Quelle: Shutterstock / DC Studio
Der Thinktank „Dezernat Zukunft“ plädiert dafür, die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) gegen einen „Sanierungskostendeckel“ zu ersetzen. Das BEG habe zu viele Schwachstellen.
Der
Berliner Thinktank Dezernat Zukunft hat in einer aktuellen Studie die Verteilungswirkungen der bestehenden Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) analysiert und zugleich einen Reformvorschlag veröffentlicht, teilte das Institut mit.
Zentraler Kritikpunkt: Die BEG-Förderung ist ineffizient, da sie viel Fördergeld an bereits wirtschaftliche Vorhaben vergibt. Die gegenwärtige Investitionsförderung führe zugleich zu Über- und Unterförderung. Je nach Preisannahmen fließen 30 bis 60 Prozent der Fördermittel in Maßnahmen, die bereits ohne Zuschuss wirtschaftlich wären. Gleichzeitig verbleiben für bestimmte Haushalte Belastungsspitzen von über fünf Prozent des Nettoeinkommens.
Auf der anderen Seite adressiert die BEG nach Einschätzung der Autoren Härtefälle nicht zielgenau. Trotz Einkommensbonus verbleiben in den unteren Einkommensdezilen Mehrbelastungen von bis zu 1.200 Euro pro Jahr. Zudem korrelieren die erforderlichen Investitionssummen nur schwach mit dem Einkommen. In Ein- und Zweifamilienhäusern liegen die Investitionen selbst mit Förderung häufig zwischen 40.000 und 60.000 Euro.
Sanierungskostendeckel als GegenmodellAls Alternative schlagen die Autoren einen „Sanierungskostendeckel“ vor. Kern des Modells ist die Förderung der individuellen Wirtschaftlichkeitslücke. Maßgeblich sind die Differenzkosten zwischen einem fossilen Referenzsystem und einer klimaneutralen Lösung über die gesamte Finanzierungsdauer hinweg. Förderfähig wären neben Investitionskosten auch Finanzierungskosten sowie laufende Betriebs- und Wartungskosten auf Basis standardisierter Benchmarks.
Die Förderung deckt dabei nicht die gesamte Lücke. Es wird ein Kostendeckungsgrad von 70 Prozent in dieser Studie unterstellt. Dadurch verbleibt ein Eigenanteil, der Anreize für kostenbewusstes Handeln setzt. Ergänzend sehen die Autoren eine Einkommensstaffel vor. Für niedrige Einkommen könnte der Deckungsgrad auf bis zu 95 Prozent steigen, während er in oberen Dezilen deutlich absinkt.
Um Fehlanreize zu vermeiden, soll die förderfähige Sanierungstiefe auf ein volkswirtschaftlich sinnvolles Niveau begrenzt werden. Als Referenz nennen die Autoren einen Effizienzhaus-70-Standard in Kombination mit erneuerbarer Wärme.
Kreditgarantien zur Sicherung der FinanzierungEin weiterer Baustein betrifft die Finanzierung. Die Autoren verweisen auf Haushalte mit geringen liquiden Mitteln und eingeschränktem Kreditzugang. Eine reine Zuschussförderung löse dieses Problem nicht. Vorgeschlagen wird daher eine staatliche Kreditgarantie über die KfW, die einen Teil des Ausfallrisikos übernimmt.
Die Garantie könnte auf besonders sanierungsbedürftige Gebäude oder bestimmte sozioökonomische Gruppen beschränkt werden. Damit soll verhindert werden, dass wirtschaftliche Maßnahmen an fehlender Kreditverfügbarkeit scheitern.
Nach Berechnungen der Autoren würde der Sanierungskostendeckel die Förderkosten verglichen zur bestehenden BEG um rund 40 Prozent senken. Selbst bei einer auf 1,5 Prozent steigenden Sanierungsrate entstünde kein zusätzlicher Mittelbedarf gegenüber dem Status quo.
Die Studie
„Der Sanierungskostendeckel“ ist auf der Homepage des Thinktanks
Dezernat Zukunft als PDF abrufbar.
Montag, 23.02.2026, 12:21 Uhr
© 2026 Energie & Management GmbH