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Kommunale Stromnetzbetreiber rechnen bis 2045 mit einer massiven Ausweitung ihrer Netzkapazitäten. Zuerst müssen jedoch regulatorische Hürden beseitigt werden.
Die kommunalen Strom-Verteilnetzbetreiber in Deutschland erwarten in den kommenden zwei Jahrzehnten einen erheblichen Ausbau ihrer Netzinfrastruktur. Nach einer Umfrage des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU) planen rund 93 Prozent der befragten Netzbetreiber, ihre Netzkapazitäten bis 2045 mindestens zu verdoppeln. Gleichzeitig sehen viele Unternehmen die bestehenden regulatorischen Rahmenbedingungen als Hemmnis für die Finanzierung und Umsetzung der erforderlichen Investitionen.
Wie der VKU mitteilte, rechnen 48 Prozent der befragten Unternehmen damit, dass die für den Anschluss von Erneuerbare-Energien-Anlagen, Ladeinfrastruktur, Wärmepumpen sowie Wärmenetzen benötigten Netzkapazitäten bis 2045 auf das Doppelte steigen werden. Weitere 37 Prozent gingen von einer Verdreifachung aus, acht Prozent sogar von einer Vervierfachung.
Nach Einschätzung des VKU bestätigt auch die aktuelle geopolitische Entwicklung die strategische Bedeutung einer stärkeren Nutzung erneuerbarer Energien und einer geringeren Abhängigkeit von fossilen Energieträgern.
VKU-Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing erklärte, der Erfolg der Energiewende werde maßgeblich in den Verteilnetzen entschieden. Die kommunalen Energieversorger investierten bereits in großem Umfang in den Netzausbau und benötigten dafür verlässliche Rahmenbedingungen. Der derzeitige Reformprozess der Netzentgelte bei der Bundesnetzagentur, der sogenannte Agnes-Prozess, sei aus Sicht des Verbandes ein wichtiger Schritt, müsse jedoch weiterentwickelt werden.
Unzufriedenheit mit NEST-RegulierungLiebing sprach sich dafür aus, alle Netznutzer angemessen an den Infrastrukturkosten zu beteiligen. Ziel müsse es sein, Investitionen nicht zu bremsen und gleichzeitig Anreize für ein netzdienliches Verhalten von Erzeugern, Verbrauchern und Speichern zu schaffen, so der VKU-Chef.
Rund drei Viertel der Unternehmen gaben an, dass das gesetzliche Ziel, bis 2030 einen Anteil erneuerbarer Energien von 80 Prozent am Bruttostromverbrauch zu erreichen, ohne regulatorische Anpassungen in den Verteilnetzen nicht umsetzbar sei. Sogar 79 Prozent bewerteten die Auswirkungen der neuen Regulierung im NEST-Prozess (Netze. Effizient. Sicher. Transformiert), zu dem die Bundesnetzagentur am 10. Dezember 2025 eine Festlegung veröffentlicht hat, negativ oder sehr negativ. Darüber hinaus halten 74 Prozent den bestehenden Regulierungsrahmen aus Anreizregulierung, Verzinsung und Effizienzvergleich für ungeeignet, die erforderlichen Investitionen in ausreichendem Umfang zu ermöglichen.
Nach Angaben des VKU sehen die Unternehmen neben regulatorischen Fragen weitere Hindernisse beim Ausbau der Stromnetze. Als Hauptgründe für einen schleppenden Ausbau nannten die Befragten den bürokratischen Aufwand bei der Planung von Netztrassen (66
Prozent). Darüber hinaus verwiesen die Netzbetreiber auf Material- und Trafo-Lieferengpässe (54
Prozent), langwierige Genehmigungs- und Umweltverträglichkeitsverfahren (48
Prozent) sowie fehlende Baukapazitäten (47
Prozent). Die Finanzierung sehen allerdings nur 35 Prozent der Befragten als Hauptursache für Verzögerungen bei Ausbauprojekten.
Für die Umfrage befragte der VKU zwischen dem 21. April und dem 22. Mai 2026 die kaufmännischen und technischen Geschäftsführerinnen und Geschäftsführer seiner Mitgliedsunternehmen mit Stromsparte. Von 756 angeschriebenen Unternehmen beteiligten sich 159 an der Erhebung.
Freitag, 5.06.2026, 09:50 Uhr
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