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Fahren Mieter kein E-Auto, weil die Lademöglichkeit fehlt? Oder fehlt Infrastruktur, weil Mieter sie nicht nachfragen? Eine Studie untersucht Hemmnisse beim Ladeinfrastruktur-Ausbau.
Investitionskosten, unklare Nachfrage und fehlende technische Daten bremsen den Ausbau von Ladeinfrastruktur in deutschen Wohngebäuden, wie eine Befragung des Energiedienstleisters Ista unter 200 Entscheidern der Wohnungswirtschaft zeigt.
Als größte Hürden nennen 63 Prozent der im August 2025 Befragten die technische Machbarkeit, 56 Prozent hohe Investitionskosten und 55 Prozent einen aus ihrer Sicht bislang zu geringen Bedarf seitens der Mieter. Innerhalb der kommenden drei Jahre erwarten die Unternehmen jedoch einen Ladebedarf von durchschnittlich elf Prozent ihrer Mieterschaft.
„Im Mieterland Deutschland ist der Ausbau der Ladeinfrastruktur in Mehrparteienhäusern entscheidend für das Gelingen der Mobilitätswende“, sagt Christoph Klinck, Tribe Lead Commercial and Industrial bei Ista und Geschäftsführer bei Istas Ladeinfrastruktur-Tochter Chargemaker. „Vermeintlich hohe Investitionskosten und lange Amortisationsdauern fordern die Wohnungswirtschaft bei der Errichtung von Ladeinfrastruktur heraus.“
Der Studie zufolge sind private Wohnungsunternehmen derzeit beim Ausbau führend: 62 Prozent verfügen bereits über Ladeinfrastruktur in mindestens einer Liegenschaft. Bei Wohnungsgenossenschaften liegt der Anteil bei 52 Prozent, bei kommunalen Unternehmen bei 48 Prozent. Dominierend sind bislang individuell zugeordnete Wallboxen. Geteilte Ladepunkte gewönnen jedoch an Bedeutung, insbesondere bei Projektentwicklern, schreibt Ista. Öffentlich zugängliche Ladepunkte spielten bislang eine untergeordnete Rolle.
Potenzielle Wertsteigerung als Anreiz
Der Ausbau werde durch eine strukturelle Wechselwirkung gebremst. „Der Ladeinfrastrukturausbau stottert auch aufgrund einer Henne-Ei-Situation: Die Menschen zögern, weil die Ladeinfrastruktur vermeintlich nicht ausreicht – die Wohnungswirtschaft zögert, weil die Mieter vermeintlich keine Lademöglichkeiten nachfragen“, lässt sich Klinck zitieren.
Gleichzeitig bestünden auch erhebliche Defizite bei der Datenbasis für Investitionsentscheidungen. Nur 42 Prozent der Befragten kennen die verfügbare Netzanschlussleistung, lediglich 22 Prozent verfügen über Informationen zur Last, etwa aus Lastgangmessungen. Dagegen sind grundlegende Gebäudedaten wie Lagepläne und Grundrisse bei 92 Prozent vorhanden.
Bei der Entscheidung für den Bau von Ladeinfrastruktur spielen wirtschaftliche Motive eine große Rolle: Für 46 Prozent der privaten Wohnungsunternehmen und 52 Prozent der Projektentwickler ist die potenzielle Wertsteigerung von Immobilien ein Treiber. Kommunale Unternehmen und Genossenschaften orientieren sich stärker an regulatorischen Vorgaben wie dem Gebäude-Elektromobilitätsinfrastruktur-Gesetz (GEIG) und der EU-Gebäuderichtlinie (Energy Performance of Buildings Directive, EPBD).
Ista selbst will den Markt für Ladeinfrastruktur über seine Tochter Chargemaker erschließen. Bis 2030 plant das Unternehmen Investitionen von bis zu 30 Millionen Euro und den Aufbau von rund 25.000 Ladepunkten im Gebäudesektor in Deutschland.
Die zugrunde liegende Studie basiert auf einer Befragung von 200 Entscheidern aus fünf Segmenten der Wohnungswirtschaft: „Kommunale Wohnungsunternehmen“, „Wohnungsgenossenschaften“, „Private Wohnungsunternehmen“, „Projektentwickler“ sowie „Asset Management- oder Investmentunternehmen“. Die Befragten verfügten über Wohnungsbestände mit insgesamt wenigstens mehr als 70 Stellplätzen, bei denen die Errichtung von Ladesäulen bereits umgesetzt wurde oder geplant ist.
Montag, 30.03.2026, 12:58 Uhr
Katia Meyer-Tien
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