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Energie & Management > Gas - Fernleitungsnetzbetreiber beleuchten Versorgungssicherheit
Quelle: Shutterstock
Gas

Fernleitungsnetzbetreiber beleuchten Versorgungssicherheit

Speicherreserve plus Lieferantenverpflichtung: Die Fernleitungsnetzbetreiber plädieren für eine neue Strategie zur Absicherung der Gasversorgung gegen geopolitische „Schocks“.
Nach dem Winter ist vor dem Winter. Die Gaswirtschaft folgt im übertragenen Sinn der Mahnung von Sepp Herberger. Nach den Worten des legendären Fußballnationaltrainers beginnt nach dem Abpfiff eines Spiels die Vorbereitung auf das nächste. Die deutschen Fernleitungsnetzbetreiber (FNB Gas) blicken jetzt erstmalig in einem Bericht auf die Versorgungssicherheit im Winter zurück und schlagen eine Strategie vor, mit der es künftig runder laufen soll.

„Auch bei wachsenden LNG-Kapazitäten bleiben Erdgasspeicher das entscheidende Instrument zur Absicherung der Versorgungssicherheit gegen exogene Schocks“, heißt es in einer Mitteilung der Vereinigung der FNB. Die Organisation verweist auf Gasflüsse während der Kältewelle im Januar. Der Export in die Schweiz und nach Österreich habe an einzelnen Tagen die maximale Ausspeisekapazität erreicht. Speicher hätten die Lücke schließen müssen. Die Ausspeicherungen hätten zwischenzeitlich mit mehr als 3 Milliarden kWh pro Tag zur Versorgung beigetragen. Das entspricht nach Angaben der FNB Gas mehr als 50 Prozent der eingespeisten Menge in den „nachfrageintensivsten Phasen“. Deutsche LNG-Terminals könnten an solchen Tagen maximal 8,5 Prozent der Einspeisemenge liefern.

„Wer auch in Zukunft Versorgungssicherheit will, kommt an einer neuen Speicherordnung nicht vorbei“, kommentiert Matthias Jenn, Vorstandsvorsitzender FNB Gas, die Zahlen. Die Winterbedarfsspitze lag nach Analyse der Fernleitungsnetzbetreiber bei rund 6 Milliarden kWh pro Tag. Importe nach Deutschland konnten „unter realistischen netztechnischen Bedingungen“ maximal rund 3 Milliarden kWh pro Tag beitragen. In Spitzenzeiten hätten mehr als 50 Prozent der Versorgung aus den Gasspeichern gedeckt werden müssen.

Wackelpunkt Sommer-Winter-Spread

Der deutsche Erdgasmarkt hat sich nach den Worten der Vereinigung seit der Energiekrise 2022 von einem Pipelinemarkt in einen LNG-basierten Markt verwandelt. Vor dem Hintergrund der aktuellen internationalen politischen Spannung weisen die Fernleitungsnetzbetreiber auf Risiken wie die Blockaden von Lieferrouten oder den Ausfall von Lieferländern hin. „Exogene Schocks erfordern eine strategische Reserve, die vom Markt nicht antizipiert werden kann“, schreibt die Organisation.

Die niedrigen Speicherfüllstände führten laut FNB Gas zu erheblichen Belastungen des Gastransportsystems. Transporte in West-Ost- und Nord-Süd-Richtung hätten über Wochen an der Belastungsgrenze gelegen. Zur Stabilisierung des Netzbetriebs seien Reserve-Verdichter eingesetzt und zusätzliche Regelenergie ausgeschrieben worden, heißt es weiter.

Eingriffstiefe auf das notwendige Maß beschränken

Als Wackelpunkt bei der Gasbeschaffung sehen die Unternehmen den sogenannten Sommer-Winter-Spread. Das Modell, Erdgas im Sommer bei niedrigeren Preisen einzuspeichern und im Winter bei höheren Preisen auszuspeichern, stand in den vergangenen Monaten zeitweise Kopf. Die FNB Gas sind der Auffassung, dass es als Anreiz zur Speicherbefüllung künftig nicht mehr zuverlässig funktionieren wird. Eine Neubewertung des Befüllungsprozesses und entsprechend Vorkehrungen seien daher „zwingend erforderlich“.

Um künftig auf der sicheren Seite zu sein, benötigt Deutschland nach Einschätzung der FNB Gas ein „zweiteiliges Kombinationsmodell“. Zum einen schwebt den Unternehmen ganzjährige speicherbasierte Sicherheitsreserve von 24 Milliarden kWh vor. Zum anderen plädieren sie für eine Lieferantenverpflichtung im Umfang von 63 Milliarden kWh zum 1. Februar eines jeden Jahres. „Mit unserem Modell schärfen wir die Verantwortlichkeiten aller Marktbeteiligten für die Versorgungssicherheit. Die Eingriffstiefe wird auf das notwendige Maß beschränkt“, sagt Matthias Jenn. Egal, was die Zukunft bringt und wie gut die Vorbereitung, für Sepp Herberger stand fest: „Das nächste Spiel ist immer das schwerste.“

Mittwoch, 27.05.2026, 16:01 Uhr
Manfred Fischer
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Fernleitungsnetzbetreiber beleuchten Versorgungssicherheit
Speicherreserve plus Lieferantenverpflichtung: Die Fernleitungsnetzbetreiber plädieren für eine neue Strategie zur Absicherung der Gasversorgung gegen geopolitische „Schocks“.
Nach dem Winter ist vor dem Winter. Die Gaswirtschaft folgt im übertragenen Sinn der Mahnung von Sepp Herberger. Nach den Worten des legendären Fußballnationaltrainers beginnt nach dem Abpfiff eines Spiels die Vorbereitung auf das nächste. Die deutschen Fernleitungsnetzbetreiber (FNB Gas) blicken jetzt erstmalig in einem Bericht auf die Versorgungssicherheit im Winter zurück und schlagen eine Strategie vor, mit der es künftig runder laufen soll.

„Auch bei wachsenden LNG-Kapazitäten bleiben Erdgasspeicher das entscheidende Instrument zur Absicherung der Versorgungssicherheit gegen exogene Schocks“, heißt es in einer Mitteilung der Vereinigung der FNB. Die Organisation verweist auf Gasflüsse während der Kältewelle im Januar. Der Export in die Schweiz und nach Österreich habe an einzelnen Tagen die maximale Ausspeisekapazität erreicht. Speicher hätten die Lücke schließen müssen. Die Ausspeicherungen hätten zwischenzeitlich mit mehr als 3 Milliarden kWh pro Tag zur Versorgung beigetragen. Das entspricht nach Angaben der FNB Gas mehr als 50 Prozent der eingespeisten Menge in den „nachfrageintensivsten Phasen“. Deutsche LNG-Terminals könnten an solchen Tagen maximal 8,5 Prozent der Einspeisemenge liefern.

„Wer auch in Zukunft Versorgungssicherheit will, kommt an einer neuen Speicherordnung nicht vorbei“, kommentiert Matthias Jenn, Vorstandsvorsitzender FNB Gas, die Zahlen. Die Winterbedarfsspitze lag nach Analyse der Fernleitungsnetzbetreiber bei rund 6 Milliarden kWh pro Tag. Importe nach Deutschland konnten „unter realistischen netztechnischen Bedingungen“ maximal rund 3 Milliarden kWh pro Tag beitragen. In Spitzenzeiten hätten mehr als 50 Prozent der Versorgung aus den Gasspeichern gedeckt werden müssen.

Wackelpunkt Sommer-Winter-Spread

Der deutsche Erdgasmarkt hat sich nach den Worten der Vereinigung seit der Energiekrise 2022 von einem Pipelinemarkt in einen LNG-basierten Markt verwandelt. Vor dem Hintergrund der aktuellen internationalen politischen Spannung weisen die Fernleitungsnetzbetreiber auf Risiken wie die Blockaden von Lieferrouten oder den Ausfall von Lieferländern hin. „Exogene Schocks erfordern eine strategische Reserve, die vom Markt nicht antizipiert werden kann“, schreibt die Organisation.

Die niedrigen Speicherfüllstände führten laut FNB Gas zu erheblichen Belastungen des Gastransportsystems. Transporte in West-Ost- und Nord-Süd-Richtung hätten über Wochen an der Belastungsgrenze gelegen. Zur Stabilisierung des Netzbetriebs seien Reserve-Verdichter eingesetzt und zusätzliche Regelenergie ausgeschrieben worden, heißt es weiter.

Eingriffstiefe auf das notwendige Maß beschränken

Als Wackelpunkt bei der Gasbeschaffung sehen die Unternehmen den sogenannten Sommer-Winter-Spread. Das Modell, Erdgas im Sommer bei niedrigeren Preisen einzuspeichern und im Winter bei höheren Preisen auszuspeichern, stand in den vergangenen Monaten zeitweise Kopf. Die FNB Gas sind der Auffassung, dass es als Anreiz zur Speicherbefüllung künftig nicht mehr zuverlässig funktionieren wird. Eine Neubewertung des Befüllungsprozesses und entsprechend Vorkehrungen seien daher „zwingend erforderlich“.

Um künftig auf der sicheren Seite zu sein, benötigt Deutschland nach Einschätzung der FNB Gas ein „zweiteiliges Kombinationsmodell“. Zum einen schwebt den Unternehmen ganzjährige speicherbasierte Sicherheitsreserve von 24 Milliarden kWh vor. Zum anderen plädieren sie für eine Lieferantenverpflichtung im Umfang von 63 Milliarden kWh zum 1. Februar eines jeden Jahres. „Mit unserem Modell schärfen wir die Verantwortlichkeiten aller Marktbeteiligten für die Versorgungssicherheit. Die Eingriffstiefe wird auf das notwendige Maß beschränkt“, sagt Matthias Jenn. Egal, was die Zukunft bringt und wie gut die Vorbereitung, für Sepp Herberger stand fest: „Das nächste Spiel ist immer das schwerste.“

Mittwoch, 27.05.2026, 16:01 Uhr
Manfred Fischer

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