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Die Abschaffung der 65-Prozent-Regel für Heizungen stößt bei Energieberatern auf breite Kritik. Eine Studie zeigt Zweifel an den Folgen für Klimaziele und Wärmewende.
Die Diskussion um die Wärmewende erhält neuen Gegenwind aus der Praxis der Energieberatung. Laut einer aktuellen Untersuchung beurteilen viele Berater die geplante Streichung der sogenannten 65-Prozent-Regel für erneuerbare Heizenergie kritisch. Diese Regel schreibt bislang vor, dass neu eingebaute Heizungen zu mindestens 65
Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden müssen.
Die Studie „Monitor zur Energiewende – Perspektive der Energieberatenden“ hat die Sirius Campus GmbH aus Köln durchgeführt. Sie basiert auf einer Befragung im März von 726 Energieberatenden aus dem Bundesverband für unabhängige Energieberatende (GIH), dem Deutschen Energieberatende-Netzwerk (DEN) und dem Zentralverband Deutscher Schornsteinfeger (ZDS). Sirius Campus arbeitet als Forschungs- und Beratungsinstitut und analysiert etwa Marktentwicklungen und Entscheidungsprozesse im Vertrieb.
Mehrheit sieht Klimaziele in GefahrRund 77
Prozent der befragten Energieberater bewerten die geplante Abschaffung der Regel als mittelmäßig oder schlecht. Viele sehen darin eine Gefahr für die Erreichung der Klimaziele. 70 Prozent erwarten steigende Kostenrisiken für Nutzer fossiler Heizungen. 61 Prozent befürchten Verunsicherung bei Eigentümern. 43 Prozent rechnen mit einem Rückgang energetischer Sanierungen.
Nur etwa 21
Prozent bewerten die Abschaffung positiv. Diese Gruppe sieht mehr Flexibilität beim Heizungstausch und erwartet keine negativen Auswirkungen auf den Absatz von Wärmepumpen.
63
Prozent der Energieberater geben an, dass ihre Kunden häufig unzureichend informiert sind. Mehr als die Hälfte kennt die Risiken beim Einbau fossiler Heizungen nicht.
Förderpolitik bleibt zentraler HebelNeben der Regulierung spielt die Förderung eine zentrale Rolle für die Wärmewende. Rund 52
Prozent der Befragten beurteilen die bestehenden Programme zur energetischen Sanierung als mittelmäßig oder schlecht. Gleichzeitig hält etwa die Hälfte die Förderung für ausreichend.
Besonders häufig wünschen sich die Energieberater stabile Rahmenbedingungen. 69
Prozent fordern mehr Kontinuität in der Förderpolitik. 60
Prozent sprechen sich für höhere Zuschüsse bei Gebäudehüllen aus.
Positiver fällt die Bewertung der Förderabwicklung aus. Der Service des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) hat sich seit 2023 verbessert. Auch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) erhält weiterhin gute Bewertungen.
Beratungsbedarf weiter angewachsenParallel zur politischen Debatte steigt die Nachfrage nach Energieberatung wieder an. Im Jahr 2025 begleiteten Energieberater im Durchschnitt 54 Projekte oder Förderfälle. 2024 lag dieser Wert noch bei 40. Das entspricht einem Anstieg um rund 35
Prozent.
Der Schwerpunkt liegt auf Wohngebäuden. Beratungen für private Eigentümer überwiegen deutlich gegenüber Angeboten für Unternehmen, Kommunen oder Wohnungseigentümergemeinschaften.
Viele Berater blicken zudem langfristig auf ihre Tätigkeit. 77
Prozent wollen in den kommenden zwei Jahren weiterhin in der Branche arbeiten. 63
Prozent planen einen Ausbau ihrer Aktivitäten.
Als größte Herausforderungen nennen die Befragten steigende Material- und Handwerkerkosten. Auch der Wettbewerb durch digitale Beratungsangebote gewinnt an Bedeutung. Dagegen spielt der Fachkräftemangel im Handwerk aus Sicht der Berater eine geringere Rolle als noch vor wenigen Jahren.
Weitere Informationen zur Untersuchung
„Monitor zur Energiewende: Perspektive der Energieberatenden“ sind über die Internetseite von Sirius Campus einsehbar.
Freitag, 17.04.2026, 16:51 Uhr
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