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Enerige & Management > Wasserstoff - Dekarbonisierung im Wärmemarkt bleibt Herausforderung
Quelle: Shutterstock, Alexander Limbach
WASSERSTOFF:
Dekarbonisierung im Wärmemarkt bleibt Herausforderung
Auf der Handelsblatt-Jahrestagung Gas wird auch Wasserstoff als Ersatz von fossilen Energieträgern für den Wärmemarkt gefordert. Der nötige Rahmen dafür fehlt laut Experten noch.
 
Momentan heizt die Hälfte aller Haushalte in Deutschland mit Gas und auch Industrie und Gewerbe benötigen viel Methan. Wenn das Klimaschutzziel der Dekarbonisierung bis 2045 erreicht werden soll, muss sich das schnell ändern. Über mögliche Wege zur Wärmewende in einer Zukunft ohne Klimagas-Ausstoß debattierten Fachleute auf der Jahrestagung Gas online.

Carolin Schenuit präsentierte ein Bündel von Maßnahmen, um die Wärmewende in Schwung zu bringen. Die geschäftsführende Vorständin des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) forderte von der neuen Bundesregierung:
  • verschärfte Effizienzvorgaben für Gebäude,
  • die Einführung von Mindestanteilen erneuerbarer Energie für die Heizung,
  • ein Einbauverbot von neuen Gasheizungen von 2026 an
  • und eine Austauschpflicht für Gaskessel.
Timm Kehler, Vorstand der Brancheninitiative Zukunft Gas, wandte sich gegen pauschale Verbote und Ausstiegsdaten und forderte, allein die zu erreichende Klimagasreduktion Entscheidungen zugrundezulegen.

Auf einen Mix von Maßnahmen für klimaneutrale Wärme setzt Catharina Friedrich, Vorständin der Rhenag Rheinische Energie AG. Es werde künftig mehr Strom, mehr Fernwärme und mehr grüne Energie im Heizungsbereich geben, sagte sie. Kommunale Klimakonzepte mit den lokalen Versorgern sollten Treiber der Energie- und Wärmewende werden, forderte sie. Nach ihrer Erfahrung seien die Kommunen noch zu unterschiedlich interessiert, der Handlungsrahmen sei oft ungewiss.

Für die Bundesregierung antwortete Thorsten Herdan, Leiter Energiepolitik, Wärme und Effizienz im Bundeswirtschaftsministerium (BMWi). Die heutigen Investitionen würden leider erst in einigen Jahren messbare Klimaschutzeffekte zeigen. Um so wichtiger sei es, jetzt die Weichen zu stellen für Sanierungen. „Wir wollen kein Mikromanagement des Staates, wir setzen regulatorische Rahmen und fördern“, beschrieb Herdan.

Wohnungswirtschaft braucht Unterstützung

Als Vertreter der Wohnungswirtschaft sagte Axel Gedaschko, Präsident des GdW (Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen), der Ehrgeiz seiner Branche sei vorhanden, Klimaschutz in den Gebäudebereich zu bringen. Dafür müsste einerseits der Energiebedarf der Gebäude durch Sanierung sinken und andererseits ohne fossile Energieträger geheizt werden. Allerdings müssten alle energetischen Modernisierungsmaßnahmen nur viel kosten, dass Wohnen bezahlbar bleibt, obwohl sie auf die Mieter umgelegt werden. „Starke Schulten müssen mehr tragen als schwache“, appellierte Gedaschko.

Er begrüßte die erneut um 5,7 Mrd. Euro erhöhte Förderung der Bundesregierung für energetische Sanierung und Heizungstausch. Allerdings fehle es an Handwerkern, die die nötigen Arbeiten ausführten. Sogenannte Serielle Sanierung könne mehr Masse in guter Qualität sowie mit wenig Aufwand an Arbeitskräften und Kosten bringen, sagte Gedaschko. Zugleich kritisierte er die komplizierten und restriktiven Regelungen, die derzeit Mieterstrom mit Photovoltaik vom Dach noch zu schwierig machten.

BNetzA gegen Wasserstoff-Blending

Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur (BNetzA), bat um Geduld für noch offene Fragen der Regulierung für Wasserstoff. Hier müsse man auch auf die Vorgaben der EU warten. Daher seien die gerade getroffenen Regeln für Wasserstoffnetze vorläufig. Die Beimischung von Wasserstoff ins bestehende Gasnetz, das sogenannte Blending, hält er für einen Fehler, weil das die Erdgas-Endkunden mitbezahlen müssten. Insgesamt sprach sich Homann für eine integrierte Planung aller Verteilnetze, auch zwischen Strom und Gas, zugunsten der Sektorkopplung aus.

Für die Regulierung von Wasserstoff brauche seine Behörde vorab Entscheidungen, wo er eingesetzt werden soll. Zu entscheiden sei, ob er nur in industriellen Zentren oder überall im Land strömen soll, mahnte Homann an die künftige Bundesregierung. Zur Frage der neuen Eigenkapitalverzinsungsquote der Gasnetzbetreiber versprach er, den Spielraum zu nutzen zugunsten von Investitionen. „Wir werden am Ende eine Entscheidung treffen, mit der die Branche leben kann, dann wird sich die Aufregung legen“, versprach Homann. Am 22. September hatte die Bundesregierung den BMWi-Entwurf der Wasserstoffnetzentgeltung verabschiedet; er geht jetzt abschließend an den Bundesrat.

Vertreter der Gasnetzbetreiber sehen Millionen-Investitionen kommen, um entweder bestehende Systeme auf Wasserstoff zu ertüchtigen oder neue Netze zu bauen. Katrin Flinspach, Geschäftsführerin des EnBW-Ferngasnetzbetreibers Terranets BW, forderte schnell einen regulatorischen Rahmen und eine auskömmliche Eigenkapitalverzinsung von mindestens 6 %. Sie hofft auf die gemeinsame Regulierung und Finanzierung von Erdgas- und Wasserstoffnetzen, sobald es die EU möglich macht.

Andreas Schick, Geschäftsführer der Netze-Gesellschaft Südwest, unterstrich, dass entweder Gas- oder Stromnetze für die Wärmwende ausgebaut werden müssten. Da der Zustand der Gebäude in absehbarer Zeit keine flächendeckende elektrische Heizung zulasse, sei ergänzend der Ausbau von Nah- und Fernwärme und ihren Netzen nötig. „Die Gasnetze sind meist in kommunaler Hand und sollten genutzt, nicht zerstört werden“, appellierte Schick. Erneuerbare Gase wie grüner Wasserstoff könnten auch die Heizungen klimafreundlich und bezahlbar machen, sagte Schick.
 

Susanne Harmsen
Redakteurin
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Donnerstag, 23.09.2021, 13:35 Uhr

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