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KI-Rechenzentren haben oft einen Energieverbrauch von mehreren Hundert MW und erreichen teilweise sogar GW-Werte. Deshalb sind die USA auch der größte Markt für BHKW.
Umso wichtiger ist es, die Stromversorgung oder Wärmeabfuhr von Datenzentren so zu steuern, dass sie zu intelligenten Systemen werden, die Energie auch effizient nutzen und bedarfsgerecht verteilen. Dafür braucht es eine Reihe ergänzender Technologien, die in jüngster Zeit vermehrt aus Tschechien zugeliefert werden. So ist etwa die Entwicklungsabteilung von Europas größter Chipherstellerin, der schweizerischen ST Microelectronics, in Prag angesiedelt.
Das derzeit wertvollste Unternehmen der Welt, die US-amerikanische Nvidia, hat vor wenigen Tagen dem US-Unternehmen Onsemi einen Großauftrag erteilt, der im Werk in Roznov pod Radhostem unweit von Ostrava (Mährisch Ostrau im Nordosten des Landes) realisiert wird.
Konkret kooperieren die Unternehmen bei der Umstellung von KI-Rechenzentren auf eine 800-V-DC-Gleichstromversorgung. Dabei werden Leistungswandlungen wie die Hochspannungs-Wechselstrom-Gleichstrom-Wandlung im Umspannwerk bis hin zur präzisen Spannungsregelung auf Prozessorebene abgedeckt, um beispielsweise Verluste bei der Energieübertragung und -umwandlung zu vermindern.
Auch ist die Lieferung von Halbleitern auf Basis von Siliziumkarbid (SiC) vereinbart, die im Vergleich zu herkömmlichem Silizium effizienter sind und es ermöglichen, bei KI-Servern Strom zu sparen. Onsemi wird Chip- und Halbleitertechnologien für Vera Rubin herstellen, dank derer es beispielsweise möglich sein wird, energiehungrige KI-Chips mit der erforderlichen Energiemenge zu versorgen.
Vera Rubin ist eine neue Generation von KI-Chips und KI-Systemen, die in der zweiten Hälfte 2026 auf den Markt kommen und Nachfolger der Blackwell-Generation sein soll, die im vergangenen Jahr den größten Teil des Umsatzes von Nvidia ausmachte.
2JCP: USA wegen KI-Rechenzentren größter Markt für BHKW
Auch das Unternehmen 2JCP im südtschechischen Trebic profitiert vom Boom bei Projekten zur Stromversorgung von KI-Rechenzentren in den USA. Seit Jahresbeginn 2025 produziert das Unternehmen Materialien für Gasturbinen in den USA. Dabei machen sich die Tschechen zunutze, dass KI-Rechenzentren viel Energie verbrauchen, jedoch selten auf stabile Energiequellen zurückgreifen können. Investoren errichten daher neben den Rechenzentren auch dezentrale Stromerzeugungsanlagen, zumeist in Form von Gaskraftwerken.
Der Energiebedarf in den USA wachse enorm, beobachtet 2JCP-Chef Vojtech Krenovsky. Seinen Angaben zufolge müssten jährlich Kraftwerke mit einer installierten Leistung von 80.000 MW installiert werden, um den künftigen US-Bedarf zu decken.
Außer 2JCP expandieren auch andere tschechische Energieunternehmen wie beispielsweise der Blockheizkraftwerke-Hersteller Gentec in den US-Markt. Man arbeite schon lange daran, die Position auf dem amerikanischen Markt zu stärken, und erlebe seit einem halben Jahr einen regelrechten Boom, so Geschäftsführer Vaclav Klein. Die USA seien im Zusammenhang mit den KI-Rechenzentren zum weltweit größten Markt für Blockheizkraftwerke geworden.
Tschechien in Sachen KI hoch gerankt
Tschechien lässt seit Beginn dieses Jahrzehnts immer wieder mit guten Platzierungen in Rankings zu den Themen Digitalisierung oder KI aufhorchen. 2023 war es nach Einschätzung der Europäischen Kommission das innovationsfreudigste EU-Mitglied. Dem Europäischen Digital-Resilienz-Index 2025 zufolge ist es derzeit die europäische Nummer zwei, wenn es um die digitale Widerstandsfähigkeit im privaten und öffentlichen Sektor geht. Und laut AI Readiness Index von 2024/2025 rangiert das Land weltweit auf Platz 30 beziehungsweise in Mittelosteuropa hinter Estland auf dem zweiten Platz, wenn die Bereitschaft von Unternehmern zu Investitionen in KI analysiert wird.
Mittwoch, 28.01.2026, 09:20 Uhr
Karin Rogalska
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