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Enerige & Management > IT - Starker Rückhalt in der Energiewirtschaft für 450 Megahertz
Frederik Giessing: „Wir bieten unser Produktportfolio allen Kunden diskriminierungsfrei an“. Quelle: Axel Schmidt / 450 Connect
IT:
Starker Rückhalt in der Energiewirtschaft für 450 Megahertz
450 Connect geht mit dem Ausbau des 450-MHz-Netzes in gewisser Weise in Vorleistung. Kein Anlass zur Sorge, betont Geschäftsführer Frederik Giessing im Gespräch mit E&M.
 
Nach einem langen politischen Hick-Hack verständigten sich das Bundeswirtschafts- und das Bundesinnenministerium darauf, der Bundesnetzagentur bei ihren Vorbereitungen für eine Zuteilung der 450-MHz-Frequenzen an die Betreiber kritischer Infrastrukturen „nicht in den Arm zu fallen“, wie aus Kreisen der Beteiligten zu hören war.

Dem „Friedensabkommen“ der Ministerien war eine Entscheidung der Präsidentenkammer der Bundesnetzagentur vorausgegangen, die klarstellte: „Die Frequenznutzungsrechte im Frequenzbereich 450 MHz (…) werden (...) vorrangig für die Anwendungen kritischer Infrastrukturen bereitgestellt.“ Der Zugriff der Energiewirtschaft ist damit zwar nicht exklusiv. Aber die Bedeutung der Frequenz für die Energiewende und die Versorgungssicherheit wird in dem rund 100-seitigen Dokument mehrfach betont. Denn ein hochverfügbares und schwarzfallfestes Netz für die Datenübertragung in Smart Grids und die Kommunikation in Krisensituationen sei unverzichtbar.

Im Juli 2021 erhielt schließlich die 450 Connect GmbH von der Bundesnetzagentur die bundesweite Zuteilung für die 450-MHz-Frequenzen bis zum Jahr 2040. Den Planungen zufolge werde der flächendeckende Ausbau 2025 abgeschlossen sein, sagt Frederik Giessing im Gespräch mit E&M. Schon im März des kommenden Jahres soll in ausgewählten Regionen in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und im Saarland der kommerzielle Betrieb beginnen, so der Geschäftsführer von 450 Connect.

Kommerzieller Betrieb in ausgewählten Regionen ab März 2023

Das Projekt habe nach wie vor politischen Rückenwind. Trotzdem gebe es Herausforderungen, wie sie auch bei anderen großen Infrastrukturprojekten anzutreffen seien. „Allerdings haben wir den Vorteil, dass wir nur 1.600 Funkstandorte für ein flächendeckendes Netz benötigen“, erläutert Giessing. Standorte könnten in der Regel von Energieversorgern oder kommerziellen Mastanbietern angemietet werden. „Nur in wenigen Gegenden müssen wir nachverdichten oder einzelne Strecken über Tiefbaumaßnahmen an unseren Backbone anschließen“, sagt der 450-Connect-Geschäftsführer und fügt hinzu: „Im Dialog mit den Ämtern vor Ort schaffen wir es aber, dass wir gut im Zeitplan liegen.“

Der Infrastrukturanbieter Gasline stellt die Lichtwellenleiter-Infrastruktur (LWL) zur Verfügung und stellt die regionalen Glasfaseranbindungen zu den zentralen Richtfunk-Standorten her. Auf dieser Infrastruktur betreibt 450 Connect ein LWL-Transportnetz mit eigener Technik und 72-Stunden-Notstromversorgung.

Im Grunde geht 450 Connect mit dem Aufbau des 450-MHz-Netzes in Vorleistung. Giessing sorgt sich jedoch nicht, am Ende nicht genügend Kunden zu haben, obwohl es tatsächlich Wettbewerbslösungen gibt. Der eigene Stadtwerke-Tag im vergangenen September habe große Resonanz gefunden. Nicht zuletzt lasse sich auch an den Anteilseignern (siehe Kasten) erkennen, wie stark der Rückhalt in der Branche ist.
 

450 Connect: Die Gesellschafter

450 Connect ist ein von der Energie- und Wasserwirtschaft getragenes Joint Venture, an dem vier Gesellschafter mit jeweils 25 Prozent beteiligt sind. Zum einen ist dies der Telekommunikations- und Stromnetzbetreiber Alliander, zum anderen ein Konsortium der sogenannten Ankerkunden − Regionalversorger, zu denen beispielsweise EWE Netz, die Wemag und die Entega gehören − sowie die Versorger-Allianz 450. Diese ist aus einem eingetragenen Verein hervorgegangen, der die Interessen von knapp 200 kommunalen Energie- und Wasserversorgern gebündelt hat. Als vierter Gesellschafter ist Eon an der 450 Connect beteiligt.

Vorteile gegenüber anderen Kunden haben die Anteilseigner nicht, stellt Giessing klar. „Wir bieten unser Produktportfolio allen Kunden diskriminierungsfrei an. Jeder bekommt die gleichen Konditionen und den gleichen Funkdienste-Rahmenvertrag, egal ob es sich um einen Gesellschafter handelt oder um ein anderes Unternehmen“, betont er.

Das vollständige Interview mit Frederik Giessing lesen Sie im Jahresmagazin von E&M, das am 1. Dezember erscheint.
 

Fritz Wilhelm
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Mittwoch, 30.11.2022, 15:47 Uhr

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