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Enerige & Management > Bilanz - Wintershall Dea bleibt in Russland aktiv
Quelle: Fotolia / Eisenhans
BILANZ:
Wintershall Dea bleibt in Russland aktiv
Der Gas- und Ölproduzent verliert 1 Mrd. Euro durch die Abschreibung der Nord-Stream-2-Finanzierung. Er hält aber an seinen Russland-Joint-Ventures fest.
 
Der Gas- und Ölproduzent Wintershall Dea zieht sich trotz des Ukraine-Kriegs nicht aus seinen Russlandprojekten zurück. Das gab CEO Mario Mehren am 28. April gegenüber der Presse bekannt. Forderungen nach einem Stopp aller Russlandaktivitäten könne er zwar sehr gut nachvollziehen, sagte er. Mit seinem durch nichts zu rechtfertigenden, brutalen Angriffskrieg habe Russland eine rote Linie überschritten: „Es kann kein Business as usual mit Russland mehr geben. Eine lange Ära der Kooperation ist beendet.“

Dennoch habe man sich nach intensiven Gesprächen dazu entschlossen, die Vertragsverpflichtungen zu erfüllen und die drei Projekte in Sibirien fortzuführen, in denen die Wintershall Dea mit Unternehmen des russischen Gazprom-Konzerns zusammenarbeitet. Wintershall Dea stehe in der Verantwortung, die sichere Energieversorgung der deutschen Gesellschaft und der deutschen Unternehmen zu gewährleisten, begründete Mehren die Entscheidung. Russisches Öl und Gas seien kurzfristig nicht zu ersetzen. Gleichzeitig führe ein Rückzug aus den Joint Ventures nur dazu, dass Vermögenswerte in Milliardenhöhe an die russische Regierung fielen.

Mehr als 35 Mrd. m3 Erdgasförderung jährlich

Das sind die drei Upstream-Gemeinschaftsunternehmen von Wintershall Dea in Russland:
  • Das Joint Venture Achimgaz, an dem die Wintershall Dea zu 50 % beteiligt ist - die andere Hälfte gehört der Gazprom-Tochter OOO Gazprom Dobycha Urengoi - fördert jährlich rund 10 Mrd. m3 Erdgas, heißt es auf der Homepage, auf der die Wintershall Dea über ihre Russlandgeschäfte informiert.
  • Am Gemeinschaftsunternehmen Severneftegazprom ist die Wintershall Dea demnach mit 35 % beteiligt, federführender Projektpartner ist hier die Gazprom. Es nahm 2007 den Betrieb auf und produziert seit 2009 jährlich rund 25 Mrd. m3 Erdgas.
  • Das dritte Gemeinschaftsunternehmen ist Achim Development. Es treibt seit 2018 die Feldesentwicklung der Achimov-Formationen voran und fördert seit 2021 Gas und Kondensat. Die Wintershall Dea ist hier mit 25,01 % beteiligt.
Mit Enteigungen rechne man nicht, sagte CEO Mehren auf Nachfrage. Man erwarte, dass sich die russischen Partner und die Politik an die getroffenen Vereinbarungen halten.

Neue Investitionen werde die Wintershall Dea in Russland allerdings nicht mehr tätigen, sagte Mehren. Man stehe zu der bereits im März getroffenen Entscheidung, keine zusätzlichen Projekte zur Förderung von Öl oder Gas (Upstream) in Russland voranzutreiben. Auch die Investition in die Pipeline Nord Stream 2 habe man bereits abgeschrieben. In Zukunft wolle die Wintershall Dea ihr Portfolio außerhalb Russlands erweitern.

Operatives Ergebnis positiv

Die Bekanntgabe kommt nur einen Tag nach der Ankündigung von Mehrheitsanteilseigner BASF, sich aus nahezu allen Aktivitäten in Russland und Weißrussland zurückzuziehen. Der Chemiekonzern hält 67 % der Aktien des Unternehmens. Die übrigen 33 % gehören der Beteiligungsgesellschaft Letter One des russischen Oligarchen Michail Fridman. Ein geplanter Börsengang wurde bereits mehrmals verschoben. „Wir sind bereit für den Börsengang“, sagte Mehren dazu, „aber es sind unsichere Zeiten“.

So unsicher die Zeiten auch sein mögen, für den Öl- und Gasförderer führen sie gleichzeitig zu einem „außergewöhnlich attraktiven Marktumfeld“, wie es im ebenfalls während des Pressegesprächs vorgestellten Quartalsbericht heißt. Zwar verzeichnet das Unternehmen im ersten Quartal 2022 „russlandbezogene Wertminderungen“ in Höhe von rund 1,5 Mrd. Euro. Darunter fallen neben den Abschreibungen in Höhe von 1 Mrd. Euro für die Finanzierung der Nord Stream 2 weitere Wertberichtigungen für Gemeinschaftsunternehmen in Russland, sagte CFO Paul Smith.

Gleichzeitig stieg aber das Ebitdax - der Gewinn vor Steuern und Abschreibungen sowie Explorationskosten - im Jahresvergleich um 161 % auf 1,8 Mrd. Euro. Beim bereinigten Nettoergebnis verzeichnet das Unternehmen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ein Plus von 291 % auf 669 Mio. Euro. Der Free Cash Flow stieg auf 1 Mrd. Euro. Die Dividende soll vorerst auf das gesetzlich vorgeschriebene Minimum von 6 Mio. Euro begrenzt werden.
 

Katia Meyer-Tien
Redakteurin
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Donnerstag, 28.04.2022, 13:10 Uhr

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