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Energie & Management > Wirtschaft - Konjunkturflaute hält wegen Energiekosten an
Quelle: Shutterstock / katjen
Wirtschaft

Konjunkturflaute hält wegen Energiekosten an

Der Sachverständigenrat erwartet für Deutschland 2026 nur ein BIP-Wachstum von 0,5 Prozent. Hohe Energiepreise und steigende Sozialabgaben belasten Wirtschaft und Konsum.
Die deutsche Wirtschaft bleibt nach Einschätzung des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung unter Druck. In seinem Frühjahrsgutachten 2026 prognostiziert das Gremium für das laufende Jahr ein preisbereinigtes Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von lediglich 0,5 Prozent. Für 2027 rechnen die Wirtschaftsweisen mit einem Wachstum von 0,8 Prozent.

Als zentrale Belastungsfaktoren nennt der Sachverständigenrat den Iran-Krieg, die dadurch gestiegenen Öl- und Gaspreise sowie die protektionistische Handelspolitik der USA. Besonders die höheren Energiepreise verschlechterten die sogenannten Terms of Trade Deutschlands und reduzierten damit die Kaufkraft privater Haushalte. Gleichzeitig erhöhten sich die Produktionskosten der Unternehmen.

Nach Angaben des Gremiums leidet die deutsche Wirtschaft nicht nur unter konjunkturellen Problemen. Auch strukturelle Faktoren schwächten die Wettbewerbsfähigkeit. Dazu zählen laut Gutachten die demografische Entwicklung, steigende Arbeitskosten und ein wachsender Wettbewerbsdruck, insbesondere durch chinesische Industrieunternehmen.

Deutschlandfonds könnte helfen

Der Sachverständigenrat verweist darauf, dass die Warenexporte 2025 bereits das dritte Jahr in Folge zurückgegangen seien. Zudem seien die privaten Investitionen gesunken, während die Produktion im verarbeitenden Gewerbe stagniert habe. Positive Impulse erwartet das Gremium dagegen von öffentlichen Investitionen, die über das im März 2025 beschlossene Finanzpaket finanziert werden. Auch im Wohnungsbau gebe es erste Anzeichen einer Belebung.

Die Inflationsrate dürfte nach Einschätzung der Wirtschaftsweisen 2026 bei durchschnittlich 3,0 Prozent liegen und 2027 auf 2,8 Prozent sinken. Die Kerninflation ohne Energie- und Lebensmittelpreise veranschlagt das Gremium für 2026 auf 2,4 Prozent und für 2027 auf 2,9 Prozent.
 
Prognose des Bruttoinladsproduktes Deutschland und Europa 
(zur Vollansicht bitte auf die Grafik klicken)
Quelle: Sachverständigenrat

Soziale Sicherungssysteme dringend reformieren

Einen Schwerpunkt des Gutachtens bilden die sozialen Sicherungssysteme. Laut Sachverständigenrat könnte der Gesamtsozialversicherungsbeitragssatz bis 2040 auf fast 50 Prozent steigen, wenn die aktuelle Gesetzeslage fortbesteht. Besonders kritisch sehen die Ökonomen die Entwicklung in der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung.

Steigende Sozialabgaben hätten erhebliche Folgen für die Gesamtwirtschaft, heißt es im Gutachten. Höhere Beitragssätze verringerten die Nettoeinkommen privater Haushalte und belasteten damit den Konsum. Gleichzeitig erhöhten sie die Arbeitskosten der Unternehmen und schwächten Investitionen sowie Beschäftigung.
Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK), die Interessenvertretung der deutschen Wirtschaft mit Sitz in Berlin, fordert deshalb schnelle Reformen.

Industrie fordert Reformpaket

DIHK-Hauptgeschäftsführerin Helena Melnikov erklärte, hohe Arbeits- und Energiekosten sowie Bürokratie belasteten viele Unternehmen bereits seit Jahren. Zusätzliche Unsicherheit entstehe durch geopolitische Krisen und Störungen der Lieferketten. Die Bundesregierung müsse deshalb noch vor der Sommerpause ein angekündigtes Reformpaket vorlegen.

Die DIHK spricht sich unter anderem für niedrigere Energiekosten, steuerliche Entlastungen und weniger Bürokratie aus. Zudem fordert sie flexiblere Arbeitszeiten und eine Begrenzung der Sozialabgaben. Kritik übte Melnikov an den Plänen der Bundesregierung, die Beitragsbemessungsgrenze in der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung anzuheben. Dies erhöhe die Lohnzusatzkosten zusätzlich und verschiebe die Finanzierungsprobleme lediglich innerhalb des Systems.

Auch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), bewertet die Lage zurückhaltend. Das Konjunkturbarometer des Instituts fiel im Mai auf 94,8 Punkte und liegt damit erneut deutlich unter der Marke von 100 Punkten, die ein durchschnittliches Wirtschaftswachstum signalisiert. 

DIW-Konjunkturexperte Guido Baldi betonte, Deutschland müsse seine strukturellen Wachstumskräfte stärken. Dafür seien mehr Investitionen und Innovationen notwendig, um wirtschaftliche Belastungen durch geopolitische Krisen künftig besser abfedern zu können.

Das Frühjahrsgutachten 2026 steht auf der Internetseite des Sachverständigenrates als PDF zum Download bereit.

Mittwoch, 27.05.2026, 12:30 Uhr
Susanne Harmsen
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Wirtschaft
Konjunkturflaute hält wegen Energiekosten an
Der Sachverständigenrat erwartet für Deutschland 2026 nur ein BIP-Wachstum von 0,5 Prozent. Hohe Energiepreise und steigende Sozialabgaben belasten Wirtschaft und Konsum.
Die deutsche Wirtschaft bleibt nach Einschätzung des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung unter Druck. In seinem Frühjahrsgutachten 2026 prognostiziert das Gremium für das laufende Jahr ein preisbereinigtes Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von lediglich 0,5 Prozent. Für 2027 rechnen die Wirtschaftsweisen mit einem Wachstum von 0,8 Prozent.

Als zentrale Belastungsfaktoren nennt der Sachverständigenrat den Iran-Krieg, die dadurch gestiegenen Öl- und Gaspreise sowie die protektionistische Handelspolitik der USA. Besonders die höheren Energiepreise verschlechterten die sogenannten Terms of Trade Deutschlands und reduzierten damit die Kaufkraft privater Haushalte. Gleichzeitig erhöhten sich die Produktionskosten der Unternehmen.

Nach Angaben des Gremiums leidet die deutsche Wirtschaft nicht nur unter konjunkturellen Problemen. Auch strukturelle Faktoren schwächten die Wettbewerbsfähigkeit. Dazu zählen laut Gutachten die demografische Entwicklung, steigende Arbeitskosten und ein wachsender Wettbewerbsdruck, insbesondere durch chinesische Industrieunternehmen.

Deutschlandfonds könnte helfen

Der Sachverständigenrat verweist darauf, dass die Warenexporte 2025 bereits das dritte Jahr in Folge zurückgegangen seien. Zudem seien die privaten Investitionen gesunken, während die Produktion im verarbeitenden Gewerbe stagniert habe. Positive Impulse erwartet das Gremium dagegen von öffentlichen Investitionen, die über das im März 2025 beschlossene Finanzpaket finanziert werden. Auch im Wohnungsbau gebe es erste Anzeichen einer Belebung.

Die Inflationsrate dürfte nach Einschätzung der Wirtschaftsweisen 2026 bei durchschnittlich 3,0 Prozent liegen und 2027 auf 2,8 Prozent sinken. Die Kerninflation ohne Energie- und Lebensmittelpreise veranschlagt das Gremium für 2026 auf 2,4 Prozent und für 2027 auf 2,9 Prozent.
 
Prognose des Bruttoinladsproduktes Deutschland und Europa 
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Quelle: Sachverständigenrat

Soziale Sicherungssysteme dringend reformieren

Einen Schwerpunkt des Gutachtens bilden die sozialen Sicherungssysteme. Laut Sachverständigenrat könnte der Gesamtsozialversicherungsbeitragssatz bis 2040 auf fast 50 Prozent steigen, wenn die aktuelle Gesetzeslage fortbesteht. Besonders kritisch sehen die Ökonomen die Entwicklung in der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung.

Steigende Sozialabgaben hätten erhebliche Folgen für die Gesamtwirtschaft, heißt es im Gutachten. Höhere Beitragssätze verringerten die Nettoeinkommen privater Haushalte und belasteten damit den Konsum. Gleichzeitig erhöhten sie die Arbeitskosten der Unternehmen und schwächten Investitionen sowie Beschäftigung.
Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK), die Interessenvertretung der deutschen Wirtschaft mit Sitz in Berlin, fordert deshalb schnelle Reformen.

Industrie fordert Reformpaket

DIHK-Hauptgeschäftsführerin Helena Melnikov erklärte, hohe Arbeits- und Energiekosten sowie Bürokratie belasteten viele Unternehmen bereits seit Jahren. Zusätzliche Unsicherheit entstehe durch geopolitische Krisen und Störungen der Lieferketten. Die Bundesregierung müsse deshalb noch vor der Sommerpause ein angekündigtes Reformpaket vorlegen.

Die DIHK spricht sich unter anderem für niedrigere Energiekosten, steuerliche Entlastungen und weniger Bürokratie aus. Zudem fordert sie flexiblere Arbeitszeiten und eine Begrenzung der Sozialabgaben. Kritik übte Melnikov an den Plänen der Bundesregierung, die Beitragsbemessungsgrenze in der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung anzuheben. Dies erhöhe die Lohnzusatzkosten zusätzlich und verschiebe die Finanzierungsprobleme lediglich innerhalb des Systems.

Auch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), bewertet die Lage zurückhaltend. Das Konjunkturbarometer des Instituts fiel im Mai auf 94,8 Punkte und liegt damit erneut deutlich unter der Marke von 100 Punkten, die ein durchschnittliches Wirtschaftswachstum signalisiert. 

DIW-Konjunkturexperte Guido Baldi betonte, Deutschland müsse seine strukturellen Wachstumskräfte stärken. Dafür seien mehr Investitionen und Innovationen notwendig, um wirtschaftliche Belastungen durch geopolitische Krisen künftig besser abfedern zu können.

Das Frühjahrsgutachten 2026 steht auf der Internetseite des Sachverständigenrates als PDF zum Download bereit.

Mittwoch, 27.05.2026, 12:30 Uhr
Susanne Harmsen

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