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Energie & Management > Aus Der Aktuellen Ausgabe - Sagen Sie mal: Andreas Grassl
Quelle: E&M
Aus Der Aktuellen Ausgabe

Sagen Sie mal: Andreas Grassl

In der Rubrik „Sagen Sie mal“ stellen wir ein paar kurze Fragen und bitten um kurze Antworten zu einem aktuellen Thema.
Herr Grassl, als Wasserkraftwerksspezialist verwaltet die Renaio Group in fünf europäischen Ländern 32 Laufwasserkraftwerke, Tendenz weiter steigend. Wo liegen aus Investorensicht Ihrer Ansicht nach die größten Unterschiede zwischen Wasserkraft und PV sowie Windkraft?

Wasserkraft ist durch ihre Planbarkeit und Langlebigkeit für Anleger enorm attraktiv. Während PV in Mitteleuropa meist nur 800 bis 1.200 Volllaststunden erreicht und Wind an Land 2.000 bis 3.000, liegen gut geführte Wasserkraftwerke oft bei 4.000 Stunden und mehr. Das sorgt für stabilere Cashflows und geringere Ertragsschwankungen. Hinzu kommt: Wasserkraft benötigt im Gegensatz zu Wind und Solar keine Repowerings. Die Anlagen laufen über Jahrzehnte verlässlich, behalten hohe Restwerte und sind kaum wettergetrieben. Deshalb betrachten viele Investoren Wasserkraft als ein echtes Infrastruktur-Asset, das Versorgungssicherheit, Nachhaltigkeit und Renditestabilität kombiniert.

Sie sprechen von einer höheren Stromqualität von Wasserkraft. Was meinen Sie damit?

Mit Stromqualität meine ich die besondere Systemrelevanz und Netzstabilität, die Wasserkraft bietet. Neben den hohen Volllaststunden speisen unsere Anlagen sehr gleichmäßig ein und können gleichzeitig schnell regeln, wenn das Netz es verlangt. Das ist ein wesentlicher Unterschied zu PV und Wind, die stark von kurzfristigen Wetterlagen abhängig sind. Wasserkraft stabilisiert lokal Spannung und Frequenz, reduziert den Bedarf an Ausgleichsenergie und entlastet damit das Gesamtsystem. In einem Energiemix, der immer volatiler wird, ist das enorm wertvoll. Für Investoren bedeutet diese Stabilität planbare Erträge und ein geringeres Risikoprofil. Für das Energiesystem bedeutet sie: Wasserkraft ist nicht nur erneuerbar, sondern ein qualitativ hochwertiger, verlässlicher Beitrag zur Versorgungssicherheit. 

Welche Auswirkungen hat der Klimawandel auf die mitteleuropäische Wasserkraft?


Der Klimawandel wird oft reflexartig mit Trockenheit gleichgesetzt. Das trifft für viele Regionen der Welt zu, aber nicht zwingend für Mitteleuropa. Zahlreiche Szenarien zeigen sogar netto zunehmende Niederschläge im Alpenraum, besonders im Winterhalbjahr. Wasser bleibt also verfügbar, auch wenn sich saisonale Muster verändern. Für die Wasserkraft bedeutet das vor allem: mehr Flexibilitätsbedarf, aber kein struktureller Niedergang. Bei Renaio erleben wir täglich, wie stabil unsere Anlagen einspeisen und lokale Netze stützen. Gleichzeitig schlummert in Europa enormes Potenzial: Studien nennen 7.100 MW reaktivierbare Leistung und rund 28 Milliarden kWh mögliche jährliche Produktion. Mit modernisiertem Sedimentmanagement, digitaler Überwachung und vorausschauender Betriebsführung bleibt Wasserkraft auch im Klimawandel ein robuster, belastbarer Baustein der Energieversorgung.
 
Andreas Grassl ist geschäftsführender Gesellschafter der Renaio Group, einem Infrastruktur- und Energieinvestor mit Sitz in Augsburg
Quelle: Renaio Group

Mittwoch, 11.02.2026, 10:11 Uhr
Davina Spohn
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Aus Der Aktuellen Ausgabe
Sagen Sie mal: Andreas Grassl
In der Rubrik „Sagen Sie mal“ stellen wir ein paar kurze Fragen und bitten um kurze Antworten zu einem aktuellen Thema.
Herr Grassl, als Wasserkraftwerksspezialist verwaltet die Renaio Group in fünf europäischen Ländern 32 Laufwasserkraftwerke, Tendenz weiter steigend. Wo liegen aus Investorensicht Ihrer Ansicht nach die größten Unterschiede zwischen Wasserkraft und PV sowie Windkraft?

Wasserkraft ist durch ihre Planbarkeit und Langlebigkeit für Anleger enorm attraktiv. Während PV in Mitteleuropa meist nur 800 bis 1.200 Volllaststunden erreicht und Wind an Land 2.000 bis 3.000, liegen gut geführte Wasserkraftwerke oft bei 4.000 Stunden und mehr. Das sorgt für stabilere Cashflows und geringere Ertragsschwankungen. Hinzu kommt: Wasserkraft benötigt im Gegensatz zu Wind und Solar keine Repowerings. Die Anlagen laufen über Jahrzehnte verlässlich, behalten hohe Restwerte und sind kaum wettergetrieben. Deshalb betrachten viele Investoren Wasserkraft als ein echtes Infrastruktur-Asset, das Versorgungssicherheit, Nachhaltigkeit und Renditestabilität kombiniert.

Sie sprechen von einer höheren Stromqualität von Wasserkraft. Was meinen Sie damit?

Mit Stromqualität meine ich die besondere Systemrelevanz und Netzstabilität, die Wasserkraft bietet. Neben den hohen Volllaststunden speisen unsere Anlagen sehr gleichmäßig ein und können gleichzeitig schnell regeln, wenn das Netz es verlangt. Das ist ein wesentlicher Unterschied zu PV und Wind, die stark von kurzfristigen Wetterlagen abhängig sind. Wasserkraft stabilisiert lokal Spannung und Frequenz, reduziert den Bedarf an Ausgleichsenergie und entlastet damit das Gesamtsystem. In einem Energiemix, der immer volatiler wird, ist das enorm wertvoll. Für Investoren bedeutet diese Stabilität planbare Erträge und ein geringeres Risikoprofil. Für das Energiesystem bedeutet sie: Wasserkraft ist nicht nur erneuerbar, sondern ein qualitativ hochwertiger, verlässlicher Beitrag zur Versorgungssicherheit. 

Welche Auswirkungen hat der Klimawandel auf die mitteleuropäische Wasserkraft?


Der Klimawandel wird oft reflexartig mit Trockenheit gleichgesetzt. Das trifft für viele Regionen der Welt zu, aber nicht zwingend für Mitteleuropa. Zahlreiche Szenarien zeigen sogar netto zunehmende Niederschläge im Alpenraum, besonders im Winterhalbjahr. Wasser bleibt also verfügbar, auch wenn sich saisonale Muster verändern. Für die Wasserkraft bedeutet das vor allem: mehr Flexibilitätsbedarf, aber kein struktureller Niedergang. Bei Renaio erleben wir täglich, wie stabil unsere Anlagen einspeisen und lokale Netze stützen. Gleichzeitig schlummert in Europa enormes Potenzial: Studien nennen 7.100 MW reaktivierbare Leistung und rund 28 Milliarden kWh mögliche jährliche Produktion. Mit modernisiertem Sedimentmanagement, digitaler Überwachung und vorausschauender Betriebsführung bleibt Wasserkraft auch im Klimawandel ein robuster, belastbarer Baustein der Energieversorgung.
 
Andreas Grassl ist geschäftsführender Gesellschafter der Renaio Group, einem Infrastruktur- und Energieinvestor mit Sitz in Augsburg
Quelle: Renaio Group

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