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Enerige & Management > Effizienz - Unternehmer offener für Energieeinsparungen
Quelle: Fotolia / Photo-K
EFFIZIENZ:
Unternehmer offener für Energieeinsparungen
Immer mehr Mittelständler wollen in die energetische Sanierung ihrer Betriebsstätten investieren und damit Energie einsparen. Dies zeigt der aktuelle "Monitor zur Klimawende".
 
Die Antworten von 600 Entscheidern für das Gebäudemanagement von kleinen und mittleren Untenrehmen − das heißt, Unternehmen mit bis zu 249 Mitarbeitenden − ließen die Analystinnen und Analysten des Kölner Beratungsinstituts Sirius Campus in ihren "Monitor zur Klimawende" einfließen. Sie geben die Ergebnisse als repräsentativ an, Umfragezeitpunkt war im September vergangenen Jahres. Jetzt haben die Kölner die Ergebnisse veröffentlicht. 

Die Auswertung erfolgte laut dem Campus mithilfe einer Wertschöpfungsgewichtung, um das Investitionspotenzial der wenigen mittleren Unternehmen (2 % auf Basis der Anzahl aller KMUs) gemäß ihres Umsatzes stärker in die Gesamtauswertung (37 % auf Basis der Wertschöpfung aller KMUs) einfließen zu lassen.

Ende 2021, also noch vor den aktuellen Energiepreissteigerungen, planten demnach mehr als ein Drittel (37 %) eine oder mehrere Investitionen für Energiesparmaßnahmen in den nächsten fünf Jahren. Gerade bei mittelgroßen Unternehmen ist die Investitionsbereitschaft groß. Mehr als die Hälfte (54 %) sieht große Chancen in energetischen Sanierungen, hauptsächlich um Energie zu sparen (36 %) und den Klimaschutz zu unterstützen (30 %). Aber auch monetäre Anreize wie die Nutzung von staatlichen Förderungen (28 %) und das allgemeine Motiv, Geld zu sparen (28 %), bringen die Entscheider in den KMUs dazu, Investitionen für energetische Sanierungen zu erwägen. "Wir gehen davon aus, dass im Kontext der aktuellen Energiepreissteigerungen die Investitionsbereitschaft noch weiter gestiegen ist", sagt Dr. Oliver Gaedeke, Geschäftsführer der Sirius Campus.
  Der Rückblick zum Vergleich: In den vergangenen fünf Jahren hatten nur rund ein Zehntel (12 %) der knapp 2,57 Mio. kleineren und mittleren Unternehmen in Deutschland in mindestens eine Maßnahme zur energetischen Sanierung des eigenen Betriebs investiert.

CO2-Bepreisung und Förderung der E-Mobilität zeigen Wirkung

Als einen der wichtigsten Treiber, um sich mit Energiesparmaßnahmen zu beschäftigen, nennen die Marktforschenden die Anschaffungspläne eine klimafreundliche Fahrzeugflotte. Die Kaufförderungen und die niedrigeren Betriebskosten für reine Elektroautos gelten als die "stärksten Motivatoren" in der Entscheidungsebene von KMUs. Jeweils rund ein Viertel der Unternehmen planen in den kommenden zwölf Monaten den Kauf vollständiger Elektro-Autos (27 %) oder Plug-in-Hybrid-Autos (37 %). Auch andere Förderungen wie etwa Einspeisevergütungen für Photovoltaik oder der Wasserstoff-Technologie reizen KMUs dazu, sich mit den Möglichkeiten für ihre Betriebsstätten vertraut zu machen und Pläne anzugehen.

Ebenso wirksam sind Regeln zur Abbildung von Gemeinschaftskosten, wie es durch die CO2-Bepreisung des Brennstoffemissionshandelsgesetzes erfolgt. Gerade größere Unternehmen mit hohem Energieverbrauch entwickeln und planen aufgrund dessen Energiesparmaßnahmen. 

Jedoch: Allein das Interesse und Energiespar-Planungen reichen laut der Kölner Forscherinnen und Forscher für eine tatsächliche Umsetzung nicht aus. Nur 30 % der interessierten KMUs haben in der Vergangenheit auch tatsächlich eine der vier untersuchten Maßnahmen Wärmedämmung, Heizungserneuerung, regenerative Warmwasseraufbereitung oder Stromgewinnung umgesetzt.

Anschauliche Beratung als "Zünglein an der Waage"

Wichtigster Treiber bei der tatsächlichen Umsetzung sind Energieeffizienz- beziehungsweise Energieberater. Jedoch hatte in den vergangen fünf Jahren nur rund ein Zehntel (13 %) der investitionsbereiten Unternehmen diese Expertenberatung genutzt. Kompensiert wird diese Lücke durch andere Beratungsangebote − etwa von Energieanbietern (20 %), KfW (18 %), Handwerkern (17 %), Landesförderinstituten (15 %), BAFA (14 %) Architekten und Bauunternehmen (9 %), Bundeswirtschaftsministerium (8 %) oder der Deutschen Energie-Agentur (7 %). 

Entwicklung der Planungen von Energiesparmaßnahmen bei KMU
(zum Vergrößern bitte auf die Grafik klicken)
Quelle: Sirius Campus GmbH
  Das Beratungsgespräch zur technischen Umsetzung entpuppt sich laut der Auswertung des Energiemontors immer mehr als äußerst kritische Phase im Entscheidungsprozess. Optimalerweise findet laut den Kölnern eine Beratung vor Ort statt. In dieser müssten eine individuelle Planung, Empfehlung für Hersteller und Handwerker und Unterstützung für Anträge angeboten werden. Die Berechnung der einsparbaren Energiemenge und damit verbundenen CO2-Reduktion sei dann ein ebenso wichtiger Inhalt, der jedoch erst bei einem Fünftel (18 %) der Beratungsgespräche vermittelt wird. Wesentlich häufiger erfolgt eine detaillierte Kostenberechnung (39 %), die sich dann unter Umständen negativ auf die Investition auswirke. 

Der komplette, etwa 200-seitige "Monitor zur Klimawende"   ist über die Internetseite von Sirius Campus erhältlich.
 

Davina Spohn
Redakteurin
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