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Enerige & Management > Effizienz - Weit mehr als Effizienz
Bild: Rido / Shutterstock.com
EFFIZIENZ:
Weit mehr als Effizienz
Energieeffizienz-Netzwerke werden immer mehr zu Klimaschutz-Netzwerken. Unternehmen können sich gemeinsam künftig vielfältigeren Themen über ein gefördertes Netzwerk widmen.
 
Die Themen, mit denen sich Energieeffizienz-Netzwerke beschäftigen, sollen in den nächsten Jahren vielfältiger werden. Die ersten Netzwerke – die ab 2014 gegründet wurden – haben sich anfangs sehr stark mit Effizienzmaßnahmen in den Betrieben beschäftigt. Die Bundesregierung sowie 21 Verbände und Organisationen der Wirtschaft setzen seit diesem Jahr die Initiative mit einem breiteren Fokus fort. Damit sollen sich auch künftig noch mehr Unternehmen angesprochen fühlen, Netzwerke zu gründen. Das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) und das Bundesumweltministerium (BMU) hatten bereits im September 2020 gemeinsam mit Vertretern der Wirtschaft vereinbart, die Initiative weiter auszubauen.

„Die Netzwerke werden sich von Energieeffizienz-Netzwerken zu Klimaschutz-Netzwerken entwickeln“, sagte Thorsten Herdan von der Abteilung Energiepolitik des Bundeswirtschaftsministeriums. Er sprach als Referent bei der Konferenz der Energieeffizienz-Netzwerke am 22. April, die zu den Berliner Energietagen von der Arbeitsgemeinschaft Energieeffizenz-Netzwerke Deutschland (AGEEN) und der Initiative Energieeffizienz- und Klimaschutz-Netzwerke (IEEKN) veranstaltet wurde.

Als Nachfolgerin der erfolgreichen Initiative Energieeffizienz-Netzwerke setzt die „Netzwerkinitiative“ einen neuen Akzent: Neben dem bisherigen Fokus auf den effizienten Einsatz von Energie in Industrie, Handel, Gewerbe und Handwerk wurde das inhaltliche Spektrum der Netzwerke um die Themen Klimaschutz, Energiewende und Nachhaltigkeit erweitert.

Ziel ist es, bis zu 350 neue Netzwerke bis Ende 2025 zu gründen. Sie könnten helfen, 9 bis 11 Mrd. kWh Endenergie und 5 bis 6 Mio. Tonnen Treibhausgasemissionen einzusparen. Zentrale Elemente der Netzwerke sind ein moderierter Austausch zwischen den Teilnehmern und die Festlegung gemeinsamer Einsparziele. So gewinnen die Unternehmen schneller das Know-how, wie sie ihren Energieverbrauch senken und einen Beitrag zum Klimaschutz leisten können.

Steffen Joest, Leiter der Geschäftsstelle der IEEKN, der als Dachverband fungiert, zog auf der Konferenz im Rahmen der Berliner Energietage eine erste positive Bilanz: „Bereits im ersten Quartal 2021 sind 16 neue Klimaschutz-Netzwerke entstanden.“ Dies sei einer guter Start und mache Mut. Die Themen, die Unternehmen vermehrt gemeinsam angehen wollen, sind zum Beispiel Speicherung von Energie, externe Abwärmenutzung, Ressourceneffizienz, Elektromobilität oder nachhaltige Produktgestaltung. Um dem gerecht zu werden, wird die Initiative „ein Fachreferentenpool-Angebot aufbauen. „Sie stehen dann den Netzwerken kostenlos zur Verfügung“, kündigte Joest an.

Beispiele aus der Praxis der Netzwerkarbeit

Diesen neuen Aspekt will zum Beispiel der Oberflächenspezialist Schattdecor aus dem bayerischen Thansau aufgreifen. Das Unternehmen beschäftigt sich seit zehn Jahren mit Energieeffizienz und ist Teil des Energieeffizienz-Netzwerks Bayern. Johann Osterhammer von Schattdecor ist für die Maßnahmen verantwortlich und stellte das Konzept und die bislang erreichten Einsparungen vor: „Wir konnten über alle Standorte hinweg bislang 15 Prozent Energie sowie 700 Tonnen CO2 einsparen.“ Und bis 2030 will Schattdecor insgesamt 30 % Energieeinsparung schaffen. Anfangs seien der Aufbau eines Energiemanagementsystems und eines Messkonzepts essenziell gewesen. Es folgten viele kleinere und größere Maßnahmen: vom Motorentausch über den Ausbau der Eigenstromerzeugung bis hin zu Temperaturabsenkungen in der Produktion. Das Unternehmen will nun künftig – auch weiterhin in Zusammenarbeit mit dem Netzwerk – mehr auf den Klimaschutz eingehen. Dazu wurde unter anderem ein CO2-Fußabdruck erstellt.

Ein weiteres Beispiel ist der Autobauer BMW. Auch der Konzern ist in Netzwerken aktiv, unter anderem in einem Dekarbonisierungs-Netzwerk. Ein Ziel ist es, die Produktion bis 2030 klimaneutral zu bekommen. Der Austausch mit anderen Netzwerkteilnehmern sei auch für BMW wichtig, sagte Michael Beer vom Automobilkonzern. „Wir sehen erhebliche Potenziale in der alternativen Wärmeerzeugung“, so Beer. Dazu zählt BMW die Abwärmenutzung und KWK-Technologien. Das Netzwerk biete hier Ansprechpartner, die sich ebenfalls mit solchen Themen auseinandersetzen. Das würde allen Beteiligten helfen. Unterstützt wird das Netzwerk DekarbN von der Forschungsstelle für Energiewirtschaft FfE.

Die Netzwerke hätten sich in den vergangenen Jahren kontinuierlich weiterentwickelt, sagte Serafin von Roon, FfE-Geschäftsführer und Vorsitzender der AGEEN, zum Abschluss der Konferenz. In der Netzwerkarbeit gehe es um Energiewende, die gemacht wird. „Es ist ein Erfolgsmodell und die vielen positiven Beispiele motivieren weiterzumachen.“ 
 

Heidi Roider
Redakteurin und Chefin vom Dienst
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Donnerstag, 22.04.2021, 12:59 Uhr

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