeck aus dem August 2022. Daran hätten 156 Mitgliedsbetriebe teilgenommen. Laut Mitteilung habe sich jedes zweite Unternehmen mit eigener IT-Infrastruktur vorstellen können, ein regionales Rechenzentrum zu nutzen. Als wichtigste Gründe hätten die Befragten Datensouveränität, Sicherheit, Verfügbarkeit sowie regionale Ansprechpartner genannt.

Christoph Schweizer, Chief Operating Officer (COO) der Stadtwerke Lübeck Gruppe, sieht in dem Projekt eine Reaktion auf die Diskussion über digitale Abhängigkeiten. Die hohe Auslastung zum Start zeige, dass Unternehmen und öffentliche Einrichtungen in der Region ihre Datenhaltung zunehmend neu bewerteten. Aus seiner Sicht schaffe das Rechenzentrum eine skalierbare Infrastruktur für wachsende digitale Anforderungen.

Auch aus Sicht der IHK bringt die Anlage Vorteile für den Standort. Stefan Stengel, Vorsitzender des Arbeitskreises Informationstechnik, Kommunikation und Digitalisierung der IHK zu Lübeck, bezeichnete das Rechenzentrum als wichtigen Standortfaktor. Es stärke die digitale Wettbewerbsfähigkeit der Region und verbessere die Voraussetzungen für neue Geschäftsmodelle. Nach Angaben der IHK hätten sich zudem zwei ehrenamtlich engagierte Unternehmer früh in den Prozess eingebracht und mit Ergebnissen der Unternehmensbefragung begleitet.

Energieversorgung als Teil des Konzepts

Die Stadtwerke verbinden das Rechenzentrum mit einem Energiekonzept für das benachbarte Quartier Geniner Ufer im Lübecker Stadtteil Genin. In diesem Gewerbe- und Technologiegebiet entstehen neue Unternehmensflächen, die ebenfalls an die Energieinfrastruktur angebunden werden sollen.

Im benachbarten Umspannwerk errichteten die Stadtwerke nach eigenen Angaben im Laufe dieses Jahres zwei Blockheizkraftwerke mit jeweils 100 kW elektrischer Leistung. Diese Anlagen sollen künftig das Quartier Geniner Ufer mit Wärme versorgen. Der dabei erzeugte Strom werde dann vorrangig dem Rechenzentrum zur Verfügung stehen, Überschüsse wollen die Stadtwerke in das öffentliche Netz einspeisen.

Derzeit bezieht das Rechenzentrum noch keinen Strom aus diesen Anlagen. Wie eine Sprecherin der Stadtwerke auf Nachfrage der Redaktion erklärte, wird das Rechenzentrum aktuell vollständig mit zertifiziertem Ökostrom aus dem Netz versorgt. Erst in einem späteren Schritt solle es den Strom aus den Blockheizkraftwerken sowie aus einer geplanten Photovoltaikanlage auf dem Dach des Gebäudes beziehen. Die Leistung dieser Anlage geben die Stadtwerke mit 180 bis 200 kW an. Außerdem solle die Abwärme der Server genutzt werden, um angrenzende Gebäude im Quartier zu beheizen.

Da die erste Ausbaustufe bereits weitgehend vergeben ist, haben die Stadtwerke bereits eine Erweiterung beschlossen. Der nächste Ausbau solle noch in diesem Jahr beginnen, wie es aus Lübeck heißt. Danach solle mehr als das Dreifache der heutigen Kapazität zur Verfügung stehen. Perspektivisch rechnet das Unternehmen zudem mit zusätzlichen Flächen für Hochleistungsrechnen sowie für Anwendungen aus dem Bereich Künstliche Intelligenz.

Mittwoch, 11.03.2026, 17:21 Uhr
Davina Spohn

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