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Eine vom Umweltinstitut München beauftragte Studie zeigt: Die frühzeitige Planung der Stilllegung von Gasnetzen könnte Haushalte und Staat um Milliarden entlasten.
Eine vom Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung (IFAM) erstellte Studie warnt vor steigenden Kosten infolge fehlender Stilllegungspläne für Gasverteilnetze. Die im Auftrag des Umweltinstituts München erstellte Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass ein frühzeitiger Rückbau deutliche finanzielle Vorteile für Haushalte und öffentliche Haushalte bringen würde.
Hintergrund ist ein Gesetzentwurf des Bundeswirtschaftsministeriums zur Umsetzung der EU-Gasbinnenmarktrichtlinie. Demnach sollen Netzbetreiber künftig berechtigt sein, Gasanschlüsse zu verweigern und Netzteile stillzulegen, sofern sie mehrjährige Ankündigungsfristen einhalten und einen Verteilnetzentwicklungsplan (VNEP) vorlegen.
Kernergebnisse der Studie, die von Protect the Planet, GasWende und dem Deutschen Naturschutzring (DNR) unterstützt wurde, sind:
1. Heizen mit Gas wird sehr teuer. Grund dafür ist die sinkende Zahl von Gaskunden, auf die sich die Kosten des Gasnetzes verteilen. Bei unverändertem Netzbetrieb trotz rückläufiger Nutzung könnten die Netzentgelte für einen Drei-Personen-Haushalt bis zum Jahr 2045 um jährlich 3.000 bis 4.000 Euro steigen.
2. Bislang haben Netzbetreiber keinen finanziellen Anreiz, den Ausstieg aus der Gaslieferung zu planen, weil sie nach geltendem Recht die steigenden Kosten auf die Kunden umlegen können. Das könnte mittelfristig zur Einführung einer Preisobergrenze zur Deckelung der Kosten für die einzelnen Haushalte führen, die wiederum staatlich finanziert werden müsste. Durch verbindliche Einreichfristen für Verteilnetzentwicklungspläne ließen sich dem Fraunhofer IFAM zufolge die dafür notwendigen Subventionen um mehr als die Hälfte reduzieren.
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Förderkosten Netzentgeldbremse nach Höhe der Preisobergrenze - zum Vergrößer der Grafik bitte auf das Bild klicken - Quelle: Fraunhofer IFAM |
So würden bei einer Preisobergrenze von 8
Cent pro kWh die Förderkosten im Falle einer frühen Planung (bis 2027) etwa 1,6
Milliarden Euro betragen. Bei einer verzögerten Planung (bis 2035) wären es 4,2
Milliarden Euro. Eine frühe Planung der Stilllegung würde somit 2,6
Milliarden Euro an Steuergeldern sparen. Bei einer Preisobergrenze von 4
Cent pro kWh könnte der Staat sogar 7
Milliarden Euro sparen (5
Milliarden Euro bei Planung bis 2027 gegenüber. 12
Milliarden Euro bei Planung bis 2035).
3.
Zeitverzögerungen zwischen Planung und Stilllegung aufgrund von langen Ankündigungs- und Prüfungsfristen verursachen Zusatzkosten und sollten deshalb vermieden werden.
Die Kosteneinsparungen durch frühzeitige Planung lassen sich nur realisieren, wenn Netzbetreiber zeitnah nach Planungsbeginn auf den Rückgang der Gasnachfrage reagieren können, indem sie Straßenzüge Schritt für Schritt außer Betrieb nehmen. Zudem brauchen sie Flexibilität, um im Laufe der Zeit Anpassungen an ihrer Strategie vornehmen zu können.
Die vollständige Studie
„Kosteneinsparungen einer frühen Gasnetzstilllegungsplanung“ ist im Internet abrufbar.
Dienstag, 9.12.2025, 10:50 Uhr
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