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Energie & Management > Prognose - Fossile haben 2050 immer noch fast 70 Prozent Anteil
Öltanker auf hoher See. Quelle: Shutterstock / Sven Hansche
Prognose

Fossile haben 2050 immer noch fast 70 Prozent Anteil

Der jetzt von Exxonmobil vorgelegte „2026 Global Outlook“ ist vor dem Hintergrund der Ereignisse im Nahen Osten erstellt worden.
Sie haben zu einem der größten Energieversorgungsschocks der Geschichte geführt und verdeutlichen damit die Notwendigkeit eines zuverlässigen Zugangs zu bezahlbarer Energie. Exxonmobil prognostiziert, dass die weltweite Energienachfrage mit Wirtschaftswachstum, steigenden Einkommen und höherem Lebensstandard weiter zunimmt. 

Der Prognose zugrunde gelegt ist ein Wachstum der Weltbevölkerung bis 2050 um etwa 1,5 Milliarden Menschen – konzentriert auf Entwicklungsländer –, eine Zunahme der realen Wirtschaftsleistung um circa 80 Prozent und des durchschnittlichen Einkommens pro Person um rund 70 Prozent – verbunden mit einem höheren Lebensstandard. Bei Berücksichtigung dieser Grundannahmen steigt der weltweite Primärenergieverbrauch von 15,6 Milliarden Tonnen Öleinheiten um 12 Prozent auf 17,5 Milliarden Tonnen Öleinheiten (immer im Vergleich des Vierteljahrhunderts von 2025 bis 2050). 

Der globale Energiemix verändert sich zugunsten der Erneuerbaren. Der Anteil der fossilen Energien verringert sich aber lediglich von 81 auf 69 Prozent. Exxonmobil schätzt voraus, dass sich der Ölverbrauch von etwas über 100 Millionen Barrel pro Tag (mb/d) auf ungefähr 105 mb/d erhöht. Damit bleibt Öl mit 27 Prozent (2025: 30 Prozent) die größte Energiequelle. Für Erdgas wird ein Verbrauchsanstieg um 18 Prozent erwartet. 
 
Der globale Primärenergieverbrauch und Energieträger-Mix 2025 und 2050 nach der Prognose von Exxonmobil im Vergleich zum Szenario „Current policies“ der Internationalen Energieagentur (IEA) und zum Unter-2-Grad-Celsius-Erwärmungsszenario des Weltklimarates ­(IPCC) (in Millionen Barrel Öläquivalenten pro Tag)
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Quelle: Exxonmobil

Demgegenüber sinkt der Verbrauch an Kohle um fast ein Drittel. Die Anteile am Primärenergie-Mix erreichen dann von knapp 25 Prozent aus 26 Prozent für Erdgas und von 26 Prozent aus 16 Prozent für Kohle. Der Anteil der Kernenergie legt von 5 Prozent auf knapp 7 Prozent zu. Der Beitrag Erneuerbarer vergrößert sich von 15 auf 24 Prozent.

Auch der Ölkonzern Exxonmobil sieht den Trend zur Elektrifizierung. So nimmt die weltweite Stromerzeugung um 61 Prozent auf 51.864 TWh zu. Die erneuerbaren Energien kommen auf gut 56 Prozent gegenüber erst einem Drittel im Jahr 2025. Die Kernenergie legt zwar in absoluten Größen zu. Ihr Beitrag zur gesamten Strom­erzeugung bleibt aber mit knapp 9 Prozent konstant. Der Anteil fossiler Energien verringert sich von 58 auf 35 Prozent. Unter den fossilen Energien kehrt sich das Ranking zugunsten von Erdgas und zulasten von Kohle um.

Große klimapolitische Lücke

Die prognostizierte Entwicklung würde dazu führen, dass sich die globalen energiebezogenen CO2-Emssionen weltweit lediglich um 6 Milliarden auf 30 Milliarden Tonnen verringern. Zur Begrenzung des Temperaturanstiegs in der Atmosphäre auf unter 2 Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Niveau wäre dagegen laut Weltklimarat (IPCC), den Exxonmobil zitiert, eine Begrenzung auf 11 Milliarden Tonnen notwendig. 

Eine höhere Energieeffizienz und der Ausbau erneuerbarer Energien sind notwendig, aber repräsentieren nicht den kompletten Lösungsraum. Vielmehr sind alle zur Treibhausgasminderung geeigneten Technologien zum Einsatz zu bringen. Dazu gehören unter anderem: Die Solar­energie muss doppelt so stark zunehmen, wie vom Konzern pro­gnos­tiziert. Die Abscheidung und Speicherung von CO2 (CCS) müsste 2050 mindestens 7 Milliarden statt der prognostizierten 2 Milliarden Tonnen erreichen. Die Nutzung CO2-arm erzeugten Wasserstoffs wäre auf ein Niveau von 170 Millionen Tonnen anzuheben, statt der für 2050 prognostizierten 55 Millionen Tonnen, und müsste damit etwa 100 Mal so groß sein wie im Jahr 2025.

Lektionen für Europa

Für Europa rechnet Exxonmobil – abweichend von den weltweiten Trends – mit einem Rückgang des Primärenergieverbrauchs um 13 Prozent bis 2050. Der Energiemix verändert sich stärker zulasten der fossilen Energien als im Weltdurchschnitt. Deren Anteil steigt in Europa von 47 auf 69 Prozent. Erneuerbare Energien legen von 20 auf 38 Prozent und Kernenergie von 11 auf 15 Prozent zu. 

Die energiebedingten CO2-Emissionen vermindern sich in Europa von 3,2 auf 1,5 Milliarden Tonnen, in der EU-27 von 2,4 auf 0,9 Milliarden Tonnen. Damit sinkt der Anteil der EU-27 an den weltweiten CO2-Emissionen von 6,6 auf 3,0 Prozent.

Der stark regulierte und kostenintensive Ansatz der EU zur Emissionssenkung hat aber laut Exxonmobil wirtschaftliche Schäden zur Folge: Die Industrieproduk­tion geht zurück. Die Wirtschaft wächst nur mit jahresdurchschnittlichen 1,3 Prozent. Für die gesamte Welt werden dagegen 2,4 Prozent Wirtschaftswachstum pro Jahr prognostiziert. (hws)

Freitag, 25.09.2026, 10:30 Uhr
Hans-Wilhelm Schiffer
Energie & Management > Prognose - Fossile haben 2050 immer noch fast 70 Prozent Anteil
Öltanker auf hoher See. Quelle: Shutterstock / Sven Hansche
Prognose
Fossile haben 2050 immer noch fast 70 Prozent Anteil
Der jetzt von Exxonmobil vorgelegte „2026 Global Outlook“ ist vor dem Hintergrund der Ereignisse im Nahen Osten erstellt worden.
Sie haben zu einem der größten Energieversorgungsschocks der Geschichte geführt und verdeutlichen damit die Notwendigkeit eines zuverlässigen Zugangs zu bezahlbarer Energie. Exxonmobil prognostiziert, dass die weltweite Energienachfrage mit Wirtschaftswachstum, steigenden Einkommen und höherem Lebensstandard weiter zunimmt. 

Der Prognose zugrunde gelegt ist ein Wachstum der Weltbevölkerung bis 2050 um etwa 1,5 Milliarden Menschen – konzentriert auf Entwicklungsländer –, eine Zunahme der realen Wirtschaftsleistung um circa 80 Prozent und des durchschnittlichen Einkommens pro Person um rund 70 Prozent – verbunden mit einem höheren Lebensstandard. Bei Berücksichtigung dieser Grundannahmen steigt der weltweite Primärenergieverbrauch von 15,6 Milliarden Tonnen Öleinheiten um 12 Prozent auf 17,5 Milliarden Tonnen Öleinheiten (immer im Vergleich des Vierteljahrhunderts von 2025 bis 2050). 

Der globale Energiemix verändert sich zugunsten der Erneuerbaren. Der Anteil der fossilen Energien verringert sich aber lediglich von 81 auf 69 Prozent. Exxonmobil schätzt voraus, dass sich der Ölverbrauch von etwas über 100 Millionen Barrel pro Tag (mb/d) auf ungefähr 105 mb/d erhöht. Damit bleibt Öl mit 27 Prozent (2025: 30 Prozent) die größte Energiequelle. Für Erdgas wird ein Verbrauchsanstieg um 18 Prozent erwartet. 
 
Der globale Primärenergieverbrauch und Energieträger-Mix 2025 und 2050 nach der Prognose von Exxonmobil im Vergleich zum Szenario „Current policies“ der Internationalen Energieagentur (IEA) und zum Unter-2-Grad-Celsius-Erwärmungsszenario des Weltklimarates ­(IPCC) (in Millionen Barrel Öläquivalenten pro Tag)
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Quelle: Exxonmobil

Demgegenüber sinkt der Verbrauch an Kohle um fast ein Drittel. Die Anteile am Primärenergie-Mix erreichen dann von knapp 25 Prozent aus 26 Prozent für Erdgas und von 26 Prozent aus 16 Prozent für Kohle. Der Anteil der Kernenergie legt von 5 Prozent auf knapp 7 Prozent zu. Der Beitrag Erneuerbarer vergrößert sich von 15 auf 24 Prozent.

Auch der Ölkonzern Exxonmobil sieht den Trend zur Elektrifizierung. So nimmt die weltweite Stromerzeugung um 61 Prozent auf 51.864 TWh zu. Die erneuerbaren Energien kommen auf gut 56 Prozent gegenüber erst einem Drittel im Jahr 2025. Die Kernenergie legt zwar in absoluten Größen zu. Ihr Beitrag zur gesamten Strom­erzeugung bleibt aber mit knapp 9 Prozent konstant. Der Anteil fossiler Energien verringert sich von 58 auf 35 Prozent. Unter den fossilen Energien kehrt sich das Ranking zugunsten von Erdgas und zulasten von Kohle um.

Große klimapolitische Lücke

Die prognostizierte Entwicklung würde dazu führen, dass sich die globalen energiebezogenen CO2-Emssionen weltweit lediglich um 6 Milliarden auf 30 Milliarden Tonnen verringern. Zur Begrenzung des Temperaturanstiegs in der Atmosphäre auf unter 2 Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Niveau wäre dagegen laut Weltklimarat (IPCC), den Exxonmobil zitiert, eine Begrenzung auf 11 Milliarden Tonnen notwendig. 

Eine höhere Energieeffizienz und der Ausbau erneuerbarer Energien sind notwendig, aber repräsentieren nicht den kompletten Lösungsraum. Vielmehr sind alle zur Treibhausgasminderung geeigneten Technologien zum Einsatz zu bringen. Dazu gehören unter anderem: Die Solar­energie muss doppelt so stark zunehmen, wie vom Konzern pro­gnos­tiziert. Die Abscheidung und Speicherung von CO2 (CCS) müsste 2050 mindestens 7 Milliarden statt der prognostizierten 2 Milliarden Tonnen erreichen. Die Nutzung CO2-arm erzeugten Wasserstoffs wäre auf ein Niveau von 170 Millionen Tonnen anzuheben, statt der für 2050 prognostizierten 55 Millionen Tonnen, und müsste damit etwa 100 Mal so groß sein wie im Jahr 2025.

Lektionen für Europa

Für Europa rechnet Exxonmobil – abweichend von den weltweiten Trends – mit einem Rückgang des Primärenergieverbrauchs um 13 Prozent bis 2050. Der Energiemix verändert sich stärker zulasten der fossilen Energien als im Weltdurchschnitt. Deren Anteil steigt in Europa von 47 auf 69 Prozent. Erneuerbare Energien legen von 20 auf 38 Prozent und Kernenergie von 11 auf 15 Prozent zu. 

Die energiebedingten CO2-Emissionen vermindern sich in Europa von 3,2 auf 1,5 Milliarden Tonnen, in der EU-27 von 2,4 auf 0,9 Milliarden Tonnen. Damit sinkt der Anteil der EU-27 an den weltweiten CO2-Emissionen von 6,6 auf 3,0 Prozent.

Der stark regulierte und kostenintensive Ansatz der EU zur Emissionssenkung hat aber laut Exxonmobil wirtschaftliche Schäden zur Folge: Die Industrieproduk­tion geht zurück. Die Wirtschaft wächst nur mit jahresdurchschnittlichen 1,3 Prozent. Für die gesamte Welt werden dagegen 2,4 Prozent Wirtschaftswachstum pro Jahr prognostiziert. (hws)

Freitag, 25.09.2026, 10:30 Uhr
Hans-Wilhelm Schiffer

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