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Energie & Management > Wärme - Wärmepumpenbranche umwirbt bayerischen Wirtschaftsminister
BWP-Chef Martin Sabel, Peter Kuscher vom BWP sowie Olaf Zimmermann von der SHK-Innung München beim Pressegespräch in München. Quelle: Heidi Roider
Wärme

Wärmepumpenbranche umwirbt bayerischen Wirtschaftsminister

Die Wärmepumpenbranche hat sich mit Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger getroffen. Die Branche betonte, dass die Wärmepumpe gerade für Bayern wichtig ist.
Vertreter von Industrie- und Handwerksunternehmen sowie der Bundesverband Wärmepumpe (BWP) haben sich am 21. Januar in München mit dem bayerischen Staatsminister für Energie und Wirtschaft, Hubert Aiwanger (Freie Wähler), getroffen. Ihr Ziel: ein offener Austausch über die Wärmepumpe.

Dass sich die Wärmepumpenbranche mit der bayerischen Staatsregierung trifft, hat zwei wesentliche Gründe: Zum einen ist das Bundesland als Absatzmarkt und als Wirtschaftsstandort für die Branche wichtig. Zum anderen steht insbesondere Bayerns Wirtschaftsminister Aiwanger der Technologie Wärmepumpe kritisch gegenüber. Aiwanger bezeichnete die Wärmepumpe zum Beispiel als „Symbol der grünen Ideologie“. Man dürfe darauf nicht einseitig setzen. Das Gespräch der Wirtschaftsvertreter mit dem Wirtschaftsminister fand ohne Presse statt. 

Bei einem anschließenden Pressegespräch im Gebäude der SHK-Innung München − bei dem Aiwanger nicht mehr dabei war − betonten die Industrie- und Verbandsvertreter, dass der „Austausch sehr offen und positiv“ verlaufen sei. Im Mittelpunkt des Gesprächs standen die anstehenden Entscheidungen zum Gebäudeenergiegesetz (GEG) sowie die künftige Ausgestaltung der Heizungsförderung.

„Ruhe in die Debatte“

Olaf Zimmermann von der SHK-Innung München sagte, dass er den Einruck hatte, Hubert Aiwanger habe verstanden, dass es Technologieoffenheit brauche. Außerdem haben die Vertreter deutlich gemacht, dass es wichtig ist, „Ruhe in die Debatte zu bringen“, sagte Thomas Nowak, Vizepräsident des Wärmepumpenherstellers Qvantum. 

Nach Angaben der Branche hat sich die Wärmepumpe zur meistgewählten Heizungsart entwickelt. „Im vergangenen Jahr wurden bundesweit 600.000 Heizungssysteme verkauft, davon waren 300.000 Wärmepumpen“, sagte BWP-Geschäftsführer Martin Sabel. Ein wesentlicher Teil der Wertschöpfung finde hierzulande in Bayern statt. Vor diesem Hintergrund forderten die Teilnehmer die Staatsregierung auf, sich in Berlin für einen belastbaren gesetzlichen Rahmen einzusetzen. Der Bundesförderung effiziente Gebäude (BEG) komme dabei eine zentrale Rolle zu. Rund ein Fünftel der Förderanträge stamme aus Bayern.

Gemeinsames Schreiben an die Staatsregierung

Dem Treffen war ein Schreiben von 17 Unternehmen aus Heizungsindustrie, Handwerk und Energieversorgung an Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und Staatsminister Aiwanger vorausgegangen. Darin verweisen die Unterzeichner auf die wirtschaftliche Bedeutung der Branche im Freistaat. In Bayern beschäftigt der Wirtschaftszweig nach eigenen Angaben rund 5.000 Menschen und erzielt einen Umsatz von mehr als einer Milliarde Euro. Dazu kommen laut Auskunft von SHK-Innung und BWP weitere 65.000 Beschäftigte im SHK-Handwerk. 

Die Unternehmen sehen in der Wärmewende auch ein industriepolitisches Thema für Bayern. Martin Sabel betonte: „Jeder Euro, der in die Heizungsförderung fließt, löst das Vierfache an Investitionen in den Gebäudebestand aus. Das kommt nicht nur der Industrie und dem Handwerk zugute, sondern auch den Hauseigentümern, die sich auf eine sichere, bezahlbare und ökologisch sinnvolle Wärmeversorgung ausrichten wollen.“

Seit Anfang 2024 hätten rund 100.000 Hauseigentümer in Bayern Fördermittel in Anspruch genommen. Etwa 20 Prozent der bundesweiten Mittel flössen in den Freistaat, was einem Volumen von 500 bis 600 Millionen Euro pro Jahr entspreche. Damit leiste Bayern einen überdurchschnittlichen Beitrag zu den Zielen im Gebäudebereich.

Handwerk verweist auf hohe Nachfrage und Unsicherheit

Aus Sicht des Handwerks wächst der Informationsbedarf bei Hauseigentümern. Ralf Suhre, Geschäftsführer der SHK-Innung München, schilderte eine hohe Verunsicherung bei Kunden bei dem Pressegespräch mit Blick darauf, ob das Heizen mit Öl und Gas in Zukunft nicht mehr sicher und bezahlbar sein könnte. Viele Eigentümer erwögen daher den Umstieg auf erneuerbare Alternativen. Die Betriebe reagierten mit Neueinstellungen sowie zusätzlichen Investitionen in Aus- und Weiterbildung. Dafür brauche das Handwerk jedoch klare Perspektiven.

Auch die Industrie machte ihre Erwartungen deutlich. Kerstin Wolff, Geschäftsführerin des Kulmbacher Herstellers Glen Dimplex, verwies auf umfangreiche Investitionen in Produktionskapazitäten und Arbeitsplätze in den vergangenen Jahren. Diese Entscheidungen hätten auf dem geltenden Gebäudeenergiegesetz basiert.

Der europäische Heizungsmarkt stehe unter starkem Wettbewerbsdruck. Bayerische Unternehmen hätten gute Voraussetzungen, ihre technologische Position zu behaupten. Die Landesregierung solle sich deshalb für einen tragfähigen Kompromiss beim Gebäudeenergiegesetz einsetzen, der langfristig Bestand hat. Zu den großen Arbeitgebern der Branche im Freistaat zählen neben Glen Dimplex unter anderem Wolf aus Mainburg, Kermi aus Plattling und ait-Deutschland mit Sitz in Kasendorf.

Mittwoch, 21.01.2026, 16:36 Uhr
Heidi Roider
Energie & Management > Wärme - Wärmepumpenbranche umwirbt bayerischen Wirtschaftsminister
BWP-Chef Martin Sabel, Peter Kuscher vom BWP sowie Olaf Zimmermann von der SHK-Innung München beim Pressegespräch in München. Quelle: Heidi Roider
Wärme
Wärmepumpenbranche umwirbt bayerischen Wirtschaftsminister
Die Wärmepumpenbranche hat sich mit Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger getroffen. Die Branche betonte, dass die Wärmepumpe gerade für Bayern wichtig ist.
Vertreter von Industrie- und Handwerksunternehmen sowie der Bundesverband Wärmepumpe (BWP) haben sich am 21. Januar in München mit dem bayerischen Staatsminister für Energie und Wirtschaft, Hubert Aiwanger (Freie Wähler), getroffen. Ihr Ziel: ein offener Austausch über die Wärmepumpe.

Dass sich die Wärmepumpenbranche mit der bayerischen Staatsregierung trifft, hat zwei wesentliche Gründe: Zum einen ist das Bundesland als Absatzmarkt und als Wirtschaftsstandort für die Branche wichtig. Zum anderen steht insbesondere Bayerns Wirtschaftsminister Aiwanger der Technologie Wärmepumpe kritisch gegenüber. Aiwanger bezeichnete die Wärmepumpe zum Beispiel als „Symbol der grünen Ideologie“. Man dürfe darauf nicht einseitig setzen. Das Gespräch der Wirtschaftsvertreter mit dem Wirtschaftsminister fand ohne Presse statt. 

Bei einem anschließenden Pressegespräch im Gebäude der SHK-Innung München − bei dem Aiwanger nicht mehr dabei war − betonten die Industrie- und Verbandsvertreter, dass der „Austausch sehr offen und positiv“ verlaufen sei. Im Mittelpunkt des Gesprächs standen die anstehenden Entscheidungen zum Gebäudeenergiegesetz (GEG) sowie die künftige Ausgestaltung der Heizungsförderung.

„Ruhe in die Debatte“

Olaf Zimmermann von der SHK-Innung München sagte, dass er den Einruck hatte, Hubert Aiwanger habe verstanden, dass es Technologieoffenheit brauche. Außerdem haben die Vertreter deutlich gemacht, dass es wichtig ist, „Ruhe in die Debatte zu bringen“, sagte Thomas Nowak, Vizepräsident des Wärmepumpenherstellers Qvantum. 

Nach Angaben der Branche hat sich die Wärmepumpe zur meistgewählten Heizungsart entwickelt. „Im vergangenen Jahr wurden bundesweit 600.000 Heizungssysteme verkauft, davon waren 300.000 Wärmepumpen“, sagte BWP-Geschäftsführer Martin Sabel. Ein wesentlicher Teil der Wertschöpfung finde hierzulande in Bayern statt. Vor diesem Hintergrund forderten die Teilnehmer die Staatsregierung auf, sich in Berlin für einen belastbaren gesetzlichen Rahmen einzusetzen. Der Bundesförderung effiziente Gebäude (BEG) komme dabei eine zentrale Rolle zu. Rund ein Fünftel der Förderanträge stamme aus Bayern.

Gemeinsames Schreiben an die Staatsregierung

Dem Treffen war ein Schreiben von 17 Unternehmen aus Heizungsindustrie, Handwerk und Energieversorgung an Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und Staatsminister Aiwanger vorausgegangen. Darin verweisen die Unterzeichner auf die wirtschaftliche Bedeutung der Branche im Freistaat. In Bayern beschäftigt der Wirtschaftszweig nach eigenen Angaben rund 5.000 Menschen und erzielt einen Umsatz von mehr als einer Milliarde Euro. Dazu kommen laut Auskunft von SHK-Innung und BWP weitere 65.000 Beschäftigte im SHK-Handwerk. 

Die Unternehmen sehen in der Wärmewende auch ein industriepolitisches Thema für Bayern. Martin Sabel betonte: „Jeder Euro, der in die Heizungsförderung fließt, löst das Vierfache an Investitionen in den Gebäudebestand aus. Das kommt nicht nur der Industrie und dem Handwerk zugute, sondern auch den Hauseigentümern, die sich auf eine sichere, bezahlbare und ökologisch sinnvolle Wärmeversorgung ausrichten wollen.“

Seit Anfang 2024 hätten rund 100.000 Hauseigentümer in Bayern Fördermittel in Anspruch genommen. Etwa 20 Prozent der bundesweiten Mittel flössen in den Freistaat, was einem Volumen von 500 bis 600 Millionen Euro pro Jahr entspreche. Damit leiste Bayern einen überdurchschnittlichen Beitrag zu den Zielen im Gebäudebereich.

Handwerk verweist auf hohe Nachfrage und Unsicherheit

Aus Sicht des Handwerks wächst der Informationsbedarf bei Hauseigentümern. Ralf Suhre, Geschäftsführer der SHK-Innung München, schilderte eine hohe Verunsicherung bei Kunden bei dem Pressegespräch mit Blick darauf, ob das Heizen mit Öl und Gas in Zukunft nicht mehr sicher und bezahlbar sein könnte. Viele Eigentümer erwögen daher den Umstieg auf erneuerbare Alternativen. Die Betriebe reagierten mit Neueinstellungen sowie zusätzlichen Investitionen in Aus- und Weiterbildung. Dafür brauche das Handwerk jedoch klare Perspektiven.

Auch die Industrie machte ihre Erwartungen deutlich. Kerstin Wolff, Geschäftsführerin des Kulmbacher Herstellers Glen Dimplex, verwies auf umfangreiche Investitionen in Produktionskapazitäten und Arbeitsplätze in den vergangenen Jahren. Diese Entscheidungen hätten auf dem geltenden Gebäudeenergiegesetz basiert.

Der europäische Heizungsmarkt stehe unter starkem Wettbewerbsdruck. Bayerische Unternehmen hätten gute Voraussetzungen, ihre technologische Position zu behaupten. Die Landesregierung solle sich deshalb für einen tragfähigen Kompromiss beim Gebäudeenergiegesetz einsetzen, der langfristig Bestand hat. Zu den großen Arbeitgebern der Branche im Freistaat zählen neben Glen Dimplex unter anderem Wolf aus Mainburg, Kermi aus Plattling und ait-Deutschland mit Sitz in Kasendorf.

Mittwoch, 21.01.2026, 16:36 Uhr
Heidi Roider

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