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Die Wasserkraft in Nordrhein-Westfalen schwächelt. Stagnation herrscht das zweite Jahr in Folge, weil weder ein Zubau erfolgt ist noch neue Anlagen in den Genehmigungsprozess gelangen.
Es tröpfelt nicht einmal mehr: Wer den Zubau an Wasserkraftwerken in Nordrhein-Westfalen als Gewässer beschreiben wollte, würde das Bild eines dümpelnden Teichs malen. Es gibt im zweiten Jahr in Folge keine Strömung mehr. Der Ausbau sei zum Erliegen gekommen, teilt der Landesverband Erneuerbare Energien (LEE NRW) mit.
Der Lobbyverband bezieht sich bei seiner Darstellung auf eigene Berechnungen auf Basis des Marktstammdatenregisters. Die Verantwortlichen für die Misere bei Neubauten und Neugenehmigungen sieht Hans-Josef Vogel bei „einigen“ Naturschutzverbänden und Behörden. Sie würden Genehmigungsverfahren von interessierten Betreibern „massiv blockieren“, so der Vorsitzende des LEE NRW. Das sei ein deutlicher Widerspruch zu den energie- und klimapolitischen Zielsetzungen der Landesregierung und auch wirtschaftspolitisch nicht vertretbar.
Die einzige Bewegung in diesem Sektor hat der LEE NRW im Frühsommer 2025 in Düren ausgemacht. Die örtlichen Stadtwerke nahmen nach zwölf Jahren ein Wasserrad an einer historischen Mühle wieder in Betrieb – es kommt auf eine verschwindend geringe Leistung von 26 Kilowatt.
Damit verfügt NRW nun über 520 Wasserkraftwerke mit einer Gesamtleistung von 191 MW – bezogen auf Werte, die der Verband bereits im vergangenen Jahr präsentiert hatte. Seit 2015 sind lediglich etwa 8 MW an Leistung hinzu gekommen.
Dabei sieht Vogel durchaus Potenzial für neue Wasserkraftanlagen – etwa an Lippe, Rur oder Werre. Die Kombination von Wasserkraft und Gewässerwärme sei vielversprechend. Mittels Wärmepumpen könne die Aquathermie Strom- und Wärmeerzeugung im Rahmen der Kommunalen Wärmeplanung verknüpfen.
Mit gemischten Gefühlen blickt Hans-Josef Vogel auf die als Entwurf vorliegende NRW-Landeswasserstrategie. Sie sei in zentralen Punkten ambivalent. Einerseits betone sie das Ziel, geplante Wasserkraftanlagen zu realisieren und den Stau auszulösen. Gleichzeitig gebe es Passagen zum „forcierten Rückbau von Querbauwerken“ und andere Hinweise, dass das gesetzlich verankerte überragende öffentliche Interesse am Ausbau der Erneuerbaren verwässern könnte. Vogel fordert „klare und verlässliche Rahmenbedingungen“ zugunsten der Ökoenergien.
Dienstag, 24.02.2026, 15:20 Uhr
Volker Stephan
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