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Energie & Management > Gas - Russland arbeitet am Gaslieferstopp an Europa
Quelle: Katia Meyer-Tien
Gas

Russland arbeitet am Gaslieferstopp an Europa

Nachdem der russische Präsident über einen möglichen Gaslieferstopp an Europa gesprochen hatte, kündigte Vizepremier Alexander Nowak an, Lieferungen von Europa nach Asien umzulenken.
In einem Fernsehinterview erklärte Präsident Wladimir Putin am 4. März, dass durch die Ereignisse im Nahen Osten und die Schließung der Straße von Hormus die Preise gestiegen seien. Auch wenn Europa keine Engpässe habe, weil Algerien, die USA, Norwegen und Russland hauptsächlich Gas lieferten, seien „Kunden aufgetaucht, die bereit sind, dasselbe Erdgas zu höheren Preisen zu kaufen.“

Da die EU ebenso plane, demnächst Beschränkungen für den Kauf von russischem Gas, inklusive LNG einzuführen und diese 2027 schließlich ganz zu verbieten, schlussfolgerte er: „Nun öffnen sich andere Märkte. Und vielleicht ist es für uns profitabler, jetzt die Lieferungen an den europäischen Markt einzustellen. Wir sollten uns auf die sich öffnenden Märkte konzentrieren und dort Fuß fassen.“ Noch liege hierzu kein Beschluss vor, aber er wolle die Regierung anweisen, zusammen mit Unternehmen an dieser Frage zu arbeiten. 

Lieferungen nach Asien umlenken

„Auf Anweisung des russischen Präsidenten haben wir uns heute mit dieser Frage befasst. Wir haben die aktuelle Lage und die Möglichkeiten zur Gasumlenkung eingehend erörtert. Es wurde beschlossen, einen Teil LNG-Mengen, die derzeit nach Europa geliefert werden, an andere Märkte umzulenken, mit denen konstruktive und pragmatische Beziehungen aufgebaut werden, wo Nachfrage und die Möglichkeit zum Abschluss langfristiger Verträge besteht“, erklärte Alexander Nowak zu einer Sitzung mit Kabinettsmitgliedern und Branchenspitzen am 6. März.

Das besondere Augenmerk liegt laut offizieller Regierungsmitteilung „auf der Umleitung russischer Gaslieferungen aus Europa auf zuverlässigere und profitablere Märkte im Zusammenhang mit der schrittweisen Drosselung der Gaslieferungen aus Russland, die die Europäische Union beschlossen hat.“ Es gehe um neue langfristige Verträge, „ohne auf weitere Beschränkungen aus Europa zu warten“, erklärte Nowak russischen Medien zufolge und bekräftigte, die Unternehmen befänden sich bereits in Verhandlungen, „und in Kürze werden Gasmengen vom europäischen Markt direkt in befreundete Länder fließen.“

Konkret nannte er Indien, Thailand, die Philippinen und China. Angesichts einer möglichen längeren Blockade der Straße von Hormus und Lieferengpässen aus Katar könnte es zu einem Wettlauf um LNG, auch aus Russland, kommen, äußerte Alexej Griwatsch vom Nationalen Energiesicherheitsfonds gegenüber der russischen Nachrichtenagentur Tass am 5. März.

Besondere Knappheit in Europa

Auf dem Weltmarkt herrsche eine gravierende Knappheit, aufgrund derer die Preise in Europa um 70 Prozent gestiegen seien, während sie sich im asiatisch-pazifischen Raum fast verdoppelt hätten, so Nowak. „Die nächste Runde von Beschränkungen für Gaslieferungen aus Russland tritt am 25. April in Kraft. Dies wird zweifellos sehr negative Auswirkungen auf die europäischen Verbraucher, die Gaspreise in Europa und die europäische Bevölkerung haben. Die Menschen werden schlichtweg mehr bezahlen müssen.“ Die Gasknappheit auf dem Weltmarkt wird sich ihm zufolge besonders auf Europa auswirken.

Im vergangenen Jahr lieferte Russland 38 Milliarden Kubikmeter Gas und belegte damit nach Norwegen, den USA und Algerien den vierten Platz. Auch wenn die LNG-Lieferungen um knapp 6 Prozent auf rund 20 Milliarden Kubikmeter sanken, war Russland hinter den USA der zweitgrößte Lieferant für die EU. Im Januar und Februar 2026 stiegen die russischen LNG-Lieferungen an die EU um 11 Prozent auf fast 4,5 Milliarden Kubikmeter.

Zugleich hatte Präsident Putin mit Blick auf Ungarn und die Slowakei erklärt: „Wir beliefern sie mit unseren Energieressourcen: Öl und Gas. Und wir wollen das auch in Zukunft tun, vorausgesetzt natürlich, die Führung dieser Länder verfolgt weiterhin dieselbe Politik wie heute und bleibt uns ein verlässlicher Partner.“ Die Regierungsspitzen beider Länder lehnen den beschlossenen Ausstieg der EU aus russischen Öl- und Gasimporten ab. Putin warnte demnach vor einer Kursänderung in Ungarn durch eine Abwahl von Premier Viktor Orban im April. Dann kann Ungarn aus Sicht Putins den Status eines zuverlässigen Partners offenbar verlieren. 

Montag, 9.03.2026, 11:55 Uhr
Josephine Bollinger-Kanne
Energie & Management > Gas - Russland arbeitet am Gaslieferstopp an Europa
Quelle: Katia Meyer-Tien
Gas
Russland arbeitet am Gaslieferstopp an Europa
Nachdem der russische Präsident über einen möglichen Gaslieferstopp an Europa gesprochen hatte, kündigte Vizepremier Alexander Nowak an, Lieferungen von Europa nach Asien umzulenken.
In einem Fernsehinterview erklärte Präsident Wladimir Putin am 4. März, dass durch die Ereignisse im Nahen Osten und die Schließung der Straße von Hormus die Preise gestiegen seien. Auch wenn Europa keine Engpässe habe, weil Algerien, die USA, Norwegen und Russland hauptsächlich Gas lieferten, seien „Kunden aufgetaucht, die bereit sind, dasselbe Erdgas zu höheren Preisen zu kaufen.“

Da die EU ebenso plane, demnächst Beschränkungen für den Kauf von russischem Gas, inklusive LNG einzuführen und diese 2027 schließlich ganz zu verbieten, schlussfolgerte er: „Nun öffnen sich andere Märkte. Und vielleicht ist es für uns profitabler, jetzt die Lieferungen an den europäischen Markt einzustellen. Wir sollten uns auf die sich öffnenden Märkte konzentrieren und dort Fuß fassen.“ Noch liege hierzu kein Beschluss vor, aber er wolle die Regierung anweisen, zusammen mit Unternehmen an dieser Frage zu arbeiten. 

Lieferungen nach Asien umlenken

„Auf Anweisung des russischen Präsidenten haben wir uns heute mit dieser Frage befasst. Wir haben die aktuelle Lage und die Möglichkeiten zur Gasumlenkung eingehend erörtert. Es wurde beschlossen, einen Teil LNG-Mengen, die derzeit nach Europa geliefert werden, an andere Märkte umzulenken, mit denen konstruktive und pragmatische Beziehungen aufgebaut werden, wo Nachfrage und die Möglichkeit zum Abschluss langfristiger Verträge besteht“, erklärte Alexander Nowak zu einer Sitzung mit Kabinettsmitgliedern und Branchenspitzen am 6. März.

Das besondere Augenmerk liegt laut offizieller Regierungsmitteilung „auf der Umleitung russischer Gaslieferungen aus Europa auf zuverlässigere und profitablere Märkte im Zusammenhang mit der schrittweisen Drosselung der Gaslieferungen aus Russland, die die Europäische Union beschlossen hat.“ Es gehe um neue langfristige Verträge, „ohne auf weitere Beschränkungen aus Europa zu warten“, erklärte Nowak russischen Medien zufolge und bekräftigte, die Unternehmen befänden sich bereits in Verhandlungen, „und in Kürze werden Gasmengen vom europäischen Markt direkt in befreundete Länder fließen.“

Konkret nannte er Indien, Thailand, die Philippinen und China. Angesichts einer möglichen längeren Blockade der Straße von Hormus und Lieferengpässen aus Katar könnte es zu einem Wettlauf um LNG, auch aus Russland, kommen, äußerte Alexej Griwatsch vom Nationalen Energiesicherheitsfonds gegenüber der russischen Nachrichtenagentur Tass am 5. März.

Besondere Knappheit in Europa

Auf dem Weltmarkt herrsche eine gravierende Knappheit, aufgrund derer die Preise in Europa um 70 Prozent gestiegen seien, während sie sich im asiatisch-pazifischen Raum fast verdoppelt hätten, so Nowak. „Die nächste Runde von Beschränkungen für Gaslieferungen aus Russland tritt am 25. April in Kraft. Dies wird zweifellos sehr negative Auswirkungen auf die europäischen Verbraucher, die Gaspreise in Europa und die europäische Bevölkerung haben. Die Menschen werden schlichtweg mehr bezahlen müssen.“ Die Gasknappheit auf dem Weltmarkt wird sich ihm zufolge besonders auf Europa auswirken.

Im vergangenen Jahr lieferte Russland 38 Milliarden Kubikmeter Gas und belegte damit nach Norwegen, den USA und Algerien den vierten Platz. Auch wenn die LNG-Lieferungen um knapp 6 Prozent auf rund 20 Milliarden Kubikmeter sanken, war Russland hinter den USA der zweitgrößte Lieferant für die EU. Im Januar und Februar 2026 stiegen die russischen LNG-Lieferungen an die EU um 11 Prozent auf fast 4,5 Milliarden Kubikmeter.

Zugleich hatte Präsident Putin mit Blick auf Ungarn und die Slowakei erklärt: „Wir beliefern sie mit unseren Energieressourcen: Öl und Gas. Und wir wollen das auch in Zukunft tun, vorausgesetzt natürlich, die Führung dieser Länder verfolgt weiterhin dieselbe Politik wie heute und bleibt uns ein verlässlicher Partner.“ Die Regierungsspitzen beider Länder lehnen den beschlossenen Ausstieg der EU aus russischen Öl- und Gasimporten ab. Putin warnte demnach vor einer Kursänderung in Ungarn durch eine Abwahl von Premier Viktor Orban im April. Dann kann Ungarn aus Sicht Putins den Status eines zuverlässigen Partners offenbar verlieren. 

Montag, 9.03.2026, 11:55 Uhr
Josephine Bollinger-Kanne

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