E&M exklusiv Newsletter:
E&M gratis testen:
Energie & Management > Stromspeicher - Wie BESS systemdienlich ans Netz gebracht werden können
Quelle: Fotolia / malp
Stromspeicher

Wie BESS systemdienlich ans Netz gebracht werden können

Die Forschungsstelle für Energiewirtschaft hat ein Diskussionspapier des „Kooperationsforum Großbatteriespeicher“ zur besseren Einbindung von Batteriespeichern vorgelegt.
Die Klage ist bekannt: Der Boom bei Großbatteriespeichern führt zu einer erheblichen Mehrbelastung der Netzbetreiber. Die Forschungsstelle für Energiewirtschaft (FFE) in München hat nun dazu ein Diskussionspapier des Kooperationsforums Großbatteriespeicher vorgelegt. Darin werden Pläne vorgeschlagen, das Netzanschlussverfahren für Batteriespeichersysteme (BESS) neu aufzusetzen.

Das „Kooperationsforum Großbatteriespeicher“ ist ein branchenübergreifendes Gremium, das im August 2025 von der FFE ins Leben gerufen wurde. Das Forum bringt mehr als 50 Unternehmen und Institutionen zusammen und versteht sich als Plattform für einen „offenen, sachlichen und wissenschaftlich fundierten Austausch“.

Denn Ende 2025 lagen bei den Netzbetreibern Anschlussanfragen in Höhe von 720.000 MW vor. Zugleich summieren sich die Investitionsbedarfe für den Netzausbau im Übertragungsnetz auf über 440 Milliarden Euro, im Verteilnetz auf weitere 227 Milliarden Euro bis 2045. Vor diesem Hintergrund rückt die Frage in den Mittelpunkt, wie neue Batteriespeicher systemverträglich angeschlossen werden können.

Digitale Kapazitätskarten

Das ist das aktuelle Prozedere: Viele Anträge für BESS werden in sehr frühen Projektphasen gestellt, teilweise automatisiert und in großer Zahl. Verbindliche Fristen und überprüfbare Meilensteine sind bislang nicht flächendeckend etabliert. Das Ergebnis sind laut dem Diskussionspapier „lange Bearbeitungszeiten und blockierte Netzkapazitäten“.

Nun wird vorgeschlagen, digitale Kapazitätskarten zu erstellen, die freie Einspeise- und Bezugsleistungen transparent ausweisen. Anschlussbegehren könnten so gezielt in Regionen mit verfügbaren Kapazitäten gelenkt werden. „Iterative Anfragen“ würden reduziert, die Zahl aufwendiger Netzverträglichkeitsprüfungen sinken.

Weiterhin sollen Anträge nicht mehr nach dem Windhundprinzip, sondern gebündelt (geclustert) in festen Zeitfenstern geprüft werden. Ein Zyklus von mehreren Monaten würde es ermöglichen, alle Projekte eines geografischen Clusters gemeinsam netztechnisch zu bewerten. So könnten Priorisierungskriterien angewandt und Simulationen effizienter durchgeführt werden.

Antragspauschale und Kaution für Realisierung

Weiterhin wird eine strategische Priorisierung diskutiert. Netzanschlüsse könnten anhand ordnungspolitischer Kriterien gereiht werden. Denkbar seien sogenannte Fast-Lane-Regelungen für systemkritische Projekte oder eine Deckelung bestimmter Anlagenklassen. Allerdings: Eine solche Steuerung müsste politisch legitimiert und regulatorisch abgesichert werden, heißt es weiter.

Wichtig sei auch ein bundesweit einheitlicher Reservierungsprozess im Verteilnetz. Nach Annahme eines Netzanschlussangebots soll die Kapazität zunächst sechs Monate reserviert sein. Durch das Erreichen definierter Meilensteine verlängert sich die Reservierung jeweils um weitere sechs Monate. Projekte, die die Nachweise nicht erbringen, würden aus der Warteschlange entfernt.

Weiterhin sollen finanzielle Ernsthaftigkeitsnachweise eingeführt werden. Eine verrechenbare Antragspauschale sowie eine „kapazitätsbezogene Realisierungskaution“ könnten spekulative Anträge eindämmen. Die Kaution würde bis zur Inbetriebnahme monatlich fällig und bei erfolgreicher Umsetzung angerechnet. Parallel dazu spielen flexible Netzanschlussvereinbarungen eine zentrale Rolle. Sie ermöglichen temporäre Leistungsbegrenzungen und damit eine beschleunigte Integration von Speichern in Engpassregionen. Das Papier plädiert für stärker standardisierte und möglichst dynamische Restriktionen, ergänzt um sachgerechte Kompensationsmechanismen.

Das „gemeinsame Diskussionspapier zu aktuellen Herausforderungen und tragfähigen Lösungen“ des Kooperationsforums Großbatteriespeicher kann auf der Internetseite der FFE heruntergeladen werden.

Freitag, 20.02.2026, 16:39 Uhr
Stefan Sagmeister
Energie & Management > Stromspeicher - Wie BESS systemdienlich ans Netz gebracht werden können
Quelle: Fotolia / malp
Stromspeicher
Wie BESS systemdienlich ans Netz gebracht werden können
Die Forschungsstelle für Energiewirtschaft hat ein Diskussionspapier des „Kooperationsforum Großbatteriespeicher“ zur besseren Einbindung von Batteriespeichern vorgelegt.
Die Klage ist bekannt: Der Boom bei Großbatteriespeichern führt zu einer erheblichen Mehrbelastung der Netzbetreiber. Die Forschungsstelle für Energiewirtschaft (FFE) in München hat nun dazu ein Diskussionspapier des Kooperationsforums Großbatteriespeicher vorgelegt. Darin werden Pläne vorgeschlagen, das Netzanschlussverfahren für Batteriespeichersysteme (BESS) neu aufzusetzen.

Das „Kooperationsforum Großbatteriespeicher“ ist ein branchenübergreifendes Gremium, das im August 2025 von der FFE ins Leben gerufen wurde. Das Forum bringt mehr als 50 Unternehmen und Institutionen zusammen und versteht sich als Plattform für einen „offenen, sachlichen und wissenschaftlich fundierten Austausch“.

Denn Ende 2025 lagen bei den Netzbetreibern Anschlussanfragen in Höhe von 720.000 MW vor. Zugleich summieren sich die Investitionsbedarfe für den Netzausbau im Übertragungsnetz auf über 440 Milliarden Euro, im Verteilnetz auf weitere 227 Milliarden Euro bis 2045. Vor diesem Hintergrund rückt die Frage in den Mittelpunkt, wie neue Batteriespeicher systemverträglich angeschlossen werden können.

Digitale Kapazitätskarten

Das ist das aktuelle Prozedere: Viele Anträge für BESS werden in sehr frühen Projektphasen gestellt, teilweise automatisiert und in großer Zahl. Verbindliche Fristen und überprüfbare Meilensteine sind bislang nicht flächendeckend etabliert. Das Ergebnis sind laut dem Diskussionspapier „lange Bearbeitungszeiten und blockierte Netzkapazitäten“.

Nun wird vorgeschlagen, digitale Kapazitätskarten zu erstellen, die freie Einspeise- und Bezugsleistungen transparent ausweisen. Anschlussbegehren könnten so gezielt in Regionen mit verfügbaren Kapazitäten gelenkt werden. „Iterative Anfragen“ würden reduziert, die Zahl aufwendiger Netzverträglichkeitsprüfungen sinken.

Weiterhin sollen Anträge nicht mehr nach dem Windhundprinzip, sondern gebündelt (geclustert) in festen Zeitfenstern geprüft werden. Ein Zyklus von mehreren Monaten würde es ermöglichen, alle Projekte eines geografischen Clusters gemeinsam netztechnisch zu bewerten. So könnten Priorisierungskriterien angewandt und Simulationen effizienter durchgeführt werden.

Antragspauschale und Kaution für Realisierung

Weiterhin wird eine strategische Priorisierung diskutiert. Netzanschlüsse könnten anhand ordnungspolitischer Kriterien gereiht werden. Denkbar seien sogenannte Fast-Lane-Regelungen für systemkritische Projekte oder eine Deckelung bestimmter Anlagenklassen. Allerdings: Eine solche Steuerung müsste politisch legitimiert und regulatorisch abgesichert werden, heißt es weiter.

Wichtig sei auch ein bundesweit einheitlicher Reservierungsprozess im Verteilnetz. Nach Annahme eines Netzanschlussangebots soll die Kapazität zunächst sechs Monate reserviert sein. Durch das Erreichen definierter Meilensteine verlängert sich die Reservierung jeweils um weitere sechs Monate. Projekte, die die Nachweise nicht erbringen, würden aus der Warteschlange entfernt.

Weiterhin sollen finanzielle Ernsthaftigkeitsnachweise eingeführt werden. Eine verrechenbare Antragspauschale sowie eine „kapazitätsbezogene Realisierungskaution“ könnten spekulative Anträge eindämmen. Die Kaution würde bis zur Inbetriebnahme monatlich fällig und bei erfolgreicher Umsetzung angerechnet. Parallel dazu spielen flexible Netzanschlussvereinbarungen eine zentrale Rolle. Sie ermöglichen temporäre Leistungsbegrenzungen und damit eine beschleunigte Integration von Speichern in Engpassregionen. Das Papier plädiert für stärker standardisierte und möglichst dynamische Restriktionen, ergänzt um sachgerechte Kompensationsmechanismen.

Das „gemeinsame Diskussionspapier zu aktuellen Herausforderungen und tragfähigen Lösungen“ des Kooperationsforums Großbatteriespeicher kann auf der Internetseite der FFE heruntergeladen werden.

Freitag, 20.02.2026, 16:39 Uhr
Stefan Sagmeister

Haben Sie Interesse an Content oder Mehrfachzugängen für Ihr Unternehmen?

Sprechen Sie uns an, wenn Sie Fragen zur Nutzung von E&M-Inhalten oder den verschiedenen Abonnement-Paketen haben.
Das E&M-Vertriebsteam freut sich unter Tel. 08152 / 93 11-77 oder unter vertrieb@energie-und-management.de über Ihre Anfrage.