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Die von der EU-Kommission geplanten Änderungen am Emissionshandelssystem könnten zu einem Überschuss an Zertifikaten und damit zu Fehlanreizen führen, warnt die Denkfabrik Sandbag.
Die von der EU-Kommission vorgeschlagenen Änderungen am EU-Emissionshandelssystem (EU ETS) könnten nach Berechnungen der Denkfabrik Sandbag bis 2040 einen Überschuss von 1,54
Milliarden EU-Emissionsberechtigungen (EUA) erzeugen. Insbesondere die Einführung eines höheren Emissionsdeckels (Cap), die Ausgabe zusätzlicher Zertifikate zur Finanzierung von CO2-Entnahmen sowie Änderungen an der Marktstabilitätsreserve (MSR) sehen die Analysten kritisch.
Sandbag hat diese Vorschläge anhand mehrerer Emissionsszenarien aus der Folgenabschätzung der EU-Kommission modelliert. Die Ausgangslage: Nach den Berechnungen der Studie gab es Ende 2025 insgesamt 2,19
Milliarden überschüssige Zertifikate. Nach der Ungültigkeitserklärung von 270
Millionen Zertifikaten aus der MSR zum 1.
Januar 2026 verblieben 1,902 Milliarden EUA. Gleichzeitig verursachten die vom EU ETS erfassten Anlagen und Unternehmen 2025 nach Schätzung von Sandbag Emissionen von rund 1,139
Milliarden Tonnen CO2. Der Zertifikateüberschuss entsprach damit dem1,7-fachen der Emissionen.
Nach den aktuellen Vorschlägen der Kommission soll die Menge der künftig verfügbaren Zertifikate langsamer sinken als bislang vorgesehen: Der sogenannte lineare Reduktionsfaktor soll von derzeit 4,4
Prozent auf 3,7
Prozent für 2031 bis 2035 und anschließend auf 1,7
Prozent sinken. Darüber hinaus sollen zwischen 2031 und 2040 bis zu 260
Millionen zusätzliche Zertifikate versteigert werden, um Verfahren zu finanzieren, die CO2 aus der Atmosphäre entfernen.
Schwächere Anreize zur EmissionsreduktionSandbag hat in der aktuellen Analyse verschiedene Szenarien dafür entwickelt, wie stark die europäischen Emissionen bis 2040 sinken könnten. In einem zentralen Szenario sinken die gesamten EU-Emissionen gegenüber 1990 um 85
Prozent. Die Emissionen der vom EU ETS erfassten Bereiche sinken dabei gegenüber 2005 um 89
Prozent.
Nach den heute gültigen Regeln würde sich in diesem Szenario 2040 ein Mangel von 363
Millionen Zertifikaten ergeben. Mit dem von der EU-Kommission vorgeschlagenen neuen Emissionsdeckel würde daraus hingegen ein Überschuss von 736 Millionen Zertifikaten entstehen. Kommen die zusätzlichen 260
Millionen Zertifikate zur Finanzierung der CO2-Entnahme hinzu, steigt der errechnete Überschuss auf 996
Millionen. Die vorgesehenen Änderungen an der Marktstabilitätsreserve führten zu weiteren Überschüssen: Insgesamt rechnet die Denkfabrik in diesem Szenario mit 1,1
Milliarden überzähligen Zertifikaten.
Und damit nicht genug: Falls zusätzlich der im April vorgeschlagene Verzicht auf die Ungültigkeitserklärung von MSR-Zertifikaten oberhalb von 400
Millionen EUA umgesetzt wird, errechnet Sandbag für 2040 sogar einen Überschuss von 1,54
Milliarden EUA. Bei Emissionen von 273
Millionen Tonnen CO2 entspräche dies dem 5,6-Fachen der Jahresemissionen. Im weniger ambitionierten Szenario mit 75
Prozent EU-weiter Emissionsminderung läge das Verhältnis dagegen wie heute beim Faktor 1,7.
Damit würde die EU mit den geplanten Änderungen das vom CO2-Preis ausgehende Signal deutlich schwächen, folgert die Denkfabrik. Der Anreiz, dem Pfad zum ambitionierteren 85-Prozent-Ziel zu folgen, werde geringer.
Der vollständige:
„Technical brief. EU ETS review: impacts on the market balance“ ist auf den Internetseiten von Sandback zum Download verfügbar.
(kmt)
Mittwoch, 12.08.2026, 15:12 Uhr
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