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Energie & Management > Veranstaltung - EnBW-Vorstand: Lieferketten entscheiden über Wirtschaftlichkeit
2. European Energy Supply Chain Summit. Quelle: Susanne Harmsen
Veranstaltung

EnBW-Vorstand: Lieferketten entscheiden über Wirtschaftlichkeit

Rund 250 Entscheider diskutieren am 25. und 26. Februar beim European Energy Supply Chain Summit über stabile Lieferketten für einen bezahlbaren Umbau der Energieinfrastruktur.
Vertreter aus Energiewirtschaft, Industrie, Politik und Finanzwesen kommen am 25. und 26. Februar in Berlin zum European Energy Supply Chain Summit zusammen. Initiatorin und Schirmherrin ist die Energie Baden-Württemberg AG (EnBW). Ziel der Veranstaltung ist der Austausch über Lösungen für belastbare Lieferketten entlang der gesamten energiewirtschaftlichen Wertschöpfung. Hintergrund sind steigende Investitionen in Netze, erneuerbare Anlagen und Infrastruktur für Elektromobilität sowie geopolitische Spannungen und wachsende globale Nachfrage nach zentralen Komponenten. Dadurch geraten Verfügbarkeit, Preise und Lieferzeiten für Transformatoren, Turbinen oder Netzausrüstung jedoch zunehmend unter Druck.

Zum Auftakt der Konferenz betonte EnBW-Finanzvorstand Thomas Kusterer, Lieferketten seien „das Rückgrat für einen bezahlbaren Umbau des Energiesystems“ und entschieden darüber, ob Projekte wirtschaftlich realisiert werden könnten. 

EnBW investiert 50 Milliarden Euro bis 2030

EnBW plant nach eigenen Angaben, von 2024 bis 2030 bis zu 50 Milliarden Euro in Netze, erneuerbare Energien, wasserstofffähige Gaskraftwerke und Ladeinfrastruktur zu investieren. Ohne verlässliche Rahmenbedingungen würden höhere Preise und längere Lieferzeiten angesichts der großen globalen Nachfrage nach energiewirtschaftlicher Infrastruktur die Ausbauziele jedoch gefährden.

Entscheidend seien langfristige Partnerschaften, Standardisierung und Planungssicherheit, damit Zulieferer ihre Produktionskapazitäten ausbauen könnten. EnBW plane allein in den kommenden Jahren rund 100 neue Umspannwerke. Modulare Bauweisen könnten dabei Zeit und Kosten reduzieren. Laut EnBW sind aus der Auftaktveranstaltung im vergangenen Jahr bereits erste Kooperationen entstanden.

Politisch forderte der Finanzvorstand stabile und verlässliche Regulierung in Deutschland und Europa. Die im Rahmen des „Industrial Accelerator Act“ diskutierte Einführung eines „Made in Europe“-Labels sei grundsätzlich nachvollziehbar, dürfe aber den Umbau des Energiesystems nicht verteuern oder die Marktvielfalt einschränken. Eine Kennzeichnung sollte im Energiesektor freiwillig bleiben, solange ausreichende Produktionskapazitäten in Europa noch nicht vorhanden seien.

Kusterer sprach sich außerdem für eine Reform des europäischen Vergaberechts aus. Verfahren müssten Investitionen in Netze und erneuerbare Anlagen beschleunigen, statt zusätzliche Hürden zu schaffen. Öffentlich beherrschte Energieunternehmen seien derzeit gegenüber privaten Wettbewerbern benachteiligt. Ein bezahlbarer Infrastrukturausbau setze gleiche Wettbewerbsbedingungen voraus. 

Dezentrale Flexibilität statt Großkraftwerk

Im Rahmen des Summits wird unter anderem eine Plattform für einheitliche ESG-Standards (Environmental, Social, Governance) vorgestellt. Sie soll Lieferanten zentral präqualifizieren und Risiken entlang der Lieferketten systematisch bewerten.

Weitere Impulse kamen aus der Beratungsperspektive. Sebastian Muschter, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Adelphi, erklärte, große zentrale Kraftwerksprojekte wie Kernkraft spielten künftig keine Rolle mehr. Sie seien zu langwierig und ihr Strom zu teuer. Elektrifizierung mit erneuerbarem Strom sei der kostengünstigste Weg zu einer emissionsarmen Energieversorgung. Gleichzeitig kritisierte er, dass Batteriespeicher bislang nicht ausreichend in das Energiesystem integriert würden. Deren aktuell explodierender Zubau ohne Subventionen zeige ihre Bedeutung. Was noch fehle, seien Langzeitspeicher, sagte Muschter. 

Zudem sieht der Berater strukturelle Hemmnisse im Strommarktdesign. Die einheitliche deutsche Stromgebotszone setze weiterhin Anreize für energieintensive Unternehmen im Süden, obwohl ein großer Teil der erneuerbaren Erzeugung im Norden liege. Der daraus resultierende Netzausbau erhöhe die Systemkosten. Künftig müsse das Preissystem stärker Anreize für flexible Nachfrage setzen, so seine Einschätzung. So müsse der derzeitige Netzkostenrabatt für inflexible Großverbraucher (Bandlast) in einem planbaren Zeitraum wegfallen, empfahl er.

Informationen zum Energy Supply Chain Summit stehen im Internet bereit.

Mittwoch, 25.02.2026, 11:12 Uhr
Susanne Harmsen
Energie & Management > Veranstaltung - EnBW-Vorstand: Lieferketten entscheiden über Wirtschaftlichkeit
2. European Energy Supply Chain Summit. Quelle: Susanne Harmsen
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EnBW-Vorstand: Lieferketten entscheiden über Wirtschaftlichkeit
Rund 250 Entscheider diskutieren am 25. und 26. Februar beim European Energy Supply Chain Summit über stabile Lieferketten für einen bezahlbaren Umbau der Energieinfrastruktur.
Vertreter aus Energiewirtschaft, Industrie, Politik und Finanzwesen kommen am 25. und 26. Februar in Berlin zum European Energy Supply Chain Summit zusammen. Initiatorin und Schirmherrin ist die Energie Baden-Württemberg AG (EnBW). Ziel der Veranstaltung ist der Austausch über Lösungen für belastbare Lieferketten entlang der gesamten energiewirtschaftlichen Wertschöpfung. Hintergrund sind steigende Investitionen in Netze, erneuerbare Anlagen und Infrastruktur für Elektromobilität sowie geopolitische Spannungen und wachsende globale Nachfrage nach zentralen Komponenten. Dadurch geraten Verfügbarkeit, Preise und Lieferzeiten für Transformatoren, Turbinen oder Netzausrüstung jedoch zunehmend unter Druck.

Zum Auftakt der Konferenz betonte EnBW-Finanzvorstand Thomas Kusterer, Lieferketten seien „das Rückgrat für einen bezahlbaren Umbau des Energiesystems“ und entschieden darüber, ob Projekte wirtschaftlich realisiert werden könnten. 

EnBW investiert 50 Milliarden Euro bis 2030

EnBW plant nach eigenen Angaben, von 2024 bis 2030 bis zu 50 Milliarden Euro in Netze, erneuerbare Energien, wasserstofffähige Gaskraftwerke und Ladeinfrastruktur zu investieren. Ohne verlässliche Rahmenbedingungen würden höhere Preise und längere Lieferzeiten angesichts der großen globalen Nachfrage nach energiewirtschaftlicher Infrastruktur die Ausbauziele jedoch gefährden.

Entscheidend seien langfristige Partnerschaften, Standardisierung und Planungssicherheit, damit Zulieferer ihre Produktionskapazitäten ausbauen könnten. EnBW plane allein in den kommenden Jahren rund 100 neue Umspannwerke. Modulare Bauweisen könnten dabei Zeit und Kosten reduzieren. Laut EnBW sind aus der Auftaktveranstaltung im vergangenen Jahr bereits erste Kooperationen entstanden.

Politisch forderte der Finanzvorstand stabile und verlässliche Regulierung in Deutschland und Europa. Die im Rahmen des „Industrial Accelerator Act“ diskutierte Einführung eines „Made in Europe“-Labels sei grundsätzlich nachvollziehbar, dürfe aber den Umbau des Energiesystems nicht verteuern oder die Marktvielfalt einschränken. Eine Kennzeichnung sollte im Energiesektor freiwillig bleiben, solange ausreichende Produktionskapazitäten in Europa noch nicht vorhanden seien.

Kusterer sprach sich außerdem für eine Reform des europäischen Vergaberechts aus. Verfahren müssten Investitionen in Netze und erneuerbare Anlagen beschleunigen, statt zusätzliche Hürden zu schaffen. Öffentlich beherrschte Energieunternehmen seien derzeit gegenüber privaten Wettbewerbern benachteiligt. Ein bezahlbarer Infrastrukturausbau setze gleiche Wettbewerbsbedingungen voraus. 

Dezentrale Flexibilität statt Großkraftwerk

Im Rahmen des Summits wird unter anderem eine Plattform für einheitliche ESG-Standards (Environmental, Social, Governance) vorgestellt. Sie soll Lieferanten zentral präqualifizieren und Risiken entlang der Lieferketten systematisch bewerten.

Weitere Impulse kamen aus der Beratungsperspektive. Sebastian Muschter, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Adelphi, erklärte, große zentrale Kraftwerksprojekte wie Kernkraft spielten künftig keine Rolle mehr. Sie seien zu langwierig und ihr Strom zu teuer. Elektrifizierung mit erneuerbarem Strom sei der kostengünstigste Weg zu einer emissionsarmen Energieversorgung. Gleichzeitig kritisierte er, dass Batteriespeicher bislang nicht ausreichend in das Energiesystem integriert würden. Deren aktuell explodierender Zubau ohne Subventionen zeige ihre Bedeutung. Was noch fehle, seien Langzeitspeicher, sagte Muschter. 

Zudem sieht der Berater strukturelle Hemmnisse im Strommarktdesign. Die einheitliche deutsche Stromgebotszone setze weiterhin Anreize für energieintensive Unternehmen im Süden, obwohl ein großer Teil der erneuerbaren Erzeugung im Norden liege. Der daraus resultierende Netzausbau erhöhe die Systemkosten. Künftig müsse das Preissystem stärker Anreize für flexible Nachfrage setzen, so seine Einschätzung. So müsse der derzeitige Netzkostenrabatt für inflexible Großverbraucher (Bandlast) in einem planbaren Zeitraum wegfallen, empfahl er.

Informationen zum Energy Supply Chain Summit stehen im Internet bereit.

Mittwoch, 25.02.2026, 11:12 Uhr
Susanne Harmsen

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