Blick in ein Rechenzentrum.Quelle: GMX
Der Stromhändler Flexpower nimmt als Stromkunden Rechenzentren ins Visier. Deren Betreiber können Festpreise, Marktbezug und Speicherlösungen miteinander kombinieren.
Das Hamburger Unternehmen „FlexPower“ erweitert sein Geschäft um die Belieferung von Rechenzentren und will deren Strombeschaffung aus mehreren Bausteinen zusammensetzen: langfristigen Festpreisen, flexiblem Einkauf am kurzfristigen Strommarkt sowie physischen oder virtuellen Batteriespeichern. Den erneuerbaren Strom bezieht Flexpower nach eigenen Angaben aus seinem Direktvermarktungsportfolio mit Wind- und Solaranlagen.
Flexpower wurde 2022 gegründet und gehört inzwischen zur US-Investmentgesellschaft Citadel. Das Unternehmen handelt Strom und bietet unter anderem Direktvermarktung und Risikomanagement für erneuerbare Erzeuger, Speicher sowie Gewerbe- und Industriekunden an.
Mit dem Angebot reagiert Flexpower auf die hohen Stromkosten und den wachsenden Energiebedarf der Rechenzentrumsbranche. Nach Angaben der German Datacenter Association (GDA), dem Branchenverband der deutschen Rechenzentrumswirtschaft, entfallen rund 50 Prozent der Betriebskosten eines Rechenzentrums auf Strom. Zugleich steigt nach Darstellung von Flexpower der Strombedarf durch Cloud-Dienste und Anwendungen der künstlichen Intelligenz.
Hinzu kommen gesetzliche Vorgaben für den Strombezug. Das Energieeffizienzgesetz (EnEfG) verpflichtet Betreiber von Rechenzentren seit dem 1. Januar 2024 dazu, ihren Stromverbrauch bilanziell zu 50 Prozent aus erneuerbaren Energien zu decken. Ab dem 1. Januar 2027 steigt der Anteil auf 100 Prozent.
Bausteine statt Vollversorgung
Flexpower will Betreibern nach eigenen Angaben ermöglichen, ihre Beschaffungsstrategie an Laufzeit, Risikobereitschaft und erwartetes Wachstum anzupassen. Einen Teil des Verbrauchs können sie über mehrjährige Festpreisvereinbarungen und langfristige Stromlieferverträge, sogenannte Power Purchase Agreements (PPA), absichern. Den übrigen Bedarf beschafft Flexpower kurzfristiger am Strommarkt. Dadurch sollen Kunden niedrigere Preise in günstigen Marktphasen nutzen können.
Als weiteren Baustein bietet der Stromhändler eine sogenannte virtuelle Batterie an. Dabei handelt es sich nicht um einen realen Speicher, sondern um ein Handelsprodukt, das dessen Fahrweise nachbildet. Nach Darstellung von Flexpower kauft das Modell innerhalb eines Tages Strom in einer günstigen Stunde und verkauft ihn in einer teuren. Damit soll ein Teil des Preisrisikos abgesichert werden. Wie stark Betreiber Festpreise, kurzfristigen Einkauf und Speicherkomponenten gewichten, können sie laut Unternehmen selbst festlegen.
Die Herkunftsnachweise für den gelieferten Grünstrom stammen laut Flexpower aus dem eigenen Direktvermarktungsportfolio. Herkunftsnachweise kauft das Unternehmen dafür nach eigenen Angaben nicht zu.
Speicher soll Lastspitzen glätten
Für Rechenzentren mit einem Batteriespeicher am Standort sieht Flexpower weitere Einsatzmöglichkeiten. Der Speicher könne den Strombezug in günstigere Zeiträume verschieben und Lastspitzen begrenzen. Dadurch könnten je nach Netzentgeltsystem auch die Kosten für den Netzbezug sinken. Freie Speicherkapazitäten will das Unternehmen zudem an den Spotmärkten vermarkten.
Eine weitere Anwendung sieht Flexpower an Standorten, an denen der Netzanschluss begrenzt ist oder sich dessen Ausbau verzögert. Dort könne ein Speicher kurzfristige Lastspitzen auffangen und damit ermöglichen, zeitweise mehr Rechenleistung über denselben Anschluss bereitzustellen. Der Hamburger Stromhändler arbeitet nach eigenen Angaben außerdem mit Partnern daran, künftig auch verschiebbare Rechenprozesse anhand von Strompreissignalen zu steuern. Rechenaufgaben könnten dann stärker in Stunden mit niedrigeren Preisen und geringerer Netzbelastung wandern.
Flexpower-Chef Max Amir Dieringer verweist zudem auf die langen Investitionszeiträume von Rechenzentren. Für Betreiber und finanzierende Banken spiele daher neben dem Strompreis auch die langfristige Lieferfähigkeit des Vertragspartners eine Rolle. Als Teil von Citadel könne Flexpower nach seiner Aussage längerfristige Preis- und Strukturzusagen absichern. (ds)
Donnerstag, 27.08.2026, 11:25 Uhr
Davina Spohn
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