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Die russische Rosatom ist zuständig für den Bau des Kernkraftwerks im ungarischen Paks. Siemens Energy ist nicht mehr dabei, dafür soll nun ein US-Unternehmen beteiligt sein.
Auf dem Areal des ungarischen Kernkraftwerks Paks haben die Bauarbeiten für zwei weitere Reaktoren mit einer installierten Leistung von jeweils 1.200 MW begonnen. Ursprünglich war auch die deutsche Siemens Energy an dem Megaprojekt beteiligt und sollte Steuerungselektronik für die beiden Blöcke liefern. Wie jetzt erst bekannt wurde, hat die bei Paks II federführende russische Rosatom die Zusammenarbeit mit den Deutschen aber schon im Dezember 2025 beendet.
Wegen eines Exportverbots durch den deutschen Bundestag hatte Siemens Energy zunächst keine Genehmigung für die geplanten Lieferungen nach Ungarn erhalten. Damit habe das Unternehmen seine vertraglichen Verpflichtungen faktisch nicht mehr erfüllen können, heißt es bei Rosatom.
Einem Sprecher von Siemens Energy zufolge lagen zum Zeitpunkt der Kündigung jedoch keine sanktionsrechtlichen Hindernisse vor. Vielmehr sei die Kündigung des Vertrags allein vom Kunden ausgegangen. Im Zusammenhang mit Paks II war zunächst sogar erwogen worden, die nukleare Leittechnik-Sparte von Siemens Energy nach Budapest zu verlagern. So hätten ungarische Behörden die Genehmigungshoheit übernommen, dadurch hätte das deutsche Verbot umgangen werden können.
Ursprünglich sollten die Deutschen die Steuerungselektronik für die nunmehr im Bau befindlichen beiden Kernreaktoren in Paks II liefern und hatten dafür ein Konsortium mit der französischen Framatome gegründet. Die Verträge mit Rosatom wurden 2019 und 2020 unterzeichnet. An den Vereinbarungen mit den Franzosen halten die Russen wie auch die Ungarn ausdrücklich fest. Dem ungarischen Handelsminister Peter Szijjarto zufolge will die Regierung in Budapest die Zusammenarbeit mit Framatome in den nächsten Jahren vertiefen.
Der US-amerikanische IT-Konzern IBM ist nun mit dabei
Die Komponenten, die Siemens Energy ursprünglich liefern sollte, machen nach ungarischen Angaben wertmäßig weniger als 4 Prozent der gesamten Ausstattung von Paks II aus und können durch andere Anbieter oder Eigenentwicklungen ersetzt werden. Rosatom sondiere schon mehrere Optionen, um die entstandene Lücke in der Leittechnik zu schließen. Die beiden Reaktoren sollen in den Jahren 2031 und 2032 ans Netz gehen. Ob dieser Zeitplan durch die Neuausschreibung der Steuerungstechnik beeinflusst werde, bleibe abzuwarten, heißt es in Budapest.
Noch ein weiterer Umstand lässt aufhorchen. Nach Angaben aus dem ungarischen Handelsministerium wurde zwischenzeitlich vereinbart, dass die Vereinigten Staaten die zuvor gegen Paks II verhängten Sanktionen aufheben. Dies hängt offensichtlich damit zusammen, dass der US-amerikanische IT-Konzern IBM maßgeblich in die Digitalisierung von Paks II eingebunden ist.
Unterdessen hat US-Außenminister Marco Rubio bei seinem jüngsten Besuch in Budapest Vereinbarungen über den Ausbau der im November 2025 eingeläuteten ungarisch-amerikanischen Energiepartnerschaft getroffen. Beide Länder vertiefen ihre Zusammenarbeit im Bereich der zivilen Atomkraft. Ungarn wird künftig US-amerikanische Kernbrennstoffe kaufen und US-Technologie zur Lagerung abgebrannter Brennelemente einsetzen. Außerdem soll die Entwicklung kleiner Modulreaktoren (SMR) auf Basis von US-Know how forciert werden.
Mittwoch, 18.02.2026, 12:32 Uhr
Karin Rogalska
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