Trommeln mit den Südostlink-Erdkabeln warten im Regensburger Hafen auf ihren Einsatz. Quelle: Günter Drewnitzky
Der Netzbetreiber Tennet braucht für einen wichtigen Abschnitt der Südostlink-Stromtrasse eine neue Tiefbaufirma. Von Verzögerungen und Mängeln ist die Rede. Und von sehr viel Geld.
Konkret geht es um Unregelmäßigkeiten beim rund 90
Kilometer langen Südostlink-Abschnitt C2 in Nordostbayern, genauer gesagt dem Abschnitt zwischen Marktredwitz (Oberfranken) und Pfreimd (Oberpfalz). Hier war die Firma Vinci Construction Geoinfrastructure Deutschland mit den Arbeiten zum Einbau der Südostlink-Erdkabel beauftragt.
Damit ist es jetzt vorbei. „Nach eingehender Prüfung haben wir die Zusammenarbeit mit dem für den Abschnitt C2 des bayerischen Teils des Südostlink beauftragten Bauunternehmen Vinci beendet“, teilte eine Sprecherin des Übertragungsnetzbetreibers Tennet auf Anfrage der Redaktion mit. Zu den Hintergründen dieser Entscheidung äußere man sich grundsätzlich nicht. Vinci hat auf eine Anfrage bisher nicht geantwortet.
Auftragsvolumen beträgt 244 Millionen EuroEs ist das endgültige Ende einer offensichtlich schon länger problematischen Zusammenarbeit. Zuletzt hatte die Regionalzeitung Der neue Tag über weitere Details und Hintergründe berichtet. Demnach geht es bei den an Vinci vergebenen Tiefbauarbeiten um ein Vertragsvolumen von 244
Millionen Euro. Und es soll schon Anfang November zur Androhung der Kündigung gekommen sein. Der Grund: Verzögerungen beim Baufortschritt um 150 Tage.
Das ist aber nicht alles: Auch zur Bauausführung gab es Beanstandungen, von fehlerhaften Schweißnähten sowie Defiziten bei der Wiederherstellung genutzter Flächen ist die Rede. In einem Schreiben des Übertragungsnetzbetreibers an die Baufirma sollen darüber hinaus die Bauvorbereitung und nicht eingehaltene Sicherheitsvorkehrungen bemängelt worden sein.
Zum Zeitpunkt dieser Beanstandung, so heißt es in den regionalen Medien, seien statt 40 nur sieben Kilometer Trasse fertig verlegt worden. Noch dazu habe Vinci angekündigt, die Arbeiten erst Ende 2028 abschließen zu können, was die Inbetriebnahme des Südostlink erheblich verzögert hätte. Das will man bei Tennet aber unbedingt vermeiden. „Wir treffen alle notwendigen Maßnahmen, um den Zeitplan für das Gesamtprojekt Südostlink abzusichern. Die Inbetriebnahme ist weiterhin für 2027 geplant“, heißt es dazu.
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Verladung der Südostlinkkabel im Regensburger Industriehafen. Jede Trommel enthält 1.740 Meter Leitung und wiegt 80 Tonnen Quelle: Günter Drewnitzky |
Inbetriebnahme weiter für 2027 geplantWie das am besten zu bewerkstelligen ist, darüber macht man sich beim Übertragungsnetzbetreiber mit Sitz in Bayreuth derzeit intensive Gedanken. Klar ist: Eine neue Baufirma muss her – und das so schnell wie möglich. „Durch einen zügigen Wechsel des Auftragnehmers soll der Bau auch auf diesem Abschnitt schnell wieder vorangetrieben werden“, heißt es seitens Tennet dazu.
Doch wer könnte nicht nur schnell Kapazitäten bereitstellen, sondern auch welche im benötigten großen Umfang? Noch dazu muss ja nicht nur der Verzug von mehreren Monaten aufgeholt werden, es gilt zusätzlich, die beanstandeten Mängel zu beseitigen. Eine Herkulesaufgabe also. Aber einen kleinen Lichtblick scheint es für Tennet zu geben. „Unabhängig davon laufen auch weiterhin Arbeiten auf dem Abschnitt C2 durch Spezialfirmen, insbesondere für Horizontalspülverfahren“, so die Unternehmenssprecherin.
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Die Südostlink-Erdkabel enthalten neben dem Kupferleiter auch Glasfasern zur Überwachung der Betriebsoparameter. Ein Meter wiegt 40 Kilogramm. Quelle: Günter Drewnitzky |
Die Südostlink-Erdkabel sollen 2.000 MW Windkraftstrom aus dem Norden und Osten der Republik nach Bayern bringen. Startpunkt des Projektes 5 ist in Wolmierstedt in Sachsen-Anhalt, über rund 540 Kilometer geht es von dort ins niederbayerische Landshut, genauer gesagt zum Umspannwerk Isar, wo zuletzt das gleichnamige Kernkraftwerk angeschlossen war. Später soll in Wolmierstedt auch noch eine Verlängerung nach Mecklenburg-Vorpommern angeschlossen werden. Diese 200 Kilometer lange Trasse, das Vorhaben 5a, soll 2030 in Betrieb gehen. Die Gesamtkosten für den Südostlink werden mit 11 Millionen Euro veranschlagt.
Ein weiteres wichtiges Erdkabelprojekt ist der Südlink, der über zwei Trassen zusammen 4.000 MW Windkraftstrom von der Nordseeküste (Brunsbüttel und Wilster in Schleswig-Holstein) nach Bayern (Grafenrheinfeld bei Schweinfurt) und Baden-Württemberg (Leingarten bei Heilbronn) transportiert. Die Inbetriebnahme hätte eigentlich mit der Abschaltung der letzten Kernkraftwerke 2022 erfolgen sollen, jetzt ist von 2028 die Rede. Zu den massivsten Verzögerungen hat die von der bayerischen Staatsregierung durchgesetzte Änderung von Freileitungen auf Erdverkabelung geführt. Sie vernichtete 2015 jahrelange Planungsarbeit für die 700-Kilometer-Trasse auf einen Schlag und verteuerte das Projekt um ein Vielfaches auf aktuell geschätzt 10 Milliarden Euro.
Dienstag, 20.01.2026, 16:45 Uhr
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