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Energie & Management > Elektrolyse - Zu viel Wasser, zu wenig grüner Strom
Der 8,75-MW-Elektrolyseur in Wundsiedel. Quelle: Siemens
Elektrolyse

Zu viel Wasser, zu wenig grüner Strom

Vom wichtigsten Produktionsmittel habe man genug, wurde bei der verregneten Inbetriebnahme des Elektrolyseurs in Wunsiedel (Bayern) gewitzelt. Ein ebenso wichtiges fehlt jetzt.
Der Gag machte schon beim Spatenstich für den 8,75-MW-Elektolyseur im fränkischen Wunsiedel die Runde, als es ziemlich schüttete. Bei der Inbetriebnahme im vergangenen Herbst mit vielen geladenen Gästen, darunter Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU), ging es dann ebenfalls wieder recht feucht zu: Das wichtigste Produktionsmittel für die Anlage, so hieß es bei der Feierstunde mit mehreren Ansprachen, die dem Projekt eine rosige Zukunft bescheinigten, stehe heute ja auch wieder reichlich zur Verfügung.

Doch Wasser alleine reicht eben nicht aus, um Wasserstoff zu produzieren. Für die Elektrolyse braucht es viel Strom – und für die Erzeugung von grünem Wasserstoff viel Strom aus erneuerbaren Energien. Und den gibt es gerade nicht in ausreichender Form – zumal, welch’ Wunder, in der „Windkrafthochburg“ Bayern.

Und so kommt es, dass die schöne neue Anlage, die für eine Jahresproduktion von 1.350 Tonnen grünen Wasserstoffs ausgelegt ist, seit Monaten weitestgehend stillsteht und bisher kaum Wasserstoff hergestellt hat.

Die Betreiber des Elektrolyseurs haben die Strompreisbremse als Grund für das Dilemma ausgemacht. Die Eigentümer von Erneuerbaren-Anlagen müssen mit einer Erlösabschöpfung rechnen, was deren finanzielle Lage verschlechtert: Direkte Stromlieferverträge (Power Purchase Agreement – PPA) zwischen ihnen und dem Betreiber der Elektrolyse-Anlagen würden sich für sie nicht lohnen. Und die Preise an der Strombörse sind so hoch, dass die Wasserstoffproduktion mit dort gekaufter Energie nicht wirtschaftlich wäre.

Jetzt setzt man im Fichtelgebirge auf ein klärendes Gespräch mit Robert Habeck (Grüne). Doch das von ihm geführte Bundeswirtschaftsministerium hat bereits im Vorfeld nicht viel Hoffnung gemacht und auf EU-Vorgaben bei der Ausgestaltung der Strompreisbremse hingewiesen, wie die Süddeutsche Zeitung erfahren hat. Außerdem wird auf den Stichtag für den Abschluss von PPA im Zusammenhang mit der Strompreisbremse hingewiesen, der im November 2022 gewesen ist. Und bis zum Ende der Bremse im April 2024 dauert es noch eine Weile.
 
Der „Energy Silyzer 300“ kann 1.350 Tonnen
Wasserstoff im Jahr produzieren - eigentlich
Quelle: E&M / Günter Drewnitzky

Viele Ideen für die Wasserstoff-Nutzung vor Ort

Keine rosigen Perspektiven also für die Wasserstoff-Macher aus Oberfranken. Dabei hatte die Betreibergesellschaft „WUN H2 GmbH“ mit Siemens, Rießner Gase und Stadtwerke Wunsiedel so viel vor. Pläne, den grünen Wasserstoff aus dem Elektrolyseur, der mit PEM-Technologie arbeitet, die sich besonders gut für den Betrieb mit Photovoltaik- und Windkraftstrom eignet, gab es viele: Die örtliche Glas- und Keramikindustrie wollte man beliefern, außerdem einen Automobilzulieferer sowie eine geplante Wasserstofftankstelle im Industriepark, mit der Lkw von Transportunternehmen betankt werden sollten.

In unmittelbarer Nähe befinden sich auch andere Abnehmer für die Elektrolyse-Produkte: Eine Fabrik zur Herstellung von Holzpellets plante die Umstellung eines von drei Blockheizkraftwerken auf grünen Wasserstoff, und an der Abwärme zeigte eine Trocknungsanlage Interesse. Auch für den übrigbleibenden Sauerstoff hatte man schon Ideen, etwa den Einsatz in der örtlichen Kläranlage.

Verkündet wurde bei der Eröffnungsfeier im vergangenen September auch, dass die Kapazität der Anlage durch einen zweiten Elektrolyseur auf knapp 18 MW verdoppelt werden soll. Daraus wird wohl erstmal nichts.

Freitag, 24.02.2023, 15:57 Uhr
Gnter Drewnitzky
Energie & Management > Elektrolyse - Zu viel Wasser, zu wenig grüner Strom
Der 8,75-MW-Elektrolyseur in Wundsiedel. Quelle: Siemens
Elektrolyse
Zu viel Wasser, zu wenig grüner Strom
Vom wichtigsten Produktionsmittel habe man genug, wurde bei der verregneten Inbetriebnahme des Elektrolyseurs in Wunsiedel (Bayern) gewitzelt. Ein ebenso wichtiges fehlt jetzt.
Der Gag machte schon beim Spatenstich für den 8,75-MW-Elektolyseur im fränkischen Wunsiedel die Runde, als es ziemlich schüttete. Bei der Inbetriebnahme im vergangenen Herbst mit vielen geladenen Gästen, darunter Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU), ging es dann ebenfalls wieder recht feucht zu: Das wichtigste Produktionsmittel für die Anlage, so hieß es bei der Feierstunde mit mehreren Ansprachen, die dem Projekt eine rosige Zukunft bescheinigten, stehe heute ja auch wieder reichlich zur Verfügung.

Doch Wasser alleine reicht eben nicht aus, um Wasserstoff zu produzieren. Für die Elektrolyse braucht es viel Strom – und für die Erzeugung von grünem Wasserstoff viel Strom aus erneuerbaren Energien. Und den gibt es gerade nicht in ausreichender Form – zumal, welch’ Wunder, in der „Windkrafthochburg“ Bayern.

Und so kommt es, dass die schöne neue Anlage, die für eine Jahresproduktion von 1.350 Tonnen grünen Wasserstoffs ausgelegt ist, seit Monaten weitestgehend stillsteht und bisher kaum Wasserstoff hergestellt hat.

Die Betreiber des Elektrolyseurs haben die Strompreisbremse als Grund für das Dilemma ausgemacht. Die Eigentümer von Erneuerbaren-Anlagen müssen mit einer Erlösabschöpfung rechnen, was deren finanzielle Lage verschlechtert: Direkte Stromlieferverträge (Power Purchase Agreement – PPA) zwischen ihnen und dem Betreiber der Elektrolyse-Anlagen würden sich für sie nicht lohnen. Und die Preise an der Strombörse sind so hoch, dass die Wasserstoffproduktion mit dort gekaufter Energie nicht wirtschaftlich wäre.

Jetzt setzt man im Fichtelgebirge auf ein klärendes Gespräch mit Robert Habeck (Grüne). Doch das von ihm geführte Bundeswirtschaftsministerium hat bereits im Vorfeld nicht viel Hoffnung gemacht und auf EU-Vorgaben bei der Ausgestaltung der Strompreisbremse hingewiesen, wie die Süddeutsche Zeitung erfahren hat. Außerdem wird auf den Stichtag für den Abschluss von PPA im Zusammenhang mit der Strompreisbremse hingewiesen, der im November 2022 gewesen ist. Und bis zum Ende der Bremse im April 2024 dauert es noch eine Weile.
 
Der „Energy Silyzer 300“ kann 1.350 Tonnen
Wasserstoff im Jahr produzieren - eigentlich
Quelle: E&M / Günter Drewnitzky

Viele Ideen für die Wasserstoff-Nutzung vor Ort

Keine rosigen Perspektiven also für die Wasserstoff-Macher aus Oberfranken. Dabei hatte die Betreibergesellschaft „WUN H2 GmbH“ mit Siemens, Rießner Gase und Stadtwerke Wunsiedel so viel vor. Pläne, den grünen Wasserstoff aus dem Elektrolyseur, der mit PEM-Technologie arbeitet, die sich besonders gut für den Betrieb mit Photovoltaik- und Windkraftstrom eignet, gab es viele: Die örtliche Glas- und Keramikindustrie wollte man beliefern, außerdem einen Automobilzulieferer sowie eine geplante Wasserstofftankstelle im Industriepark, mit der Lkw von Transportunternehmen betankt werden sollten.

In unmittelbarer Nähe befinden sich auch andere Abnehmer für die Elektrolyse-Produkte: Eine Fabrik zur Herstellung von Holzpellets plante die Umstellung eines von drei Blockheizkraftwerken auf grünen Wasserstoff, und an der Abwärme zeigte eine Trocknungsanlage Interesse. Auch für den übrigbleibenden Sauerstoff hatte man schon Ideen, etwa den Einsatz in der örtlichen Kläranlage.

Verkündet wurde bei der Eröffnungsfeier im vergangenen September auch, dass die Kapazität der Anlage durch einen zweiten Elektrolyseur auf knapp 18 MW verdoppelt werden soll. Daraus wird wohl erstmal nichts.

Freitag, 24.02.2023, 15:57 Uhr
Gnter Drewnitzky

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