Der Windpark Huje/Schleswig-Holstein liefert Regelenergie Quelle: NTTB / Looft-Schmidt
Engelhart vermarktet mithilfe von Gridfuse erstmals Onshore-Windparks in der Tennet-Regelzone für automatische Frequenzregelreserve (aFRR), um die Netzstabilität zu stärken.
Seit Anfang Dezember 2025 stellt ein Pool aus Onshore-Windparks automatische Frequenzregelreserve (aFRR) in der Regelzone von Tennet Germany bereit. Vermarkter ist Engelhart. Beteiligt sind außerdem Gridfuse, Enercon, der Windpark Huje sowie der Betreiber NTTB. Laut den Partnern handelt es sich um die erste Zulassung eines Onshore-Windparkpools für aFRR in der größten deutschen Regelzone.
Bei der „aFRR“, auch Sekundärregelleistung genannt, handelt es sich um eine automatisch aktivierte Reserveleistung zur Stabilisierung der Netzfrequenz. Sie wird nach rund 30 Sekunden aktiviert und der Teilnehmer muss innerhalb von fünf Minuten die volle vereinbarte Leistung bringen, nachdem die Primärregelung (Frequency Containment Reserve, FCR) die erste Phase überbrückt hat.
Die „aFRR“ wird später durch die Minutenreserve abgelöst, auch „manuelle Frequenzregelreserve (mFRR)“ genannt. FCR, aFRR und mFRR zählen zu den zentralen Systemdienstleistungen, die Übertragungsnetzbetreiber zur Netzregelung einsetzen.
Fossile Kraftwerke ersetzt
Bislang kamen für diese Aufgaben vor allem fossile Regelkraftwerke zum Einsatz. Nach Angaben der beteiligten Unternehmen zeigen Prognose- und Regelungstechnologien von Windturbinenhersteller Enercon und Gridfuse, dass sich Windparks in Pools ebenso präzise steuern lassen wie konventionelle Anlagen.
Bereits seit Februar 2025 vermarktet Engelhart Flexibilität aus Onshore-Windparks am Markt für Minutenreserve. Rund 100 MW aus 20 Windparks stehen dort zur Verfügung. Nun wurden laut Engelhart erstmals drei Windparks des Betreibers Looft-Schmidt am Standort Huje in Schleswig-Holstein in die aFRR-Vermarktung überführt. Die verfügbare Flexibilität beträgt rund 28 MW.
Herausfordernde Präqualifikation
Die erforderliche Präqualifikation für den Regelenergiemarkt stellte die Projektpartner vor technische Herausforderungen. Dazu zählten nach Angaben von Gridfuse die Ermittlung einer präzisen Live-Vorhersage der möglichen Einspeisung sowie die Entwicklung eines übergeordneten Pool-Reglers. Ergänzend wurde eine Reglerfunktion für Regelenergie in den Parkregler von Enercon integriert. Damit sei es möglich, auch ältere Windparks für den Regelleistungsmarkt zu erschließen.
Die Projektumsetzung erfolgte nach Angaben der Beteiligten innerhalb weniger Monate. Dazu trugen die Zusammenarbeit zwischen Windparkgesellschaft, Enercon Service, dem Betreiber NTTB und dem Übertragungsnetzbetreiber Tennet Germany sowie die erforderlichen Prüfverfahren bei. Parkbetreiber erhielten dadurch zusätzliche Erlösmöglichkeiten, während Netzbetreiber von einer netzdienlichen Steuerung profitierten.
Mehr Potenzial erschließen
Konrad Wolf von Gridfuse sieht in Onshore-Windparks „ein erhebliches Potenzial für die aFRR“. Mit der geplanten Umstellung auf Viertelstundenzeitscheiben in der aFRR-Vermarktung eröffne sich die Möglichkeit, sowohl positive als auch negative Sekundärregelleistung anzubieten. Gridfuse entwickle die dafür notwendige Technologie seit mehreren Jahren.
Die Partner Engelhart, Gridfuse und Enercon testen nach eigenen Angaben weitere Anlagentypen für eine Lieferung von Regelleistung. Ziel ist es, das Portfolio für den Regelenergiemarkt zu erweitern und weiteren Kunden die Teilnahme zu ermöglichen.
Donnerstag, 22.01.2026, 12:31 Uhr
Susanne Harmsen
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