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Energie & Management > Aus Der Aktuellen Ausgabe - Vom Genehmigungsstau zum Realisierungsdruck
Quelle: E&M
Aus Der Aktuellen Ausgabe

Vom Genehmigungsstau zum Realisierungsdruck

Die Genehmigungen für Onshore-Windprojekte haben einen neuen Höchststand erreicht. Die anstehenden Gesetzesnovellen sollen die Umsetzung beschleunigen.
Bei der Windenergie an Land hat sich die Lage innerhalb weniger Jahre grundlegend verändert. Lange galten fehlende Genehmigungen als zentraler Engpass. Im ersten Halbjahr 2026 zeichnet sich ein anderes Bild: 1.419 Anlagen mit zusammen 9.150 MW wurden neu genehmigt − so viele wie noch nie in einem ersten Halbjahr.

Gleichzeitig gingen 423 neue Anlagen mit 2.363 MW in Betrieb. Nach Stilllegungen von 307 Anlagen mit 436 MW blieb ein Nettozubau von 1.927 MW. Ende Juni waren 29.248 Anlagen mit 69.952 MW am Netz. Dies geht aus dem aktuellen Bericht der Fachagentur Wind und Solar zum Status des Windenergieausbaus an Land hervor.
Die Zahlen markieren nicht nur einen Aufschwung, sondern auch eine Verschiebung des Problems. Mitte 2026 waren rund 48.100 MW genehmigte Leistung noch nicht in Betrieb. Davon verfügten 28.700 MW über einen gültigen Ausschreibungszuschlag; rund 19.000 MW warteten noch auf einen Zuschlag. Nun stellt sich die Frage, wie schnell aus Genehmigungen tatsächlich Anlagen und Netzanschlüsse werden, denn die politischen Vorgaben sind ambitioniert.
 
Gute Perspektive für Repowering
 
Dass die Nachfrage nach Zuschlägen vorhanden ist, zeigen die Ausschreibungen. Die Bundesnetzagentur vergab im ersten Halbjahr 5.940 MW. Die Februar-Runde war laut der Fachagentur Wind und Solar 2,3-fach, die Mai-Runde 2,6-fach überzeichnet. Bemerkenswert ist, dass mit dem mengengewichteten Zuschlagswert von 5,06 Cent/kWh in der Mai-Auktion in den letzten acht Ausschreibungsrunden ein Rückgang um mehr als 2 Cent/kWh zu verzeichnen ist. Die Autoren des Halbjahresberichts schreiben vor diesem Hintergrund von einer „deutlichen Wettbewerbssituation“.

Ein wachsender Teil des Ausbaus findet zudem auf bestehenden Standorten statt. 135 der im ersten Halbjahr in Betrieb genommenen Anlagen mit zusammen 770 MW entstanden im Rahmen von Repowering. Das entspricht knapp einem Drittel des Bruttozubaus und einem Anstieg gegenüber dem Vorjahr um 4 Prozentpunkte. Dabei ist zu beachten, dass 18 Prozent der installierten Leistung bereits länger als 20 Jahre am Netz ist. Zusammen mit der Leistung, die in den Jahren 2000 bis 2005 errichtet wurde und auch heute noch einspeist, beläuft sich die seit Jahresbeginn 2026 ausgeförderte Windenergieleistung auf 12.200 MW, rechnen die Autoren der Fachagentur vor.

Trotz des zunehmenden Wettbewerbs, der überzeichneten Ausschreibungen und guter Perspektiven für Repowering bleiben die politischen Zielvorgaben ambitioniert. Der seit Inkrafttreten des EEG 2023 geltende Ausbaupfad sieht für Windenergie an Land 115.000 MW installierte Leistung im Jahr 2030 vor. Im laufenden Jahr müssen 84.000 MW erreicht werden; für 2028 sind 99.000 MW gefordert. Auch die anstehende EEG-Novelle scheint daran nichts zu ändern.

Das bedeutet, dass zu den bis Juni 2026 installierten und angeschlossenen knapp 70.000 MW im laufenden Jahr noch 14.000 MW hinzukommen müssten. Die Autoren des Statusberichts werden an dieser Stelle deutlich: „Diese Zielmarke ist bei Weitem nicht erreichbar.“ Für das Gesamtjahr halten sie bei gleichbleibender Umsetzungsgeschwindigkeit einen Bruttozubau bis zu 8.000 MW für möglich, bezeichnen diese Prognose aber als „äußerst ambitioniert“.

Zur Zielvorgabe für 2030 fehlen aktuell gut 45.000 MW. In den verbleibenden viereinhalb Jahren muss also ein jährlicher Nettozubau von rund 10.000 MW stattfinden. Ein solches Tempo konnte bisher nicht erreicht werden. Die große Zahl an Genehmigungen zeigt allerdings, dass der Rückstand nicht mehr primär auf fehlende Projekte zurückzuführen ist. Vielmehr wird die Realisierung zum Engpass.
 
Netzanschlüsse und Logistik als Hemmnis
 
Der Bundesverband Windenergie (BWE) und VDMA Power Systems nennen vor allem Netzanschlüsse und Transportbedingungen als Hemmnisse. Sie verweisen darauf, dass Umsetzung und Inbetriebnahme beschleunigt werden müssten. Der Maschinenbau sieht nach eigener Darstellung genügend Produktionskapazitäten, warnt jedoch vor politischen Regelungen, die Investitionen und neue Bestellungen wieder abbremsen könnten. Die Debatte verschiebt sich damit von der Genehmigungsbeschleunigung hin zu einer Umsetzungskette aus Fertigung, Schwertransport, Bau, Netzanschluss und Inbetriebnahme.

In diese Phase fällt nun die nächste EEG-Reform. Das Bundeskabinett hat am 29. Juli die EEG-Novelle 2027 und das Netzanschlusspaket beschlossen. Die Bundesregierung hält am 80-Prozent-Ziel für erneuerbare Energien im Jahr 2030 und an den Ausbaupfaden fest und will zusätzlich 12.000 MW Windenergie an Land ausschreiben. Gleichzeitig soll der Ausbau stärker nach Netzsituation und Systemkosten gesteuert werden. Neue Anlagen sollen schrittweise vollständig in die Direktvermarktung wechseln. Für neue Förderzusagen sollen zweiseitige Differenzverträge eingeführt werden.

Besonders umstritten ist die räumliche Netzsteuerung. In Regionen, in denen das Netz zusätzliche Wind- oder Solarerzeugung absehbar nicht aufnehmen kann, sollen Entschädigungen für Abregelungen bei neuen Projekten teilweise entfallen. Das finanzielle Risiko soll auf höchstens 20 Prozent des Jahresstromertrags begrenzt werden, in Windvorranggebieten auf 18 Prozent.

Gleichzeitig will die Bundesregierung Netzanschlüsse stärker nach typischen Einspeiseprofilen statt nach seltenen Leistungsspitzen dimensionieren, Anschlussverfahren beschleunigen und Netzbetreibern eine Priorisierung von Anschlussbegehren ermöglichen.

Die Bundesregierung will damit vermeiden, dass neue Erzeugungskapazitäten dort entstehen, wo die Netze bereits überlastet sind. Die Windbranche sieht darin dagegen ein neues Investitionsrisiko. Der BWE warnt, kapazitätslimitierte Netzgebiete, Einschränkungen bei der Wirkleistungseinspeisung und Änderungen am Referenzertragsmodell könnten den Ausbau gerade in einer Phase bremsen, in der erstmals genügend genehmigte Projekte vorhanden sind.

BWE und VDMA begrüßen zwar die Ausschreibung von zusätzlichen 12.000 MW, verlangen aber, dass sie nicht durch einen Redispatch-Vorbehalt oder ein ungeeignetes Referenzertragsmodell, das als Grundlage für eine spätere EEG-Förderung dient, entwertet werde.

Die Debatte bezieht sich auf einen grundsätzlichen Richtungswechsel. Die Bundesregierung will nicht mehr nur möglichst viel erneuerbare Leistung möglichst schnell ins System bringen, sondern stärker beeinflussen, wo und unter welchen Netzbedingungen neue Anlagen entstehen. Für Projektentwickler bedeutet das zusätzliche Standort- und Erlösrisiken. Für Netzbetreiber eröffnet es die Möglichkeit, knappe Kapazitäten gezielter zu vergeben. Ob daraus tatsächlich niedrigere Systemkosten entstehen, ohne den Zubau zu bremsen, wird eine zentrale Frage des parlamentarischen Verfahrens. (fw)
 
Halbjährlich genehmigte Onshore-Leistung in Deutschland
Quelle: Fachagentur Wind und Solar
 

Industrielle Energieversorgung

Dass die Windenergie inzwischen auch Teil industrieller Beschaffungsstrategien ist, zeigen Projekte außerhalb des klassischen Versorgergeschäfts. Continental kündigte im Juli an, bei seinem Reifenwerk im nordhessischen Korbach den ersten eigenen Windpark des Konzerns zu bauen.
Bernhard Trilken, Leiter Produktion und Logistik des Reifenbereichs von Continental, sieht ihn als Wettbewerbsvorteil. „Mit eigenen Windrädern in der Nähe des Werks gewinnen wir Planungssicherheit bei den Energiekosten und machen uns unabhängiger von schwankenden Energiemärkten − entscheidende Faktoren für eine wettbewerbsfähige Reifenproduktion in Deutschland.“ Der Schritt passe zur globalen Strategie von Continental, die unternehmenseigene Stromerzeugung mit erneuerbaren Energien weiter auszubauen.
Nach Angaben des Unternehmens sollen drei Windenergieanlagen mit insgesamt 20 MW gemeinsam mit den bereits vorhandenen Photovoltaikanlagen künftig rund zwei Drittel des Strombedarfs am Standort decken. Zum Einsatz kommen Nordex-Windräder mit einer Nabenhöhe von 179 Metern und einem Rotordurchmesser von 175 Metern. Noch 2026 soll der Bau beginnen. Die erwartete jährliche Stromerzeugung beziffert Continental auf rund 55 Millionen kWh.
Ein weiteres Beispiel: die DHL Group. Sie hat mit Statkraft einen zehnjährigen Stromabnahmevertrag über jährlich rund 35.000 MWh aus dem 2025 in Betrieb genommenen Windpark Sollwitt-Pobüll in Schleswig-Holstein geschlossen. Das entspricht nach Unternehmensangaben rund 8 Prozent ihres aktuellen Strombedarfs in Deutschland.
Eine aktuelle Marktanalyse der Deutschen Energie-Agentur (Dena) zeigt, dass Power Purchase Agreements (PPA) für Windenergie an Land in Deutschland 2025 zwar nur ein begrenztes Volumen erreichten, aber vor allem für Bestandsparks wichtig sind. So entfielen 170 MW auf langfristige Verträge für neue Projekte und 580 MW auf kurzfristige PPA. Letztere werden insbesondere für ausgeförderte Anlagen oder beim zeitweisen Ausstieg aus der EEG-Förderung genutzt. Für 2026 erwartet die Dena auch eine Belebung bei Neuanlagen, weil stark überzeichnete EEG-Ausschreibungen Projekte ohne Zuschlag in Richtung PPA-Vermarktung drängen könnten. (fw)
 

 

Donnerstag, 10.09.2026, 08:45 Uhr
Fritz Wilhelm
Energie & Management > Aus Der Aktuellen Ausgabe - Vom Genehmigungsstau zum Realisierungsdruck
Quelle: E&M
Aus Der Aktuellen Ausgabe
Vom Genehmigungsstau zum Realisierungsdruck
Die Genehmigungen für Onshore-Windprojekte haben einen neuen Höchststand erreicht. Die anstehenden Gesetzesnovellen sollen die Umsetzung beschleunigen.
Bei der Windenergie an Land hat sich die Lage innerhalb weniger Jahre grundlegend verändert. Lange galten fehlende Genehmigungen als zentraler Engpass. Im ersten Halbjahr 2026 zeichnet sich ein anderes Bild: 1.419 Anlagen mit zusammen 9.150 MW wurden neu genehmigt − so viele wie noch nie in einem ersten Halbjahr.

Gleichzeitig gingen 423 neue Anlagen mit 2.363 MW in Betrieb. Nach Stilllegungen von 307 Anlagen mit 436 MW blieb ein Nettozubau von 1.927 MW. Ende Juni waren 29.248 Anlagen mit 69.952 MW am Netz. Dies geht aus dem aktuellen Bericht der Fachagentur Wind und Solar zum Status des Windenergieausbaus an Land hervor.
Die Zahlen markieren nicht nur einen Aufschwung, sondern auch eine Verschiebung des Problems. Mitte 2026 waren rund 48.100 MW genehmigte Leistung noch nicht in Betrieb. Davon verfügten 28.700 MW über einen gültigen Ausschreibungszuschlag; rund 19.000 MW warteten noch auf einen Zuschlag. Nun stellt sich die Frage, wie schnell aus Genehmigungen tatsächlich Anlagen und Netzanschlüsse werden, denn die politischen Vorgaben sind ambitioniert.
 
Gute Perspektive für Repowering
 
Dass die Nachfrage nach Zuschlägen vorhanden ist, zeigen die Ausschreibungen. Die Bundesnetzagentur vergab im ersten Halbjahr 5.940 MW. Die Februar-Runde war laut der Fachagentur Wind und Solar 2,3-fach, die Mai-Runde 2,6-fach überzeichnet. Bemerkenswert ist, dass mit dem mengengewichteten Zuschlagswert von 5,06 Cent/kWh in der Mai-Auktion in den letzten acht Ausschreibungsrunden ein Rückgang um mehr als 2 Cent/kWh zu verzeichnen ist. Die Autoren des Halbjahresberichts schreiben vor diesem Hintergrund von einer „deutlichen Wettbewerbssituation“.

Ein wachsender Teil des Ausbaus findet zudem auf bestehenden Standorten statt. 135 der im ersten Halbjahr in Betrieb genommenen Anlagen mit zusammen 770 MW entstanden im Rahmen von Repowering. Das entspricht knapp einem Drittel des Bruttozubaus und einem Anstieg gegenüber dem Vorjahr um 4 Prozentpunkte. Dabei ist zu beachten, dass 18 Prozent der installierten Leistung bereits länger als 20 Jahre am Netz ist. Zusammen mit der Leistung, die in den Jahren 2000 bis 2005 errichtet wurde und auch heute noch einspeist, beläuft sich die seit Jahresbeginn 2026 ausgeförderte Windenergieleistung auf 12.200 MW, rechnen die Autoren der Fachagentur vor.

Trotz des zunehmenden Wettbewerbs, der überzeichneten Ausschreibungen und guter Perspektiven für Repowering bleiben die politischen Zielvorgaben ambitioniert. Der seit Inkrafttreten des EEG 2023 geltende Ausbaupfad sieht für Windenergie an Land 115.000 MW installierte Leistung im Jahr 2030 vor. Im laufenden Jahr müssen 84.000 MW erreicht werden; für 2028 sind 99.000 MW gefordert. Auch die anstehende EEG-Novelle scheint daran nichts zu ändern.

Das bedeutet, dass zu den bis Juni 2026 installierten und angeschlossenen knapp 70.000 MW im laufenden Jahr noch 14.000 MW hinzukommen müssten. Die Autoren des Statusberichts werden an dieser Stelle deutlich: „Diese Zielmarke ist bei Weitem nicht erreichbar.“ Für das Gesamtjahr halten sie bei gleichbleibender Umsetzungsgeschwindigkeit einen Bruttozubau bis zu 8.000 MW für möglich, bezeichnen diese Prognose aber als „äußerst ambitioniert“.

Zur Zielvorgabe für 2030 fehlen aktuell gut 45.000 MW. In den verbleibenden viereinhalb Jahren muss also ein jährlicher Nettozubau von rund 10.000 MW stattfinden. Ein solches Tempo konnte bisher nicht erreicht werden. Die große Zahl an Genehmigungen zeigt allerdings, dass der Rückstand nicht mehr primär auf fehlende Projekte zurückzuführen ist. Vielmehr wird die Realisierung zum Engpass.
 
Netzanschlüsse und Logistik als Hemmnis
 
Der Bundesverband Windenergie (BWE) und VDMA Power Systems nennen vor allem Netzanschlüsse und Transportbedingungen als Hemmnisse. Sie verweisen darauf, dass Umsetzung und Inbetriebnahme beschleunigt werden müssten. Der Maschinenbau sieht nach eigener Darstellung genügend Produktionskapazitäten, warnt jedoch vor politischen Regelungen, die Investitionen und neue Bestellungen wieder abbremsen könnten. Die Debatte verschiebt sich damit von der Genehmigungsbeschleunigung hin zu einer Umsetzungskette aus Fertigung, Schwertransport, Bau, Netzanschluss und Inbetriebnahme.

In diese Phase fällt nun die nächste EEG-Reform. Das Bundeskabinett hat am 29. Juli die EEG-Novelle 2027 und das Netzanschlusspaket beschlossen. Die Bundesregierung hält am 80-Prozent-Ziel für erneuerbare Energien im Jahr 2030 und an den Ausbaupfaden fest und will zusätzlich 12.000 MW Windenergie an Land ausschreiben. Gleichzeitig soll der Ausbau stärker nach Netzsituation und Systemkosten gesteuert werden. Neue Anlagen sollen schrittweise vollständig in die Direktvermarktung wechseln. Für neue Förderzusagen sollen zweiseitige Differenzverträge eingeführt werden.

Besonders umstritten ist die räumliche Netzsteuerung. In Regionen, in denen das Netz zusätzliche Wind- oder Solarerzeugung absehbar nicht aufnehmen kann, sollen Entschädigungen für Abregelungen bei neuen Projekten teilweise entfallen. Das finanzielle Risiko soll auf höchstens 20 Prozent des Jahresstromertrags begrenzt werden, in Windvorranggebieten auf 18 Prozent.

Gleichzeitig will die Bundesregierung Netzanschlüsse stärker nach typischen Einspeiseprofilen statt nach seltenen Leistungsspitzen dimensionieren, Anschlussverfahren beschleunigen und Netzbetreibern eine Priorisierung von Anschlussbegehren ermöglichen.

Die Bundesregierung will damit vermeiden, dass neue Erzeugungskapazitäten dort entstehen, wo die Netze bereits überlastet sind. Die Windbranche sieht darin dagegen ein neues Investitionsrisiko. Der BWE warnt, kapazitätslimitierte Netzgebiete, Einschränkungen bei der Wirkleistungseinspeisung und Änderungen am Referenzertragsmodell könnten den Ausbau gerade in einer Phase bremsen, in der erstmals genügend genehmigte Projekte vorhanden sind.

BWE und VDMA begrüßen zwar die Ausschreibung von zusätzlichen 12.000 MW, verlangen aber, dass sie nicht durch einen Redispatch-Vorbehalt oder ein ungeeignetes Referenzertragsmodell, das als Grundlage für eine spätere EEG-Förderung dient, entwertet werde.

Die Debatte bezieht sich auf einen grundsätzlichen Richtungswechsel. Die Bundesregierung will nicht mehr nur möglichst viel erneuerbare Leistung möglichst schnell ins System bringen, sondern stärker beeinflussen, wo und unter welchen Netzbedingungen neue Anlagen entstehen. Für Projektentwickler bedeutet das zusätzliche Standort- und Erlösrisiken. Für Netzbetreiber eröffnet es die Möglichkeit, knappe Kapazitäten gezielter zu vergeben. Ob daraus tatsächlich niedrigere Systemkosten entstehen, ohne den Zubau zu bremsen, wird eine zentrale Frage des parlamentarischen Verfahrens. (fw)
 
Halbjährlich genehmigte Onshore-Leistung in Deutschland
Quelle: Fachagentur Wind und Solar
 

Industrielle Energieversorgung

Dass die Windenergie inzwischen auch Teil industrieller Beschaffungsstrategien ist, zeigen Projekte außerhalb des klassischen Versorgergeschäfts. Continental kündigte im Juli an, bei seinem Reifenwerk im nordhessischen Korbach den ersten eigenen Windpark des Konzerns zu bauen.
Bernhard Trilken, Leiter Produktion und Logistik des Reifenbereichs von Continental, sieht ihn als Wettbewerbsvorteil. „Mit eigenen Windrädern in der Nähe des Werks gewinnen wir Planungssicherheit bei den Energiekosten und machen uns unabhängiger von schwankenden Energiemärkten − entscheidende Faktoren für eine wettbewerbsfähige Reifenproduktion in Deutschland.“ Der Schritt passe zur globalen Strategie von Continental, die unternehmenseigene Stromerzeugung mit erneuerbaren Energien weiter auszubauen.
Nach Angaben des Unternehmens sollen drei Windenergieanlagen mit insgesamt 20 MW gemeinsam mit den bereits vorhandenen Photovoltaikanlagen künftig rund zwei Drittel des Strombedarfs am Standort decken. Zum Einsatz kommen Nordex-Windräder mit einer Nabenhöhe von 179 Metern und einem Rotordurchmesser von 175 Metern. Noch 2026 soll der Bau beginnen. Die erwartete jährliche Stromerzeugung beziffert Continental auf rund 55 Millionen kWh.
Ein weiteres Beispiel: die DHL Group. Sie hat mit Statkraft einen zehnjährigen Stromabnahmevertrag über jährlich rund 35.000 MWh aus dem 2025 in Betrieb genommenen Windpark Sollwitt-Pobüll in Schleswig-Holstein geschlossen. Das entspricht nach Unternehmensangaben rund 8 Prozent ihres aktuellen Strombedarfs in Deutschland.
Eine aktuelle Marktanalyse der Deutschen Energie-Agentur (Dena) zeigt, dass Power Purchase Agreements (PPA) für Windenergie an Land in Deutschland 2025 zwar nur ein begrenztes Volumen erreichten, aber vor allem für Bestandsparks wichtig sind. So entfielen 170 MW auf langfristige Verträge für neue Projekte und 580 MW auf kurzfristige PPA. Letztere werden insbesondere für ausgeförderte Anlagen oder beim zeitweisen Ausstieg aus der EEG-Förderung genutzt. Für 2026 erwartet die Dena auch eine Belebung bei Neuanlagen, weil stark überzeichnete EEG-Ausschreibungen Projekte ohne Zuschlag in Richtung PPA-Vermarktung drängen könnten. (fw)
 

 

Donnerstag, 10.09.2026, 08:45 Uhr
Fritz Wilhelm

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