Hansewerk Natur kümmert sich in Zukunft um die Nahwärme in Tarp. Quelle: Hansewerk
Fast 800 Kommunen wurden befragt: Der Wärmeplanungsprozess läuft, doch bei der Realisierbarkeit der Pläne gehen die Einschätzungen deutlich auseinander.
An der fünften Kommunenumfrage der Deutschen Energie-Agentur („dena“) haben 778 Kommunen teilgenommen. Die Ergebnisse zeigen ein gespaltenes Bild: 46 Prozent der Befragten halten ihre Wärmeplanung für realistisch umsetzbar, ebenfalls 46 Prozent sehen das nicht so, acht Prozent halten die Pläne sogar für nicht umsetzbar. Positiv bewertet werden dagegen die Qualität der erarbeiteten Zielszenarien sowie gute Ausgangsbedingungen wie vorhandene Infrastruktur oder ansässige Energieversorgungsunternehmen.
Umsetzungsphase deutlich vorangeschritten
40 Prozent der teilnehmenden Kommunen befinden sich bereits in der Umsetzungsphase, 32 Prozent führen die Wärmeplanung gerade durch, 18 Prozent bereiten sie vor. Neun Prozent sind noch nicht aktiv in der Wärmeplanung. Im Vergleich zur Vorjahresumfrage hat sich die Zahl der Kommunen in der Umsetzungsphase damit mehr als verdoppelt.
Robert Brückmann, Leiter des Kompetenzzentrums Kommunale Wärmewende (KWW) der Dena, sieht darin einen deutlichen Fortschritt: Der Wärmeplanungsprozess sei in Deutschland in vollem Gange, die Erkenntnisse aus den vorliegenden Plänen bildeten ein stabiles Fundament für die Fortschreibungen. Diese Fortschreibungen seien der entscheidende Schritt, um die Qualität der Wärmepläne zu heben und die Umsetzung präziser anzugehen.
Die vorliegenden Wärmepläne erlauben zudem einen ersten bundesweiten Abgleich von eingeplanten und tatsächlich verfügbaren Ressourcen. So wird Holz als Rohstoff zur Wärmeerzeugung deutlich häufiger eingeplant, als es vor Ort verfügbar ist: 41 Prozent der Kommunen planen entsprechende Anlagen ein, doch nur 37 Prozent von ihnen könnten dafür auf Ressourcen aus eigenen Waldbeständen zurückgreifen.
Sanierungsrate soll durch Beratung steigen
44 Prozent der Befragten gehen in ihren Wärmeplänen von einer Sanierungsrate von mehr als 1,5 Prozent im Gebäudebestand aus, während sie deutschlandweit derzeit bei unter einem Prozent liegt. Erreicht werden soll dieses Ziel vor allem über Beratungs- und Informationsangebote, die 64 Prozent der Kommunen als zentralen Hebel nennen. 26 Prozent setzen auf die Vorbildfunktion kommunaler Liegenschaften, nur 22 Prozent planen eigene Förderprogramme oder andere finanzielle Anreize.
Die Zusammenarbeit zwischen Kommunen und Dienstleistenden bewerten acht von zehn Kommunen als gut oder sehr gut, wobei vor allem regelmäßiger Austausch und gute Erreichbarkeit gelobt werden (56 Prozent). Kritischer beurteilt werden die Berichtsqualität (15 Prozent) sowie Datenerhebung und -qualität sowie Kommunikationsdefizite bei Dienstleistenden (je 11 Prozent).
Bei der Umsetzung stehen viele Kommunen noch am Anfang: Lediglich elf Prozent sind bereits aktiv in der Bauplanung tätig, rund ein Drittel diskutiert konkrete Maßnahmen. 76 Prozent der Kommunen wünschen sich vor allem einen besseren Überblick über rechtliche und planerische Verknüpfungen von Wärmeplanung und Bauplanungsrecht.
Auch beim Thema Kommunikation sehen die Kommunen großen Bedarf: 83 Prozent halten mehr Kommunikationsmaßnahmen für nötig, um die Akzeptanz bei Bürgerinnen und Bürgern zu erhöhen. Brückmann wertet die Umfrageergebnisse als wichtigen Impuls für die eigene Arbeit des KWW; mittlerweile schätzten 60 Prozent der Befragten ihren persönlichen Wissensstand als eher hoch ein. (gd)
Donnerstag, 17.09.2026, 11:53 Uhr
Günter Drewnitzky
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