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Energie & Management > Wasserstoff - Stadtwerke Flensburg wollen dänischen Wasserstoff
Quelle: Shutterstock / Shawn Hempel
Wasserstoff

Stadtwerke Flensburg wollen dänischen Wasserstoff

Ab dem Jahr 2028 wollen die Stadtwerke Flensburg ihre Gas- und Dampfturbinenanlagen mit grünem Wasserstoff aus Dänemark betreiben. Eine Absichtserklärung dazu wurde nun unterzeichnet.
Bereits bis zum Jahr 2035 wollen die Stadtwerke Flensburg klimaneutral sein, ganze zehn Jahre früher als Deutschland. Die Bandbreite an technischen Neuerungen im eigenen Erzeugungspark sind dementsprechend hoch, wie Dirk Thole anlässlich eines Pressetermins am 6. November anführte. Der Geschäftsführer der Stadtwerke Flensburg zählte auf: „2016 Kessel 12, 2023 Kessel 13, 2024 zweiter Elektrodenheizkessel mit Wärmespeicher, 2026 Großwärmepumpe und 2028 Wasserstoffeinsatz − das sind herausfordernde Aufgaben, die wir mit unseren Mitarbeitern zu bewältigen haben.“

An den ersten beiden Punkten der Liste − Kessel 12 und Kessel 13 − können die Stadtwerke einen Haken setzen. Die im September in Betrieb gegangene Gas- und Dampfturbinenanlage Kessel 13 und ihr Zwilling-Kessel 12 sind beide für den Einsatz von Wasserstoff geplant worden (wir berichteten). Sie ersetzen die einstigen vier Kohlekessel und emittieren bei gleicher Erzeugungsmenge 40 Prozent weniger CO2. „Wir sind eines der ersten Stadtwerke in Deutschland, das den Einsatz von Wasserstoff als Modellprojekt in der Energieerzeugung konkret plant und in die Praxis umsetzen möchte“, lässt sich Thole in einer Mitteilung der Stadtwerke zitieren.
 
Die Anlage „Kessel 13“ kann wie ihr Pendant „Kessel 12“ schon jetzt mit bis zu 15 Prozent mit Wasserstoff betrieben werden. 
Quelle: Stadtwerke Flensburg

In den beiden Anlagen ist jeweils eine SGT-800-Gasturbine von Siemens Energy verbaut, die technisch für die Umrüstung auf den Wasserstoffbetrieb ausgelegt ist. „Wenn alles so läuft, wie wir das planen, wollen wir in fünf Jahren, also im Jahr 2028, den ersten grünen Wasserstoff in unserem Kraftwerk verbrennen und Erdgas ersetzen, sodass wir einen Teil unseres Stroms und der Wärme komplett klimaneutral produzieren können“, so Karsten Müller-Janßen, bei den Stadtwerken Geschäftsbereichsleiter Anlagenbau und Projekte. 

Wasserstoffproduktion in der Hafenstadt Esbjerg

Der zum Betrieb der Anlagen benötigte Wasserstoff soll aus einem 1.000-MW-Elektrolyse-Anlage im 120 Kilometer nordwestlich von Flensburg gelegenen Esbjerg (Dänemark) stammen. Der Schweizer Wasserstoffproduzent „H2 Energy Europe“ plant dort ab 2027 die Produktion des ersten Wasserstoffs mit Strom aus Offshore-Windkraftanlagen in der Nordsee und anderen erneuerbaren Stromquellen. Ein Teil des produzierten grünen Wasserstoffs soll nach Deutschland und auch an die Stadtwerke Flensburg transportiert werden. 

Das Projekt wurde 2021 offiziell gestartet und gilt laut dem norddeutschen Energieversorger als das am weitesten fortgeschrittene Projekt dieses Umfangs. „Für die Realisierung des Projektes brauchen wir Regulatorien und Partnerschaften mit Netzbetreibern wie Gasunie, um den kostengünstigen Transport von Wasserstoff durch Pipelines realisieren zu können“, so Mathias Eik, Vicepresident der H2 Energy Europe. Gleichzeitig würden aber auch Abnehmer wie die Stadtwerke Flensburg benötigt, die „mit ihren Technologie-Partnern weitsichtig in eine grüne Energieerzeugung in Norddeutschland investieren.“ Nur durch solche Konsortien könne sichergestellt werden, dass sich skalierbare Wasserstoff-Ökosysteme entwickeln können“, so Eik.

Der Transport soll über das Fernleitungsnetz der Gasunie Deutschland erfolgen. Über den Kopplungspunkt Ellund sind die Stadtwerke Flensburg bereits an die Fernleitung angeschlossen und erhalten über diesen Weg das Erdgas für ihre GuD-Anlagen. Gasunie plant die Umstellung der Gasleitung bis zu diesem Kopplungspunkt auf 100-prozentigen Wasserstoffbetrieb. Zum Hintergrund: In Ellund soll die Verbindung zum künftigen dänischen Wasserstoffnetz geschaffen werden. Die Gasunie arbeitetet mit dem dänischen Netzbetreiber Energinet bereits seit vier Jahren an dem geplanten Wasserstoff-Highway, der Deutschland mit den Niederlanden und Dänemark verbinden soll. Ab 2028 soll zum ersten Mal grüner Wasserstoff aus Dänemark nach Schleswig-Holstein kommen. Das Projekt läuft unter dem Namen „Hyperlink“.

Montag, 6.11.2023, 16:05 Uhr
Davina Spohn
Energie & Management > Wasserstoff - Stadtwerke Flensburg wollen dänischen Wasserstoff
Quelle: Shutterstock / Shawn Hempel
Wasserstoff
Stadtwerke Flensburg wollen dänischen Wasserstoff
Ab dem Jahr 2028 wollen die Stadtwerke Flensburg ihre Gas- und Dampfturbinenanlagen mit grünem Wasserstoff aus Dänemark betreiben. Eine Absichtserklärung dazu wurde nun unterzeichnet.
Bereits bis zum Jahr 2035 wollen die Stadtwerke Flensburg klimaneutral sein, ganze zehn Jahre früher als Deutschland. Die Bandbreite an technischen Neuerungen im eigenen Erzeugungspark sind dementsprechend hoch, wie Dirk Thole anlässlich eines Pressetermins am 6. November anführte. Der Geschäftsführer der Stadtwerke Flensburg zählte auf: „2016 Kessel 12, 2023 Kessel 13, 2024 zweiter Elektrodenheizkessel mit Wärmespeicher, 2026 Großwärmepumpe und 2028 Wasserstoffeinsatz − das sind herausfordernde Aufgaben, die wir mit unseren Mitarbeitern zu bewältigen haben.“

An den ersten beiden Punkten der Liste − Kessel 12 und Kessel 13 − können die Stadtwerke einen Haken setzen. Die im September in Betrieb gegangene Gas- und Dampfturbinenanlage Kessel 13 und ihr Zwilling-Kessel 12 sind beide für den Einsatz von Wasserstoff geplant worden (wir berichteten). Sie ersetzen die einstigen vier Kohlekessel und emittieren bei gleicher Erzeugungsmenge 40 Prozent weniger CO2. „Wir sind eines der ersten Stadtwerke in Deutschland, das den Einsatz von Wasserstoff als Modellprojekt in der Energieerzeugung konkret plant und in die Praxis umsetzen möchte“, lässt sich Thole in einer Mitteilung der Stadtwerke zitieren.
 
Die Anlage „Kessel 13“ kann wie ihr Pendant „Kessel 12“ schon jetzt mit bis zu 15 Prozent mit Wasserstoff betrieben werden. 
Quelle: Stadtwerke Flensburg

In den beiden Anlagen ist jeweils eine SGT-800-Gasturbine von Siemens Energy verbaut, die technisch für die Umrüstung auf den Wasserstoffbetrieb ausgelegt ist. „Wenn alles so läuft, wie wir das planen, wollen wir in fünf Jahren, also im Jahr 2028, den ersten grünen Wasserstoff in unserem Kraftwerk verbrennen und Erdgas ersetzen, sodass wir einen Teil unseres Stroms und der Wärme komplett klimaneutral produzieren können“, so Karsten Müller-Janßen, bei den Stadtwerken Geschäftsbereichsleiter Anlagenbau und Projekte. 

Wasserstoffproduktion in der Hafenstadt Esbjerg

Der zum Betrieb der Anlagen benötigte Wasserstoff soll aus einem 1.000-MW-Elektrolyse-Anlage im 120 Kilometer nordwestlich von Flensburg gelegenen Esbjerg (Dänemark) stammen. Der Schweizer Wasserstoffproduzent „H2 Energy Europe“ plant dort ab 2027 die Produktion des ersten Wasserstoffs mit Strom aus Offshore-Windkraftanlagen in der Nordsee und anderen erneuerbaren Stromquellen. Ein Teil des produzierten grünen Wasserstoffs soll nach Deutschland und auch an die Stadtwerke Flensburg transportiert werden. 

Das Projekt wurde 2021 offiziell gestartet und gilt laut dem norddeutschen Energieversorger als das am weitesten fortgeschrittene Projekt dieses Umfangs. „Für die Realisierung des Projektes brauchen wir Regulatorien und Partnerschaften mit Netzbetreibern wie Gasunie, um den kostengünstigen Transport von Wasserstoff durch Pipelines realisieren zu können“, so Mathias Eik, Vicepresident der H2 Energy Europe. Gleichzeitig würden aber auch Abnehmer wie die Stadtwerke Flensburg benötigt, die „mit ihren Technologie-Partnern weitsichtig in eine grüne Energieerzeugung in Norddeutschland investieren.“ Nur durch solche Konsortien könne sichergestellt werden, dass sich skalierbare Wasserstoff-Ökosysteme entwickeln können“, so Eik.

Der Transport soll über das Fernleitungsnetz der Gasunie Deutschland erfolgen. Über den Kopplungspunkt Ellund sind die Stadtwerke Flensburg bereits an die Fernleitung angeschlossen und erhalten über diesen Weg das Erdgas für ihre GuD-Anlagen. Gasunie plant die Umstellung der Gasleitung bis zu diesem Kopplungspunkt auf 100-prozentigen Wasserstoffbetrieb. Zum Hintergrund: In Ellund soll die Verbindung zum künftigen dänischen Wasserstoffnetz geschaffen werden. Die Gasunie arbeitetet mit dem dänischen Netzbetreiber Energinet bereits seit vier Jahren an dem geplanten Wasserstoff-Highway, der Deutschland mit den Niederlanden und Dänemark verbinden soll. Ab 2028 soll zum ersten Mal grüner Wasserstoff aus Dänemark nach Schleswig-Holstein kommen. Das Projekt läuft unter dem Namen „Hyperlink“.

Montag, 6.11.2023, 16:05 Uhr
Davina Spohn

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